Ärzte Zeitung, 11.11.2009

Gehofft, geglaubt, gezweifelt, gelitten - wie Farrah Fawcett den Kampf gegen Krebs verlor

Nach der Diagnose Darmkrebs entschloss sich die US-Schauspielerin und Weltstar Farrah Fawcett, ihre Krankheit zu dokumentieren. "Farrah's Story", ein beeindruckendes Filmdokument, wird knapp fünf Monate nach ihrem Tod in Deutschland erstmals ausgestrahlt.

Von Pete Smith

Gehofft, geglaubt, gezweifelt, gelitten - wie Farrah Fawcett den Kampf gegen Krebs verlor

Weltstar auf dem Laufsteg: Farrah Fawcett bei der Verleihung der MTV Video Music Awards in Miami 2004.

Foto: dpa

Farrah Fawcett war schön, ihre blonde Mähne legendär. Als der US-Schauspielerin aufgrund einer Chemotherapie die Haare ausfielen, litt eine ganze Nation mit. Viele USAmerikaner realisierten erst jetzt, zwei Jahre nach Beginn ihrer Krebserkrankung, dass der glanzvolle Star ein Mensch war, der mit dem Tod rang. "Farrah's Story" erzählt die Geschichte jenes zweieinhalb Jahre währenden Kampfs gegen den Krebs.

Die US-Dokumentation, die in diesem Jahr für den "Emmy" nominiert war, ist am Freitag um 20.15 Uhr in deutscher Erstausstrahlung auf Focus Gesundheit (Sky) zu sehen. Die Zuschauer erwartet ein bewegender, sehr amerikanischer Film in Spielfilmlänge.

Weltweiter Ruhm mit "Drei Engel für Charlie"

Die Dokumentation beginnt mit Bildern des Stars und Sexsymbols Farrah Fawcett, die vor allem mit der TV-Serie "Drei Engel für Charlie" zu weltweitem Ruhm gelangte. Die Diagnose Darmkrebs bildet den Schnitt. "Ich will leben", sagt die Patientin trotzig und traurig zugleich. Sie fordert ihre Freundin Alana Stewart auf, den Kampf, den sie aufnimmt, im Film festzuhalten. Sie beginnt ein Tagebuch. Die beiden Dokumente bilden das Material, aus dem der spätere Film entstand.

Hoffnung, Kampf und Resignation

"Farrah's Story" ist eine Geschichte, wie sie Millionen Menschen weltweit erleben. Ein Mensch erkrankt, leidet, hofft, kämpft, verzweifelt, resigniert, glaubt, ringt und stirbt. Nur dass die Geschichte der meisten niemand erzählt, weil sie sich allein im Privaten vollzieht.

Farah Fawcett ist an die Öffentlichkeit gegangen, das verdient Respekt. Sie hat sich als Mensch gezeigt, ohne Schminke, gezeichnet von ihrer Krankheit, gezeichnet vom Tod. Ihr Kampf gegen den Krebs, ihr Leben zwischen Heilungserfolgen und Rezidiven, wirkt nach. Den einen wird der Film Trost spenden, manchen womöglich auch Hoffnung.

Andere wiederum, Leidensgenossen von Farah Fawcett, werden wohl mit Wehmut darauf schauen, welche Therapieoptionen ein Star genießt, der es sich leisten kann, mit seinem Privatjet zwischen Los Angeles und Frankfurt hin und her zu jetten. Dass am Ende auch das nichts hilft, wird niemanden schadenfroh stimmen, aber bei einigen das Gegenteil auslösen, das die Dokumentation beabsichtigt: Wenn schon dem nicht geholfen werden kann, der alles hat, welche Hoffnung bleibt dem, der nichts hat?

Die Dokumentation beginnt im UCLA Medical Center in Los Angeles, der Universitätsklinik von Kalifornien, wo Farah Fawcett die Diagnose Darmkrebs erhält. Die Ärzte schlagen ihr einen umfangreichen chirurgischen Eingriff vor, bei dem ein künstlicher Darmausgang gelegt wird. Die Schauspielerin lehnt ab. Stattdessen fliegt sie nach Deutschland, um sich in der "Klinik im Alpenpark" am Tegernsee einer alternativen Behandlung zu unterziehen. Jene schlägt zunächst an, doch schon bald erfolgt der erste Rückschlag. Damit beginnt ein zweieinhalbjähriges Martyrium zwischen Angst und Hoffnung.

"Ich vermisse mein Leben"

"Ich vermisse mein Leben", sagt Farah Fawcett einmal. "Ich werde nie mehr jemanden so lieben wie Farah", sagt ihr Lebensgefährte, der Schauspieler Ryan O'Neal. Tatsächlich rührt "Farah's Story" die Zuschauer zu Tränen. Dafür sorgt nicht zuletzt die hollywood-typische Aufbereitung des Films. Am stärksten jedoch ist die Dokumentation da, wo sie weniger auf Tränen denn auf Mitleid setzt, im buchstäblichen Sinne. Etwa wenn wir Fawcetts körperlichen Schmerz erleben, in ihre verschatteten Augen blicken oder mit ihr jenen Moment teilen, da ihre schönen Haare ausfallen. Krebs, das zeigen uns diese Bilder, lässt sich nicht retuschieren. Wer sich dem Tod stellt, wählt das Leben.

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