Ärzte Zeitung, 27.05.2010

Ein Forscher im Reich der Seuchen

Robert Koch hat mit seinen Forschungen zu Infektionskrankheiten die Welt verändert und die Medizin revolutioniert. Am 100. Todestag des deutschen Entdeckers der Tuberkulose und Nobelpreisträgers der Medizin wird an sein Leben und Forschen erinnert.

Von Kerstin Mitternacht

Ein Forscher im Reich der Seuchen

Der deutsche Bakteriologe Robert Koch starb vor 100 Jahren. © dpa

Robert Koch, der Vater der Bakteriologie, starb vor 100 Jahren, am 27. Mai 1910, in Baden-Baden. Dort hielt sich der 67-Jährige nach einem schweren Herzanfall für eine Kur auf. Berühmt wurde Koch durch seine Entdeckung des Tuberkulose-Erregers. Fünf Jahre vor seinem Tod erhielt er dafür den Medizin-Nobelpreis. Seine Entdeckungen über Infektionskrankheiten hatten entscheidende Folgen für die Medizin.

Als drittes von 13 Kindern wurde Koch am 11. Dezember 1843 in Clausthal im Harz geboren. Er träumte in seiner Jugend davon, wie einige seiner Geschwister, in die USA auszuwandern, entschied sich nach dem Abitur aber doch für ein Studium in Deutschland. Nach zunächst einem Semester Physik wechselte er zur Medizin. 1866 promovierte er in Göttingen und bestand sein Staatsexamen in Hannover.

Nach mehreren Stationen als Krankenhausarzt und im Lazarett-Dienst im Deutsch-Französischen Krieg, startete er seine wissenschaftliche Laufbahn als Landarzt im preußischen Wollstein im heutigen Polen. Dort begann er in seinem Wohnhaus, in einem kleinen, selbst eingerichteten Labor, mit der Erforschung des Milzbranderregers. Zehn Jahre nach seiner Approbation entdeckte Koch Milzbrandsporen, die Ruheform des Erregers. Damit erbrachte er den ersten Nachweis, dass ein lebender Mikroorganismus eine bestimmte Infektion auslöst und nicht Geister für Krankheiten verantwortlich sind, wie viele in der damaligen Zeit dachten.

Innovationen verhalfen ihm zu einer weltweiten Karriere

Das war sein Durchbruch: Im Jahr 1880 wurde er an das Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin berufen. Sein internationaler Erfolg gelang ihm mit seinem Vortrag über die "Ätiologie der Tuberkulose" im März 1882, nachdem er den Nachweis des Lungentuberkuloseerregers erbracht hatte. Paul Ehrlich bezeichnete diesen Vortrag später als sein "größtes wissenschaftliches Erlebnis".

Ermöglicht wurde sein Erfolg durch eine Reihe an Innovationen, die Koch und seine Mitarbeiter entwickelt oder verbessert hatten, zum Beispiel Methoden zum Einfärben von Bakterien, spezielle Nährböden und neue Kulturbedingungen.

Obwohl das Reisen in der damaligen Zeit sehr mühselig war, trat Koch verschiedene Expeditionen zur Erforschung von Infektionskrankheiten an. Seine erste Reise führte ihn 1883 nach Ägypten, wo eine Cholera-Epidemie ausgebrochen war. Von dort reiste er nach Indien und entdeckte in einer Klinik den Choleraerreger.

Auch wenn Robert Koch als Entdecker dieses Erregers gefeiert wurde, so hatte doch der Italiener Filippo Pacini schon 30 Jahre vor Koch den Erreger beschrieben, dafür aber keine Aufmerksamkeit erhalten.

Im Jahr 1885 wurde Koch am neuen Institut für Hygiene in Berlin Direktor und zum Professor für Hygiene an die Friedrich-WilhelmsUniversität berufen. Seine Mitarbeiter waren damals unter anderem die späteren Nobelpreisträger Emil von Behring und Paul Ehrlich. Dort wurde auch die Fachwissenschaft der Bakteriologie ausgebaut. Die Arbeiten konzentrierten sich hier ausschließlich auf die Tuberkulose.

Auf dem 10. Internationalen Medizinischen Kongress in Berlin stellte Koch das Mittel Tuberkulin vor, von dem er sich Heilungserfolge bei Tuberkulose versprach. Nach anfänglicher Euphorie zeigte sich jedoch, dass das Mittel nicht die erhoffte Wirkung hatte, es verbesserte aber die Diagnosemöglichkeit von Tuberkulose. Dieser Misserfolg im Kampf gegen die Tuberkulose zählt zu Kochs größter Enttäuschung.

1891 eröffnete das "Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten", an dem Koch die Leitung übernahm. Neun Jahre später erfolgte die Verlegung des Instituts in einen Neubau, der bis heute den Namen des Gründers Robert Koch trägt.

Koch reiste immer wieder für Expeditionen nach Afrika

Fortan war Koch bis zu seinem Tod auf Forschungsreisen, vor allem in Afrika, unterwegs. Auf seinen Expeditionen erforschte er unter anderem Tropenkrankheiten und deren Übertragungswege auf den Menschen. Er fand den Infektionsweg der Schlafkrankheit durch die Tsetse-Fliege und bei der Pest durch Rattenflöhe. Zu einem Kollegen soll Koch während einer Afrikaexpedition einmal gesagt haben: "Können Sie sich einen schöneren Platz auf der Welt zum Arbeiten vorstellen? Nichts stört uns, keine Besuche und so selten Post."

Privat war Robert Koch zwei Mal verheiratet. Seine erste Frau Emmy Fraatz heiratete er 1867. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, Gertrud. Nach 26 Jahren Ehe ließ sich Koch jedoch von Emmy scheiden und heiratet die dreißig Jahre jüngere Hedwig Freiberg - ein gesellschaftlicher Skandal in der damaligen Zeit. Die 17-jährige Hedwig begleitete ihn auf allen seinen Expeditionen.

Koch starb, wie er es sich immer gewünscht hatte, er fiel einfach um. Begraben ist er nach eigenem Wunsch in seinem Institut in Berlin. Seine Urne steht hinter einer Marmorplatte im Institut.

100 Jahre nach Robert Koch

Das Robert Koch Institut (RKI) startet zu Kochs Todestag am 27. Mai eine Festwoche in Berlin. Eröffnet wird diese durch Gesundheitsminister Philipp Rösler. Vorgesehen sind unter anderem Vorträge von Wissenschaftlern und Preisträgern des Robert-Koch-Preises.

Außerdem veranstaltet das RKI am 30. Mai einen Kindertag, an dem Kinder und Jugendliche im Labor forschen und unter anderem die Erbsubstanz aus Früchten isolieren können. Am 2. Juni findet die Eröffnung der Ausstellung "Mensch Mikrobe. Das Erbe Robert Kochs und die moderne Infektionsforschung" statt.

Weitere Informationen: www.rki.de

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