Ärzte Zeitung online, 28.08.2009

Kandidat für den Springer Charity-Award: Deutsche Hospiz-Stiftung

Eine Lobby für Sterbende und Schwerstkranke

Sie kämpft für die Interessen von Menschen, deren Leben sich dem Ende zuneigt: Die Deutsche Hospiz-Stiftung hat sich zu einer starken Patientenschutz- Organisation entwickelt.

Eine Lobby für Sterbende und Schwerstkranke

Wenn das Leben zu Ende geht, ist menschliche Wärme gefragt.

Foto: imago

Von Pete Smith

Für jeden Menschen muss an jedem Ort und zu jeder Zeit eine seine Würde achtende Versorgung gewährleistet sein: Das ist die Maxime der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, die den Schutz des Lebens und die Selbstbestimmung des sterbenden Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt.

Als die Deutsche Hospiz Stiftung 1995 ins Leben gerufen wurde, wollten die Initiatoren vor allem die Hospiz-Idee in Deutschland fördern. Einen ersten Erfolg erzielte die Stiftung bereits ein Jahr nach ihrer Gründung, als der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer einer Teilfinanzierung stationärer Hospize zustimmte. Im Januar 1997 startete die Deutsche Hospiz Stiftung das bundesweit einzigartige Schmerz- und Hospiztelefon, ein Service, den bis heute mehr als 250 000 Bundesbürger genutzt haben. Im Dezember 1998 schließlich stellte die Patientenschutzorganisation an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen den ersten deutschen Lehrstuhl für Palliativmedizin vor.

Viele Menschen wollen nicht in Hospizen sterben

Die Erfahrungen lehrten schon bald, dass man die eigene Arbeit ausweiten musste, da viele Menschen nicht in Hospizen sterben (wollen), sondern an anderen Orten - in Krankenhäusern, Pflegeheimen und zu Hause. Daher rückte man die Versorgung der Schwerstkranken und Sterbenden allgemein in den Mittelpunkt. Auf diesem Weg entwickelte sich die Deutsche Hospiz Stiftung zu jener Patientenschutzorganisation, die sie heute ist. Sie will jenen Menschen Gehör verschaffen, die sich nicht in einer Selbsthilfegruppe zusammenschließen können und insofern keine einheitliche Stimme haben. "Hospiz ist kein Ort, sondern eine Lebenshaltung" lautet seither der Leitgedanke, dem sich die Stiftung verpflichtet fühlt.

Nach Angaben der Deutschen Hospiz Stiftung erhielten von jenen 830 000 Bundesbürgern, die 2008 starben, nur 12,5 Prozent eine professionelle Sterbebegleitung: 2,3 Prozent in einem stationären Hospiz, 4,1 Prozent auf einer Palliativstation und 6,1 Prozent der Sterbenden durch einen ehrenamtlichen Hospizexperten daheim, in einem Pflegeheim oder Krankenhaus. Demgegenüber seien 393 000 Menschen ohne jegliche Begleitung gestorben, obwohl sie diese dringend benötigt hätten.

Ein Rechtsanspruch auf professionelle Sterbebegleitung zählte schon von jeher zu den Forderungen der Patientenschutzorganisation. Als jener im April 2007 vom Gesetzgeber verabschiedet wurde, durfte man dies auch als Erfolg der jahrelangen Stiftungsarbeit werten.

Das Einwirken auf politische Entscheidungsträger gehört seit ihrer Gründung vor 14 Jahren zum Selbstverständnis der Deutschen Hospiz Stiftung. Schwerpunkte liegen hierbei im Eintreten gegen aktive Sterbehilfe und im Bereich Patientenverfügung. Die Verabschiedung des Patientenverfügungsgesetzes im Juni dieses Jahres erfolgte am Ende einer Kampagne, die die Deutsche Hospiz Stiftung schon 2005 ins Leben gerufen hatte.

"Helfende Hände" - ein ganz besonderer Service

Für die Unterstützung von Menschen in Krisensituationen hat die Deutsche Hospiz Stiftung unter dem Motto "Helfende Hände" einen bundesweit einmaligen Service geschaffen. In Dortmund, Berlin und München wurden Hotlines eingerichtet, wo Schwerstkranke oder Angehörige von Pflegepatienten in akuten Notfällen Expertenrat erhalten. Hier geht es etwa um die rasche Organisation häuslicher Pflege, um Zuspruch bei niederschmetternden Diagnosen oder um Hilfe bei der geeigneten Scherztherapie.

Für Menschen, die dem Ende ihres Lebens entgegensehen, hält die Deutsche Hospiz Stiftung umfangreiches Informationsmaterial bereit: Adressen von ambulanten Hospizdiensten, stationären Hospizen, Palliativstationen und Schmerztherapeuten sowie Ratschläge zur Abfassung einer Patientenverfügung oder eines Testaments. Darüber hinaus hat die Stiftung das Bundeszentralregister "Willenserklärung" eingerichtet, ein deutschlandweites Registrierungssystem für Dokumente wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmachten. Vor kurzem wurde zudem eine Schiedsstelle gestartet, die Angehörige und Ärzte bei Konflikten rund um die Patientenverfügung gebührenfrei berät.

Schirmherrin der gemeinnützigen Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist die Schauspielerin Uschi Glas. Die Stiftung finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Beiträgen von über 55 000 Mitgliedern und Förderern.

Deutsche Hospiz-Stiftung

Eine Lobby für Sterbende und Schwerstkranke

Sie ist eine Patientenschutzorganisation, die die Interessen von Schwerstkranken und Sterbenden vertritt. Die Deutsche Hospiz Stiftung verschafft Menschen Gehör, die selbst keine Stimme im Gesundheitswesen haben und die sich auch nicht in einer Selbsthilfegruppe zusammenschließen können.

Im Kern der Arbeit stehen der Schutz des Lebens und die Selbstbestimmung der sterbenden Menschen. Die Hospiz Stiftung spricht sich darüber hinaus konsequent gegen aktive Sterbehilfe aus.

www.hospize.de

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