Ärzte Zeitung, 16.08.2010

Hintergrund

Pakistan: Millionen Menschen in Not - ein Ende der Flutkatastrophe ist nicht in Sicht

Die Hochwasserkatastrophe in Pakistans weitet sich aus. Millionen Menschen kämpfen ums nackte Überleben. Hilfsorganisationen sind pausenlos im Einsatz. Ihre Botschaft: Spendet für die Opfer der verheerenden Flut!

Von Christoph Fuhr

Millionen Menschen in Not - und ein Ende der Flutkatastrophe in Pakistan ist nicht in Sicht

Alles verloren, bis auf die Tiere: Opfer der Flut.

© Xinhua/imago

Ban Ki Moon, Chef der Vereinten Nationen, war geschockt: Er habe schon viele Naturkatastrophen in der ganzen Welt gesehen, "aber nichts ist wie das hier", sagte der UN-Chef nach einem Besuch des Katastrophengebiets in Pakistan. Für den UN-Chef ist die Not ohne Beispiel. Deshalb sei auch dringend Unterstützung nötig.

Die Lage im Katastrophengebiet verschärft sich, viele Hilfsorganisationen weiten ihre Unterstützung aus. "medico international" (mi) zum Beispiel setzt auf Kooperation mit einer lokalen Organisation vor Ort. "Wir haben bei dieser Hilfsaktion nicht nur die aktuelle Situation im Blick", sagt mi-Sprecherin Katja Maurer im Gespräch mit der Ärzte Zeitung. Das Land müsse besser gerüstet werden "für neue Naturkatastrophen, die mit großer Wahrscheinlichkeit kommen werden".

medico international unterstützt in Pakistan die Arbeit von "Health and Nutrition Development" (Hands) Diese lokale Organisation hat 1000 Mitarbeiter und kann bis zu 100 000 freiwillige Helfer mobilisieren. Der aktuelle Hands-Bericht zur Lage vor Ort scheint typisch für die Probleme, mit denen Hilfsorganisationen dort derzeit konfrontiert werden: Unzählige Menschen sind noch vom Wasser eingeschlossen und müssen an sichere Plätze gebracht werden. Das Organisieren von Transportmöglichkeiten ist schwierig. Für die Rettung der Einwohner werden dringend weitere Allradfahrzeuge benötigt.

Wie Trinkwasser aufbereitet wird

• Filtrierung mit Spezialfiltern, Porengröße 0,1 oder 0,2 μm, Polio- und Hepatitis-A-Viren werden nicht sicher zurückgehalten
• Chemische Desinfektion: mit Chlorprodukten, zusätzlich Konservierung mit Silberionen ratsam, Einzeller werden bei hoher Keimzahl nicht abgetötet, Wirksamkeit bei trübem Wasser verringert
• Abkochen: nur Wasser mit geringer Trübung kann aufbereitet werden, hoher Energiebedarf

Hands braucht darüber hinaus Ressourcen, um die Nahrungsmittelversorgung auf die immer größer werdende Zahl an notleidenden Familien auszudehnen. Außerdem muss der Zugang zu sauberem Trinkwasser für 50 000 vertriebene Familien sichergestellt werden.

Und die Liste der allein von Hands dringend angeforderten Hilfsmittel hört noch lange nicht auf: Mindestens 10 000 Zelte und Plastikplanen werden benötigt, die den obdachlos gewordenen Menschen Schutz bieten. Es fehlen Medikamente zur Behandlung von Menschen mit Durchfall- und Hauterkrankungen. Außerdem fehlt Antiserum gegen Schlangenbisse. Und schließlich wird auch das Beschaffen von Futter und Impfstoffen für Nutztiere zum Problem, denn der weitere Verlust von Vieh muss unbedingt vermieden werden.

Die Spendenbereitschaft in Deutschland hat sich nach Angaben von Katja Maurer inzwischen verbessert. "Die Menschen haben verstanden, dass das ganze Land betroffen ist und nicht nur einzelne Regionen, bei denen es mit Blick auf die Verwendung von Spenden Zweifel wegen der besonderen Rolle der Taliban gibt", sagt die mi-Sprecherin

Nach jüngsten Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA kosteten die Fluten in Pakistan bislang 1463 Menschen das Leben, 2024 Menschen wurden verletzt. Die Lage verschärft sich, Inzwischen sind auch erste Fälle von Cholera gemeldet worden.

Hier können Sie spenden:
Aktion Deutschland hilft, Spendenkonto: 10 20 30, BLZ 370 205 00, Bank für Sozialwirtschaft in Köln, Spenden-Stichwort: Flut Pakistan
medico international, Konto-Nr. 1800, Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01, Stichwort "Pakistan"
ÄRZTE OHNE GRENZEN, Konto 97 0 97, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: "Pakistan und andere Krisen"

 

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