Ärzte Zeitung, 17.02.2011

Bernie soll nach 1000 Jahren endlich ein Gesicht bekommen

Die ostfriesische Moorleiche Bernie wird mit modernster Computertechnik digital "seziert". Körper und Gesicht sollen rekonstruiert werden.

Bernie soll nach 1000 Jahren endlich ein Gesicht bekommen

Bernies Schädel: Die ostfriesische Moorleiche soll jetzt mit modernster Computertechnik digital "seziert" werden.

© dpa

EMDEN (dpa). Niedersachsens berühmteste Moorleiche "Moora" starb schon früh als Teenager, dagegen war "Bernie" in Ostfriesland ein etwas längeres Leben vergönnt. Doch mit rund 30 Jahren kam auch für ihn der Tod, und wahrscheinlich kam er mit Gewalt.

Im achten Jahrhundert nach Christus wurde "der Mann vom Bernuthsfeld" erschlagen und im Moor begraben. Erst gut 1000 Jahre später, am 24. Mai 1907, entdeckten Torfstecher die Leiche, die seitdem im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden ausgestellt ist. Jetzt soll der Tote - ähnlich wie "Moora" - ein Gesicht bekommen.

Hunderte von Schulklassen haben schon mit Schaudern im Museum vor der Glasvitrine gestanden, in der "Bernie" ausgestellt ist. Fragen, die immer wieder gestellt werden: "Woher kam er, war er Jäger oder Bauer, was machte er im Moor, woran ist er genau gestorben?"

Direkt nach der aufsehenerregenden Entdeckung hatte vor mehr als 100 Jahren der Auricher Hobby-Altertumsforscher Franz Wachter die Leiche und ihren Fundort akribisch untersucht. Die Torfstecher hatten ihren Fund zunächst geheim gehalten, weil sie an ein aktuelles Verbrechen dachten. So gingen einige Details verloren.

Als Todesursache wurde ein stumpfer Schlag auf die linke Schädelhälfte angenommen. Das Besondere an "Bernie": Das Skelett war vollständig bekleidet und in eine Decke eingehüllt.

"Bernie" soll im März in einem hochmodernen Computertomografen im Emder Klinikum scheibchenweise digital "seziert" werden. Milliarden von Körperdaten werden auf DVDs gebrannt und danach auf Großrechnern im Emder VW-Werk projiziert.

So soll ein dreidimensionales Bild der Moorleiche entstehen. Zwei niederländische Experten, als anthropologische Bildhauer bekannt, wollen dann anhand des 3-D-Bildes eine realistische Skulptur von "Bernie" modellieren.

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