Ärzte Zeitung, 21.10.2010

Beikost spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats

Stillen ist vorteilhaft für Mutter und Kind. Diskutiert wird jedoch, wie lange ausschließlich gestillt und wann mit Beikost begonnen werden sollte.

Beikost spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats

Es wird empfohlen, Kinder mindestens vier Monate lang zu stillen.

© Dron / fotolia.de

MÜNCHEN (HD/bs). Vier oder sechs Monate - das ist hier die Frage: Über die optimale ausschließliche Stilldauer wird noch immer debattiert. Mögliche Risiken und Vorteile einer früheren oder späteren Beikost im Blick, hat das Netzwerk Junge Familie Empfehlungen zur Stilldauer veröffentlicht (wir bereits berichtet).

"Dass Säuglinge gestillt werden sollten, darüber sind alle sich einig", sagte Dr. Anke Weißenborn aus Berlin beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DDDG) in München. Die Muttermilch ist an die kindlichen Bedürfnisse angepasst, und Stillen wirkt sich positiv auf die Gesundheit von Säugling und Mutter aus und fördert deren emotionale Bindung.

Doch wie lange die Kinder ausschließlich Muttermilch - ohne zusätzliche Flüssigkeit oder andere Nahrung - erhalten sollten, ist strittig. Um zwei Monate dreht sich die Debatte: Brauchen Säuglinge nach dem vierten oder erst nach dem sechsten Monat Beikost?

Hierzu gäbe es nur wenige Studien, so Weißenborn. Klar scheint, dass in der Muttermilch in der Regel genug Energie steckt, um den Bedarf des Kindes in den ersten sechs Monaten zu decken. Auch eine ausreichende Versorgung mit Eisen sollte im ersten Halbjahr über das Stillen gewährleistet sein.

Allerdings: Dies gilt nur für reif geborene Kinder mit einem Geburtsgewicht über 3000 g, bei vaginaler Entbindung, verzögerter Durchtrennung der Nabelschnur nach der Geburt und adäquatem pränatalem Eisenstatus der Mutter.

Ob sich Beikost nach dem vierten oder erst nach dem sechsten Lebensmonat günstiger auf das Risiko gastrointestinaler Erkrankungen auswirkt, ist unklar. Die Vier-Monats-Grenze aber ist eindeutig: So hatten Kinder, die weniger als vier Monate oder gar nicht gestillt wurden, in einer Studie ein erhöhtes Risiko im Vergleich zu Kindern, die mindestens sechs Monate ausschließlich Muttermilch erhielten.

Auch gibt es Hinweise, dass Beikost vor dem vierten Lebensmonat die Gewichtszunahme ankurbelt und damit die Gefahr von Übergewicht, Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen steigert. Glutenhaltige Beikost vor dem vierten Lebensmonat entpuppte sich zudem als Risiko für Zöliakie, so Weißenborn.

Gleichzeitig sollte man damit aber auch nicht zu lange warten: "Die Einführung glutenhaltiger Beikost, solange noch gestillt wird, scheint das Risiko für Zöliakie und Typ-1-Diabetes zu senken."

Wer ein gesund und reif geborenes Kind schon nach dem vierten vollendeten Lebensmonat zusätzlich füttert, geht damit also kein gesundheitliches Risiko ein, fasste Weißenborn zusammen. Möglicherweise nütze dies dem Kind sogar. Meist schade es aber auch nicht, mit der Beikost bis nach dem sechsten Monat zu warten. Allerdings: Bei Eisen- oder Zinkmangel müsse zugefüttert werden.

Das Netzwerk Junge Familie formuliert seine Empfehlungen 2010 zur "Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter", angelehnt an die der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (ESFA) von 2009, folgendermaßen: Mütter sollten mindestens bis zum Beginn des fünften Monats ausschließlich stillen, auch bei erhöhtem Allergierisiko. Spätestens mit Beginn des zweiten Lebenshalbjahres sollten sie zusätzlich Beikost verfüttern, dabei aber gleichzeitig noch weiterstillen. Die Stilldauer insgesamt bestimmen Mutter und Kind.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »