Direkt zum Inhaltsbereich

Eigenanbau von Cannabis bleibt in Deutschland tabu

BERLIN (fst). Die Bundesregierung will zwar das generelle Verkehrsverbot für Cannabis zu medizinischen Zwecken aufheben, ein Eigenanbau von Privatpersonen wird aber nicht zugelassen. Das machte Gesundheits-Staatssekretär Daniel Bahr (FDP) in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Links-Fraktion im Bundestag deutlich.

Veröffentlicht:
Cannabis für die Medizin.

Cannabis für die Medizin.

© yellowj / fotolia.com

Die "Sicherheit und Kontrolle des Betäubungsmittelverkehrs" sei beim Eigenanbau nicht gegeben. Das liege auch daran, dass beim Selbstanbau keine Kontrolle über den Wirkstoff -  insbesondere den Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) - möglich sei, schreibt Bahr.

Ärzte könnten daher, wenn sie die Selbsttherapie mit Cannabis begleiten würden, ihren Patienten auch keine "therapiesichere Dosierungsempfehlung" geben.

Allerdings will die Regierung cannabishaltige Fertigarzneimittel mit der 25. Verordnung zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) zulassungs- und verschreibungsfähig machen. Ein Referententwurf liegt vor; derzeit werden die Ergebnisse einer Anhörung ausgewertet, heißt es.

Gegenwärtig sind Dronabinol und Nabilon nach Anlage III des BtMG verkehrs- und verschreibungsfähig. Sie müssen aber nach ärztlicher Verordnung von Apotheken einzeln importiert werden.

Bislang können schwer kranke Patienten beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Ausnahmeerlaubnis (Paragraf 3 Absatz 2 BtMG) zur Selbsttherapie mit Cannabis erwirken.

Seit 2005 haben 156 Patienten eine solche Genehmigung beantragt, 54 erhielten eine Erlaubnis. Am häufigsten (21 Fälle) lautete die zugrundeliegende Indikation chronische Schmerzen, 17 Patienten litten an schmerzhaften Spastiken bei MS.

Zudem erhielten fünf Patienten mit Tourette-Syndrom sowie zwei mit ADHS eine Erlaubnis. Bei den übrigen Genehmigungen lagen neun weitere Einzel-Indikationen vor.

Die regelhafte Kostenübernahme für cannabinoidhaltige Arzneimittel durch die Krankenkassen ist nicht geklärt. Allerdings hätten die gesetzlichen Kassen "einen gewissen Ermessensspielraum, eine Kostenübernahme von Rezepturarzneimitteln mit nicht zugelassenen Wirkstoffen (...) in besonderen Einzelfällen zu gewähren", betont die Regierung.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Statistisches Bundesamt

Rund 17,7 Millionen Patienten lagen 2025 im Krankenhaus

Kasuistik

Lebensgefahr! Tattoo mit schockierenden Folgen

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Auf einer Waage befindet sich ein Apfel sowie ein Maßband, daneben lieben Hanteln und ein grüner Blattsalat

© Davizro Photography / stock.adobe.com

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

 erschöpfter Malermeister

© Adobe Firefly / Andrea Schudok / generated by AI

Kasuistik

Schwindel und Leistungsknick: Was sehen Sie im EKG?

Ältere Frau sitzt auf dem Boden und hält sich den Kopf.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt