Apotheker plus, 11.09.2009

Braune Brause aus Apothekerhand

Die beiden bekanntesten Erfrischungsgetränke der Welt, Coca-Cola und Pepsi-Cola, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts von zwei US-amerikanischen Apothekern erfunden - und zwar als Medizin. Beide Pharmazeuten hatten eigentlich einen Arzneisirup gegen Kopfschmerz und Verdauungsstörungen brauen wollen.

Von Ursula Armstrong

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Im Laufe der Zeit hat sich das Design der typischen Coca-Cola-Flasche geändert, die Grundformel des Inhalts ist jedoch unverändert geblieben.

Fotos: Coca-Cola

Coca-Cola wurde von John S. Pemberton (1831 bis 1888), einem Apotheker in Atlanta in Georgia, gemixt. 1886 verkaufte er das Getränk erstmals. Es wurde als Mittel gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen und Depressionen angepriesen. Auch gegen die damalige Modekrankheit Neurasthenie sollte der Sirup helfen - und sogar gegen Impotenz.

Vor allem aber wollte Pemberton sich selbst helfen. Denn er litt nicht nur an Rheuma und Magenproblemen, er war auch morphiumsüchtig. Er wollte daher auf eine weniger nebenwirkungsbehaftete Ersatzdroge setzen und mischte Kokain in den neuen Sirup. Er war überzeugt, durch das damals als harmlos geltende Kokain vom Morphium loszukommen.

Zunächst versetzte der Apotheker Wein mit der neuen Mischung. Seine "Pemberton's French Wine Coca" enthielt vor allem Bordeaux-Wein, Kolanüsse und einen Kokablatt-Extrakt. Doch dann kam die Prohibition, und er musste den Wein-Anteil weglassen. Er mischte den Sirup also mit Sodawasser und verkaufte dieses Getränk erstmals 1886. Ein Jahr später ließ er es sich patentieren.

Den Namen dazu erfand Pembertons Buchhalter Frank M. Robinson. Er bezog sich dabei auf die Zutaten Kokablatt und Kolanuss. Der Buchhalter, der eine besonders schöne Schrift hatte, entwarf auch das noch heute verwendete markante Logo mit den geschwungenen C.

Pemberton kochte den Sirup in einem dreibeinigen Kessel im Hinterhof, und transportierte es zu seinen Kunden in roten Fässchen. Coca-Cola war somit von Anfang an verbunden mit der Farbe Rot. Ein Glas Coca-Cola aus dem Soda-Brunnen kostete anfangs fünf Cent. In Apotheken und den damals beliebten Soda-Bars wurden durchschnittlich pro Tag aber nur 13 Gläser verkauft. Im ersten Jahr verdiente Pemberton so nur etwa 50 Dollar. Doch Herstellung und Vermarktung kosteten ihn über 70 Dollar - zunächst also ein Verlustgeschäft. Pemberton brauchte jedoch Geld, denn er war nicht von seiner Sucht losgekommen. Kurz nach der Patentierung verkaufte er das Rezept und die Rechte an Coca-Cola daher an den Apothekengroßhändler Asa Griggs Candler. Ein Jahr später starb Pemberton. Candler gründete 1892 "The Coca-Cola Company" und ebnete den Weg für den wirtschaftlichen Erfolg des Getränks.

"Coca-Cola" ist nach "OK" das bekannteste Wort

Heute ist Coca-Cola die wertvollste Getränkemarke der Welt. Und nach "OK" ist "Coca-Cola" das bekannteste Wort der Welt.

Das Rezept, das mit Pembertons ursprünglicher Mixtur nicht mehr viel gemeinsam hat, ist bekanntlich eines der bestgehüteten Geheimnisse. Zu den Zutaten sollen gehören: Koffein, Vanille-Extrakt, Zitronensäure, Limonellensaft, Zucker, Wasser, Karamell, Phosphorsäure und entkokainisierte Kokablatt-Tinktur sowie eine Essenz aus Orangenöl, Limonenöl, Muskatnussöl, Zimtöl, Korianderöl, Neroliöl und Alkohol.

Auch hinter dem Konkurrenz-Produkt Pepsi-Cola steckt ein Apotheker: Caleb Bradham (1867 bis 1934) aus New Bern in North Carolina. 1893 verkaufte er in seiner Apotheke erst- mals ein Getränk namens "Brad's Drink" aus kohlensäurehaltigem Wasser, Zucker, Vanille, Öl, Kolanüssen und Pepsin, das vor allem die Verdauung fördern sollte - das spätere Pepsi-Cola.

Geheime Rezeptur

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8,45 mg Kokain soll ein Glas Coca-Cola ursprünglich enthalten haben. Das ergibt sich zumindest aus einem Rezept, das Frank M. Robinson, der Buchhalter von Coca-Cola- Erfinder John S. Pemberton (Bild), aufgeschrieben hat.

Seit 1902 werden jedoch nur noch nichtalkaloide Extrakte aus den Kokablättern als Aroma hinzugegeben. Die Formel liegt seit 1919 in einem Tresor in Atlanta; nie mehr als zwei Menschen sollen Zugang zu ihm haben und die Rezeptur kennen.

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