Ärzte Zeitung, 02.09.2010
Jugendliche sind beim ersten Sex älter als gedacht

Küssen ja, Sex noch nicht:
Viele Jugendliche wollen mit dem "ersten Mal" warten, bis sie sich
dafür bereit fühlen.
© Steinach / imago
BERLIN (men). Jugendliche in Deutschland
sind beim Thema Sex besonnener als gemeinhin angenommen. Das ist das
Ergebnis der Studie "Jugendsexualität 2010" der Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die am
Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.
Hatten 2005 noch zwölf Prozent der Mädchen
im Alter von 14 Jahren bereits "ihr erstes Mal" erlebt, sank dieser
Anteil auf sieben Prozent im Jahr 2009. Derselbe Trend zeigt sich bei
den älteren Jugendlichen: Mit 66 Prozent der Mädchen
und 65 Prozent der Jungen haben im Alter von 17 Jahren nur etwa zwei
Drittel der Heranwachsenden bereits Sex gehabt.
Deutliche Unterschiede
bestehen dabei zwischen deutschen Jugendlichen und Jugendlichen aus
Migrantenfamilien. Jungen mit Migrationshintergrund sind
früher sexuell aktiv als deutsche Jungen, während
Mädchen aus Migrantenfamilien deutlich
zurückhaltender sind als ihre deutschen Altersgenossen. Das
Verhütungsverhalten wird insgesamt immer besser. Beliebteste
Verhütungsmethode beim ersten Mal sind Kondome.
"Die Ergebnisse der Studie widerlegen den Eindruck, dass immer
mehr Jugendliche immer früher sexuell aktiv werden, wie es in
den Medien oft skandalierend dargestellt wird", erläuterte die
Direktorin der BZgA, Professor Elisabeth Pott. Stattdessen habe die
Studie ergeben, dass junge Menschen oft ganz bewusst und mit einem
festen Partner ihr erstes Mal erleben wollen.
Aufklärung findet vor allem in den Familien statt, hier ist
häufig die Mutter der erste Ansprechpartner. "Das
verschämte Aufklärungsgespräch von
früher ist endgültig vorbei", sagte Pott dazu. "Heute
sind Eltern starke Partner für Jugendliche, mit denen sie
vertrauensvoll reden können." Doch auch die Schule gewinnt bei
der Sexualaufklärung an Bedeutung: Für Kinder aus
Migrantenfamilien, wo Sex zu Hause oft ein Tabuthema ist, wird sie
mittlerweile zum wichtigsten Ort der Aufklärung.
Neben dem direkten Gespräch mit Vertrauenspersonen wie Eltern
oder Lehrern suchen Jungen und Mädchen auf unterschiedliche
Art nach Informationen in Sachen Liebe, Sex und Verhütung.
Mädchen wollen häufig ausführliche
Informationen und bevorzugen daher Jugendzeitschriften und
Aufklärungsbroschüren. Bei den Jungen - vor allem bei
Jungen mit Migrationshintergrund - ist dagegen das Internet die
bevorzugte Informationsquelle. Um die Sexualgesundheit von Jugendlichen
weiter zu verbessern, will die BZgA daher die geschlechtersensible
Aufklärungsarbeit verstärken, etwa mit einem Ausbau
der Internet-Informationsplattform www.loveline.de
Zum
Volltext der Studie "Jugendsexualität 2010" (PDF-Datei)

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