Ärzte Zeitung, 11.03.2011

Zähneknirschen als "Bodybuilding" für die Wangenmuskulatur

Zähneknirschen (Bruxismus) führt zu auffallenden Zahndefekten sowie zu Kieferschmerzen. Es kann bei den Betroffenen aber noch ein ganz anderes Problem auftreten.

Von Thomas Meißner

Zähneknirschen als "Bodybuilding" für die Wangenmuskulatur

Zunehmende Wangenschwellung durch Bruxismus.

© PD Dr. E. Krause, München

MÜNCHEN. Ein 28-jähriger Mann aus München wurde von einem HNO-Arzt zu den Kollegen in die Uniklinik geschickt, weil der ansonsten gesunde junge Mann über eine seit Jahren langsam zunehmende Wangenschwellung, vor allem links, klagte.

Ihn störte die zunehmende Gesichtsasymmetrie, berichtet Privatdozent Eike Krause von der Ludwig-Maximilians-Universität in München (MMW 2011, 153 (5): 5).

Druck- oder Kiefergelenksschmerzen bestanden bei dem Patienten nicht. Die Schwellung war auch nicht abhängig vom Essen und Trinken. Allerdings hatte der Zahnarzt wegen eines Bruxismus eine Aufbissschiene verordnet, die der Patient nach eigenen Angaben nachts regelmäßig trug. Auf die Wangenschwellung hatte sich dies aber nicht ausgewirkt.

Die Ohr- und großen Kopfspeicheldrüsen erwiesen sich bei den folgenden Untersuchungen als vollkommen unauffällig. Klinisch und sonografisch ließ sich jedoch eine homogene Hypertrophie beider Musculi masseter feststellen, vor allem links.

Wegen des ausgeprägten Befundes und des Leidensdrucks des Patienten entschlossen sich Krause und seine Kollegen für eine sonografisch kontrollierte intramuskuläre Injektion von 150 Einheiten Botulinumtoxin A in den linken M. masseter. Innerhalb von drei Wochen bildete sich die Schwellung links zurück.

Ein leichter Bruxismus kommt bei etwa 90 Prozent der Bevölkerung vor, aber nur zwei bis drei Prozent der Betroffenen bedürfen einer Behandlung. Die Zähne des Ober- und Unterkiefers werden meist unbewusst nachts im Schlaf aneinander gerieben.

Bei Kindern mit mentaler Retardierung kommt dies gehäuft vor, bei Erwachsenen können Stress, neurologische, kieferorthopädische oder orthopädische Ursachen sowie Schlafstörungen dahinterstecken.

Manche Antidepressiva werden ebenfalls in Verbindung mit Bruxismus gebracht, ebenso übermäßiger Kaffee-, Nikotin- und Alkoholgenuss. Für die Therapie wird empfohlen, die jeweilige Grunderkrankung anzugehen. Dies reicht von psychotherapeutischen Verfahren bis hin zu kieferorthopädischen Maßnahmen.

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