Ärzte Zeitung, 12.10.2010

Eine Herzoperation als Botschaft für den Frieden

Er hatte einen schweren Herzfehler und war in Lebensgefahr, doch jetzt wird alles gut: Abdulmaged aus dem Irak ist in der Kinderherzchirurgie der Göttinger Universitätsmedizin operiert worden.

Von Heidi Niemann

Eine Herzoperation als Botschaft für den Frieden

Operation erfolgreich, bald geht‘s zurück in den Irak: der kleine Abdulmaged mit seiner Mutter

© Rink

GÖTTINGEN. Ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk hat einem zweijährigen Jungen aus dem Irak das Leben gerettet. Der aus der Nähe von Bagdad stammende Abdulmaged, der seit seiner Geburt an einem tödlich verlaufenden Herzfehler litt, wurde an seinem zweiten Geburtstag in der Kinderherzchirurgie der Göttinger Universitätsmedizin operiert. Möglich wurde dies durch das Engagement der Ärzteorganisation "Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges - Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Gravierender Ärztemangel im Irak

Im Irak gebe es einen gravierenden Ärztemangel, erläuterte der IPPNW-Mitbegründer Professor Ulrich Gottstein. 25 Prozent der Ärzte hätten das Land verlassen. Dies habe zur Folge, dass schwerkranke Kinder nicht mehr richtig behandelt werden können. Die IPPNW-Kinderhilfe Irak bemühe sich darum, Kinder mit dringendem Operationsbedarf in deutschen Kliniken unterzubringen. Die Hilfsorganisation könne jedoch nur für die Flug- und Reisekosten sowie Visa- und Aufenthaltsgebühren aufkommen und sei ansonsten darauf angewiesen, einen Freiplatz an den Kliniken geschenkt zu bekommen. Während andere Kliniken dies abgelehnt hätten, bekam er von der Göttinger Universitätsmedizin eine Zusage.

Die Herzoperation für Abdulmaged sei auch eine Friedensleistung, sagte Gottstein. Nicht nur in dem 70 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Heimatdorf von Abdulmaged wüssten die Menschen, dass der kleine Junge in Deutschland behandelt werde. Vielmehr sei dies inzwischen in der ganzen Region bekannt.

Ein komplexer Herzfehler

Ohne die sechsstündige Operation wäre Abdulmaged gestorben. Der kleine Junge litt an der so genannten Fallot'schen Tetralogie. Kennzeichnend für das Krankheitsbild sind vier Fehlbildungen: Ein Loch in der Kammerscheidewand, eine Verschiebung der Körperschlagader, eine Verengung der Lungenschlagader und eine Verdickung der Muskulatur der rechten Herzkammer. Der komplexe Herzfehler hatte zur Folge, dass sich der Junge nicht richtig entwickeln konnte und an einer Sauerstoffunterversorgung (Blausucht) litt.

Bei der aufwändigen Operation kam ein Material zum Einsatz, das sonst hauptsächlich zur Herstellung von atmungsaktiver Funktionskleidung genutzt wird: Der Defekt in der Scheidewand wurde mit einem Flicken aus Gore-Tex verschlossen. Gore-Tex sei ein ideales Ersatzmaterial in der Herzchirurgie, sagte der Kinderherzspezialist Professor Wolfgang Ruschewski, der die Operation vorgenommen hatte. Abdulmaged wird zunächst im Göttinger Klinikum bleiben und Ende des Monats dann gemeinsam mit seiner Mutter in den Irak zurückkehren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »