Apotheker plus, 25.02.2011

Nichts ist unmöglich - mit Service punkten

Mit Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und einem innovativen Service, der über das normale Maß hinausgeht, will das Ehepaar Schillbach-Schwarz die Sophien-Apotheke möglichst sogar in die vierte Generation überführen.

Von Pete Smith

Nichts ist unmöglich - mit Service punkten

Die Sophien-Apotheke in Kassel-Oberzwehren wird schon in 3. Generation als Familienbetrieb geführt

© Pete Smith

"Wir machen möglich, was geht", sagt Konrad Schwarz, Inhaber der Sophien-Apotheke im Kasseler Stadtteil Oberzwehren. "Und wir wissen um die Sorgen und Nöte unserer Kunden", fügt seine Frau Ilka Schillbach-Schwarz hinzu, "sie vertrauen uns und schätzen die persönliche Ansprache."

Die Apotheke am südlichen Stadtrand Kassels wurde 1948 von Carl Kliem Schnell gegründet. Ilka Schillbachs Großvater Werner Schillbach arbeitete darin zunächst als Angestellter, bis er die Apotheke 1955 übernahm. Sein Sohn Jörg Schillbach führte die Geschäfte ins nächste Jahrtausend.

Schließlich kam er selbst in das Alter, in dem er seine Nachfolge regeln musste. Zu jener Zeit lebten seine Tochter und ihr Mann in Hamburg. Ilka Schillbach-Schwarz hatte nach ihrer Ausbildung zur PTA in Frankfurt am Main Pharmazie studiert und in Hamburg eine Anstellung als Apothekerin gefunden.

Konrad Schwarz hatte zunächst in Bayreuth das Fach Geoökologie, eine Umweltwissenschaft, später dann ebenfalls Pharmazie studiert und nach seinem Examen unter anderem in einer Krankenhaus-Apotheke in Hamburg gearbeitet. Jetzt bot sich die Gelegenheit, etwas Eigenes aufzubauen - eine Chance, die beide zum Jahreswechsel 2004/2005 ergriffen.

Nichts ist unmöglich - mit Service punkten

Konrad Schwarz (r.) und seine Frau Ilka Schillbach (2.v.r.) und ihr Team

© Pete Smith

Patientenvorträge: eine Idee von Arzt und Apotheker

"Kundenbindung ist das A und O" - in diesem Credo waren sich die Neuinhaber der Sophien-Apotheke von Anfang an einig. Als sie von der Großstadt in den knapp 13.000 Einwohner zählenden Ortsteil Oberzwehren zogen, konnten sie auf einen festen Kundenstamm vertrauen.

 Ein Vorschuss, auf dem sich das Ehepaar aber nicht ausruhen wollte. Mit Energie machten sich beide daran, Angebot und Service der alteingesessenen Apotheke auszubauen. Dabei half ihnen eine noch von Jörg Schillbach initiierte Kooperation mit dem ortsansässigen Allgemeinmediziner Dr. Josef P. Hesse.

Der Apotheker und der Arzt hatten 2004 die gemeinsame Idee entwickelt, öffentliche Vorträge für Patienten anzubieten - mit wechselnden Schwerpunkten und wechselnden Kooperationspartnern, ein Konzept, das sich schon nach kurzer Zeit etablierte und von den neuen Inhabern der Sophien-Apotheke gern fortgeführt wurde.

Alle zwei Monate hält Allgemeinarzt Hesse im Saal eines nahe gelegenen Hotels einen ein- bis anderthalbstündigen Vortrag zu medizinischen Themen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, COPD, Asthma, Bronchitis, Thrombose, Impfungen und Cholesterin.

Je ein Arzneimittelhersteller unterstützt die Veranstaltung finanziell, sodass Flyer und Plakate gedruckt, Anzeigen geschaltet sowie am Abend des Vortrags kostenlos Getränke ausgegeben werden können. Zu den Veranstaltungen kommen im Durchschnitt 30 bis 40 Zuhörer, (neue) Patienten des Allgemeinarztes und (neue) Kunden der Apotheke.

