Ärzte Zeitung, 11.12.2009

"Verzeihung, wir haben Ihre Vorfahren verspeist"

Nachfahren eines Kannibalen-Stamms im Südpazifik zeigen späte Reue bei den Urururenkeln eines Missionars.

Von Pete Smith

FRANKFURT/MAIN. "Bitte verzeihen Sie uns, dass wir Ihre Vorfahren verspeist haben." Nachfahren eines Kannibalenstamms im südpazifischen Inselparadies Vanuatu haben sich in einer einzigartigen Zeremonie bei den Urururenkeln eines britischen Missionars dafür entschuldigt, dass ihre Vorfahren jenen vor 170 Jahren töteten und aufaßen.

Man schrieb das Jahr 1839, als Reverend John Williams an Bord des Missionarschiffs "Camden" zu den Neuen Hebriden segelte, einer Inselgruppe im Südpazifik, die 1980 den Namen Vanuatu erhielt. Vor der Insel Erromango ankerte die Crew.

Williams und sein Begleiter James Harris, beide im Auftrag der Londoner Missionar-Gesellschaft unterwegs, setzten über. Was sie nicht wissen konnten: Wenige Tage zuvor hatten europäische Händler mehrere Inselbewohner getötet.

Kaum dass die engagierten Missionare ihren Fuß auf das Eiland setzten, wurden sie von den Inselbewohnern angegriffen. Harris starb durch Keulenhiebe, Williams wurde kurz danach mit einem Pfeil niedergestreckt.

170 Jahre später erhielten Charles Milner-Williams und 16 weitere Mitglieder seiner Familie die Einladung zu einer Aussöhnungszeremonie auf Erromango. Wie der britische Sender BBC berichtet, gaben die Nachfahren der Mörder dabei zu, dass ihre Urväter die beiden Missionare nicht nur getötet, sondern auch verspeist haben. Dafür entschuldigten sie sich jetzt. Die Bucht, in der die Missionare starben, wurde in Williams-Bay umgetauft.

Topics
Schlagworte
Panorama (30166)
Organisationen
BBC (411)
Personen
Pete Smith (503)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Therapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »