Ärzte Zeitung, 18.11.2010

Eine Salzgrotte mitten in der Bankenmetropole

Mit fünf Tonnen Salz aus dem Toten Meer und 20 Tonnen aus dem Himalaja realisierte eine Physiotherapeutin in Frankfurt eine ungewöhnliche Idee.

Von Kerstin Mitternacht

Eine Salzgrotte mitten in der Bankenmetropole

Entspannen in der Salzgrotte - eine Sitzung dauert 45 Minuten

© Salzgrotte

FRANKFURT/MAIN. Das Hinterhaus mitten in der Mainmetropole wirkt auf den ersten Blick vollkommen unscheinbar. Doch wenn der Besucher die Haustür geöffnet hat und dann einen kleinen Empfangsraum betritt, der an den Wartebereich einer Arztpraxis erinnert, erwartet ihn hinter der nächsten Tür eine Überraschung: eine Salzgrotte - mitten in Frankfurt am Main.

Auf dem Boden befinden sich zwei Tonnen Salz aus dem Toten Meer und die Wände sind mit fünfundzwanzig Tonnen Kristallblöcken aus dem Himalaja bedeckt. Auch eine Mini-Saline plätschert leise in der Grotte.

Das Licht ist gedämpft und im Hintergrund läuft dezente Musik. Von den Decken hängen, wie in echten Grotten, Stalaktiten. Die aber nur Nachbildungen sind, wie die Geschäftsführerin Larissa Beuth erzählt. Am Eingang müssen sich alle Gäste zunächst Plastik-Überzieher über die Schuhe stülpen.

Auf Liegestühlen können sie sich dann 45 Minuten lang hinlegen, entspannen und die Salze auf ihren Körper wirken lassen. Für Kinder gibt es einen "Salzkasten" mit Förmchen und Eimern, wo sie während der Sitzung spielen können. In gesonderten Kinderstunden wird den Kleinen auch vorgelesen, damit sie sich nicht langweilen.

Das Salz sei hier so konzentriert, dass die 45 Minuten Behandlung einem dreitägigen Aufenthalt am Meer entsprächen, sagt die Betreiberin. Eine Fußbodenheizung lässt die Salze schmelzen, damit die Mineralien an die Luft freigesetzt werden. Der Boden muss daher in regelmäßigen Abständen wieder neu mit Salz aufgefüllt werden, erläutert sie

"Besonders Patienten mit Atemwegserkrankungen, wie Asthma oder Hautkrankheiten wie Schuppenflechte kommen regelmäßig in die Salzgrotte", erzählt Beuth, die selbst ausgebildete Hebamme und Physiotherapeutin ist.

Eine Salzgrotte mitten in der Bankenmetropole

Grottige Atmosphäre - ein ungewöhnlicher Ort in der Großstadt.

© Salzgrotte

Auf die Idee kam sie, weil ihre zwei Kinder unter Neurodermitis und Pollenallergien leiden. "Lange Zeit bin ich regelmäßig in Kurorte mit Salinen gefahren, weil das meinen Kindern geholfen hat", so Beuth. "Ich habe viel Zeit auf der Autobahn verbracht, deshalb kam ich auf die Idee, einfach selbst eine Salzgrotte aufzumachen." Eine Spezialfirma hat die Grotte dann gebaut und die Salze nach Frankfurt gebracht.

Die Besucher kommen, weil sie sich bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent und einer Temperatur von 20 Grad eine heilende Wirkung auf Lungenerkrankungen, Asthma und Ekzeme erhoffen. Aber auch auf gestresste Menschen habe das Meeresklima eine entspannende Wirkung, berichtet Beuth.

Neben der Salzgrotte gibt es im Haus auch noch eine Verneblungskammer. Dort können die Gäste 20 Minuten lang intensiv die salzhaltige und trockene Luft inhalieren. Regelmäßige Sitzungen in der Kammer sollen zum Beispiel das Immunsystem stärken

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 60 dieser Salzgrotten. Larissa Beuth ist derzeit in Verhandlungen mit Krankenkassen. Sie hofft, dass Patienten, für den Besuch der Grotte von den Kassen bezuschusst werden.

Die Geschäftsführerin hat darüber hinaus bereits neue Ideen entwickelt: Sie plant eine weitere Grotte, speziell für Kinder. "Dafür muss ich nur noch das passende Gebäude finden", sagt Beuth.

www.frankfurter-salzgrotte.de

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