Ärzte Zeitung, 29.09.2009

Klinikambiente schlecht - Budget wird gekürzt

Neues Bewertungssystem für Krankenhäuser in Großbritannien stößt bei Fachärzten auf Ablehnung

LONDON (ast). Britische Krankenhäuser sollen demnächst direkt von ihren Patienten für ihren Feel-Good-Faktor benotet werden. Kliniken, die den Kranken nicht genug Wohlfühlatmosphäre vermitteln, drohen Budgetkürzungen durch das Gesundheitsministerium. Fachärzte sind skeptisch und lehnen die Neuerungen weitgehend ab.

Wie der britische Gesundheitsminister Andy Burnham kürzlich vor Journalisten in London sagte, werde im staatlichen Krankenhaussektor "nicht genug Wert auf das Ambiente" und "das Rundherum" gelegt. So würden die Krankenhäuser des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) zwar bereits seit Jahren auf der Basis ihrer medizinischen Kompetenz evaluiert. NHS-Kliniken sind zum Beispiel gezwungen, regelmäßig Sterberaten und andere klinische Daten zu veröffentlichen.

Diese von Labour Ende der 90iger Jahre in großem Umfang eingeführte Transparenz hat laut Gesundheitsminister Burnham vielerorts zu einer massiven Qualitätsverbesserung geführt. Wartezeiten seien gesunken, Ergebnisse von Operationen und von fachärztlichen Behandlungen seien "heute besser als vor zehn Jahren".

Orientierte sich die Evaluierung der NHS-Kliniken bislang eher an harten klinischen Daten, so soll es in Zukunft auch eine Rolle spielen, ob sich der Patient während seines Klinikaufenthalts wohlfühlt. Burnham: "NHS-Kliniken haben zulange nach der Devise gehandelt, entweder akzeptiert der Patient alles, was er auf den Stationen erlebt, oder er bleibt unbehandelt." Vom kommenden Jahr an werden NHS-Patienten daher zunächst versuchsweise kurz vor ihrer Entlassung gebeten, Schulnoten fürs Klinikambiente geben. Sind die Tagesräume hell und freundlich? Ist das Klinikpersonal höflich? Wie steht's mit den Umgangsformen der Chefärzte? Sind die Besuchszeiten großzügig genug?

Krankenhäusern, die bei dieser Bewertung schlecht abschneiden, drohen Etatkürzungen durch das Gesundheitsministerium von bis zu vier Prozent jährlich.

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