Ärzte Zeitung, 03.08.2009

TV im Blick

Disziplin? Herr Lauterbach kommt mal wieder zu spät

"Politiker im Alltagstest": Der SPD-Gesundheitsexperte versuchte sich im ZDF als Sozialpädagoge.

Von Pete Smith

Karl Lauterbach macht für das ZDF den Alltagstest.

Foto: dpa / Bildfunk

Er kam, sah und sinnierte. "Jeden Morgen wollte man das nicht haben", befindet Professor Karl Lauterbach, als er kurz vor sieben von einem dreieinhalb Kilometer langen Frühlauf zurückkehrt. Als "Politiker im Alltagstest" ist der SPD-Gesundheitsexperte für die ZDF-Sendung "3 Tage Leben" aus dem Bundestag ins wahre Leben getaucht, um mit sieben straffällig gewordenen Jungen vorübergehend ein Resozialisierungsprogramm zu absolvieren.

Disziplin, Ordnung und Sport sind die zentralen Säulen der Arbeit im Raphaelshaus in Dormagen, wo Lauterbach den Job eines Sozialpädagogen übernimmt. Nicht nur mit dem Sport tut er sich anfangs schwer, auch die Disziplin will ihm nicht gelingen. Schon am ersten Tag kommt er zu spät. Das hätten ihm seine Kollegen wohl durchgehen lassen, aber drei Tage hintereinander unpünktlich zu sein, das geht einfach nicht…

Er kam, sah und sistierte. Üblicherweise sind die Pädagogen den jungen Straftätern ein Vorbild, doch diese Maxime setzt Lauterbach zunächst einmal aus. Statt seinem Zögling bei der Pflege der hofeigenen Tiere zur Hand zu gehen, hört er sich lieber dessen Geschichte an. Statt seiner Gastgeberin abends beim Renovieren zu helfen, geht er lieber zeitig ins Bett ("Mein Vorschlag ist, wir machen für heute Feierabend"). Statt seinem Kletterpartner im Hochseilgarten zum Erfolgserlebnis zu verhelfen, steigt er munter voran. Lauterbach: "Der Aufstieg ist tausend mal interessanter als der Abstieg - genau wie in der Politik."

Er kam, sah und siegte am Ende doch. Beim 10-Kilometer-Lauf kämpft sich Lauterbach ins Ziel, er packt auch beim Ausmisten des Stalls mit an und klettert den Hochseilgarten hinab, um seinem Partner im zweiten Anlauf auf den Gipfel zu helfen. Am letzten Tag hat der Politiker auch verstanden, dass das Sinnieren allein nicht ausreicht, um junge Menschen auf den rechten Weg zu führen, sondern dass man klare Positionen einnehmen muss - wie in der Politik. So traut er sich schließlich auch, die Kinder mit Strenge in ihre Schranken zu weisen und die Nichtbeachtung der Regeln mit schlechten Noten zu ahnden. Nach drei Tagen ist er zwar eigenem Bekunden nach "am Ende", aber er hat sich den Respekt der Jugendlichen (und ein bisschen auch seiner "Kollegen") verdient. Die Jungen schmücken die hauseigenen Lamas und Kamele mit dem Markenzeichen des Politikers, seiner Fliege - eine Geste, die durchaus nicht böse gemeint ist. Lauterbach selbst kündigt an, dass er seine Erfahrungen aus dem wahren Leben in die Politik einbringen will. Wenn man ihn lässt.

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