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Allgemeinmediziner Dr. Josef P. Hesse (rechts) hält in Kooperation mit der Sophien-Apotheke regelmäßig Vorträge.

© privat

Das Hinterzimmer ist Büro und Spielzimmer in einem

In den sechs Jahren seit Übernahme der Apotheke hat sich das Leben von Ilka und Konrad Schwarz von Grund auf verändert. Inzwischen sind sie eine Familie. Ihr ältester Sohn ist seit einem Jahr in der Schule, der jüngere im Kindergarten.

Die gemeinsame Leitung der Apotheke macht es den Eltern leichter, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Ilka Schillbach-Schwarz steht an den Vormittagen in der Offizin, nachmittags kümmert sie sich um ihre Kinder. Manchmal kommen die Kleinen auch mit in die Apotheke, das Hinterzimmer ist Büro und Spielzimmer in einem.

2009 erhielten die heute 37-jährige Apothekerin und ihr 46-jähriger Mann das Angebot, eine weitere Apotheke im Kasseler Ortsteil Oberzwehren zu übernehmen. Eine Konkurrenz weniger, dachten sich die beiden und schlugen zu. Mittlerweile ist der Familienbetrieb zu einem mittelständischen Unternehmen gewachsen.

 Die Sophien-Apotheke ist 270 Quadratmeter groß, die neue Filiale zählt 140 Quadratmeter. Insgesamt sind in beiden Apotheken 15 Apotheker, PTAs und Apothekenhelferinnen beschäftigt, drei auf Vollzeit-, zwölf auf Teilzeitbasis, auch Jörg Schillbach hilft hin und wieder aus. Das Warenlager hält ständig etwa 5000 Arzneimittel bereit.

Die große Verfügbarkeit trägt ebenso zur Kundenbindung bei wie eine Kundenkarte, auf der alle gekauften Arzneimittel gespeichert werden und mit der die Käufer auf OTC-Arzneimittel drei Prozent Rabatt erhalten.

"Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir unsere Werte pflegen", sagt Konrad Schwarz. "Aber gleichzeitig ist uns wichtig, unser Angebot ständig anzupassen und zu erweitern." Ein wichtiger Service ist das Anmessen von Kompressionsstrümpfen, ein weiterer die kostenlose Lieferung frei Haus.

Darüber hinaus bieten Ilka Schillbach-Schwarz und ihr Mann regelmäßig Aktionen etwa zur Knochendichtemessung, zur Blutzuckerbestimmung, zum Venencheck oder zur Hautanalyse an. Als junge Mutter kann die Apothekeninhaberin Kundinnen kompetent über Arzneimittel für Kinder oder Säuglingsernährung aufklären.

Eine Kollegin ist zudem spezialisiert auf Reiseimpfberatung und individuelle Reiseapotheken, eine andere auf Diätberatung und Blutuntersuchungen. Verliehen werden Babywagen, Milchpumpen, Inhalationsgeräte, Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte. Neu im Sortiment der Sophien-Apotheke sind Tierarzneimittel. Ilka Schillbach-Schwarz: "Wir sind allesamt sehr tierlieb."

AMNOG hinterlässt seine Spuren

Das Inkrafttreten des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) Anfang des Jahres hat auch die Sophien-Apotheke zu spüren bekommen. "Der Großhandel hat seine Konditionen dem AMNOG angepasst und reicht seine Gewinneinbußen zu 100 Prozent an uns weiter", beklagt Konrad Schwarz.

Auch der Beratungsbedarf seiner Kunden in puncto Mehrkostenregelung sei groß. "Keiner weiß so richtig, was er von der Kasse erstattet bekommt." Dennoch sehen er und seine Frau sich auch für schwere Zeiten gut aufgestellt: "Qualität, Beratung und persönliche Ansprache werden sich auch in Zukunft durchsetzen."

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