Ärzte Zeitung, 16.03.2010

Helden der Musikgeschichte mahnen zur Krebs-Vorsorge

Claude Debussy starb 1918 an Darmkrebs. Heute würde er von einer Koloskopie profitieren, erzählen zwei Ärzte in Darmstadt ihrem faszinierten Publikum. Sie klären, musikalisch untermalt, über die Vorsorge auf.

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Kranke Komponisten als Motivatoren für die Vorsorge (von links): Brahms, Beethoven und Debussy. © Roman Grösser

Von Sabine Schiner

DARMSTADT. Zwei Gastroenterologen aus Darmstadt gehen originelle Wege, um ihre Patienten über Prävention zu informieren. Sie haben im Darmkrebsmonat März zu einem Vortragsabend mit "Musik und Medizin" eingeladen: Der Musiker Peer Findeisen spielt ausgesuchte Stücke am Flügel, die beiden Mediziner informieren über die Krankheiten der Komponisten und wie sie selbst hätten vorbeugen können.

"Vorträge allein sind trocken und mühsam," sagt Dr. Benjamin Simonis (48). Prävention mit berühmten Komponisten wie Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) oder Claude Debussy (1862 bis 1918) in Verbindung zu bringen, sei hingegen eine Herausforderung, die zudem noch großen Spaß mache. "Ich habe selbst einiges dazugelernt", erzählt Simonis, der sich in seiner Freizeit sehr für Musik interessiert. Simonis hat mit seinem Kollegen Dr. Alexander Hurst (52) zusammen eine fachinternistische Gemeinschaftspraxis mitten in Darmstadt. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem Darmkrebsvorsorge, Ultraschall- und Endoskopieuntersuchungen. Seit Februar 2007 ist die Praxis eine zertifizierte hepatologische Schwerpunktpraxis des Berufsverbandes Niedergelassener Gastroenterologen.

Mehr als 120 Menschen hören zu, als Hurst im Gemeindesaal der Darmstädter Petrusgemeinde von Debussy erzählt, der 1918 an Enddarmkrebs gestorben ist. "Er liebte das Leben", sagt der Arzt. "Er liebte aber auch Chinin, Kokain, Morphium und Absinth." Seine Krankheit habe er verdrängt - "heute könnte man sie heilen", erzählt Hurst und weist darauf hin, dass es die Koloskopie ab 55 Jahren auf Kassenkosten gibt.

Der Arzt gibt Tipps zu gesunder Ernährung und sportlicher Betätigung, und er erklärt die verschiedenen Krankheitsstadien. Dann spielt der Pianist die "Suite pour le Piano" von Debussy, die "im Zeichen einer für ewig erachteten Gesundheit" im Jahr 1901 entstanden ist.

Der Applaus ist lang, die Zuhörer sind begeistert. Simonis freut sich. Er erklärt die Faszination an dem Thema damit, dass die Komponisten den Menschen durch ihre Krankengeschichten näher rücken. "Sie werden sonst immer so heroisch und unverwundbar dargestellt", sagt er. Auch spiegelten sich in ihren Werken oft die körperlichen Veränderungen wider. "Kunst kann man nicht isoliert vom Leben sehen." Zum Abschluss gibt es noch Werbung in eigener Sache. Simonis weist darauf hin, dass Visitenkarten und Praxisflyer am Ausgang zum Mitnehmen bereit liegen. Die Nachfrage ist groß.

Die beiden Mediziner versuchen seit Jahren, möglichst viele Menschen für das Thema Vorsorge zu gewinnen. Sie gehen dazu gezielt an die Presse. Regelmäßig informieren sie über das Leistungsspektrum der Praxis in einer Gesundheitsbeilage der örtlichen Tageszeitung und zeigen Kompetenz in ihren Telefon-Sprechstunden.

Auch das Thema Kultur und Medizin ist den beiden nicht neu: Bereits vor vier Jahren hatten sie - zusammen mit dem Qualitätsnetz Gastroenterologie Hessen - in Darmstadt das Theaterstück "Alarm im Darm" aufgeführt. Zum Programm gehörten damals ebenfalls Fachvorträge. "Das Medienecho war groß", schwelgt Simonis in Erinnerungen. "Auch Fernsehen und Rundfunk haben darüber berichtet."

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