Ärzte Zeitung, 25.05.2011

Mehr Sport für Kinder ist oft noch Müttersache

Permanentes Spielen am Computer und das TVProgramm halten viele Kinder davon ab, sich ausreichend zu bewegen. Viele Eltern fördern ihre Kinder nicht ausreichend, besagt eine Studie. Als Sportmuffel sind Eltern auch kein gutes Beispiel für ihre Kinder.

Mehr Sport für Kinder ist oft noch Müttersache

Gemeinsam macht Bewegung mehr Spaß: Eltern sollten ihren Kindern auch beim Sport ein Vorbild sein.

© Kzenon / fotolia.com

BERLIN (eb) Bewegung ist wichtig für die Gesundheit: Diese Binsenweisheit ist fast jedem bekannt. Doch die Umsetzung von mehr Sport und Bewegung fällt vor allem Familien schwer. Das hat die Umfrage "Familie in Bewegung" der Plattform für Ernährung und Bewegung (peb) ergeben.

Die Gründe hierfür sehen die Eltern vor allem im Zeitmangel und zu wenigen Sportangeboten in Schule und Hort. Die Bedeutung der elterlichen Vorbildfunktion hingegen wird von den Befragten weit weniger erkannt.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass sich fast alle befragten Mütter gut oder ausreichend informiert fühlen, wenn es um den gesunden Lebensstil von Kindern geht. Auch die Bedeutung von ausreichender Bewegung im Alltag ist weitgehend bekannt.

Dennoch fällt die Umsetzung des Wissens in die Praxis vielen schwer: So gelingt es noch nicht einmal der Hälfte der Befragten, die Erziehung zu einem gesunden Lebensstil auch dann im Alltag umzusetzen, wenn es "mal stressig" wird.

Für die meisten Mütter ist der Zeitmangel das größte Hemmnis, ihre Kinder zu mehr Bewegung zu motivieren. 66 Prozent der befragten Mütter geben an, dass zu wenig Zeit im Alltag der Grund dafür ist, einen gesunden Lebensstil nicht immer optimal umsetzen zu können.

Kaum eine der Befragten teilt jedoch die Erziehungsaufgaben hinsichtlich Bewegung oder Ernährung vorrangig dem Vater zu. Lediglich acht Prozent der Väter kümmern sich laut der befragten Mütter maßgeblich um die Bewegungsförderung der Kinder.

Gerade bei den Vätern liegt also ein großes Potenzial, die Mobilität der Kinder im Alltag zu fördern - man stelle sich nur das gemeinsame Fußballspielen oder Toben im Garten oder auf Spielplätzen vor.

Doch dieser Vorbildfunktion sind sich nur wenige Eltern bewusst. Dass Kinder kaum Lust auf Bewegung haben, sehen nur ein Drittel der Eltern begründet im eigenen Erziehungsstil: Etwa 30 Prozent der Mütter geben an, ihr Kind nicht bevormunden zu wollen; gerade einmal elf Prozent sehen in der Verringerung von Fernseh- und Computerzeiten eine Möglichkeit, die Kinder zu mehr Bewegung zu motivieren.

Dabei nehmen gerade in den vergangenen Jahren die Rückenschäden bei Kindern zwischen elf und 14 Jahren deutlich zu. In einer aktuellen Umfrage der DAK unter Kinder- und Jugendärzten klagen 58 Prozent der Altersgruppe bereits über Rückenschmerzen, auch Haltungsschäden nehmen zu.

Trotz des Wissens werden Kinder selten von ihren Eltern gefördert. In der Umfrage gaben viele Teilnehmer an, sie verfügen nur über wenige finanzielle Mittel, es gebe keinen Platz in der Wohnung oder das Angebot von Schulen oder Kitas im Bereich Sport sei zu gering.

Auch der Lärmpegel von spielenden Kindern und die damit verbundene Rücksichtnahme auf die Nachbarn sind mitverantwortlich dafür, dass Eltern nicht immer für genügend Bewegung beim Nachwuchs sorgen. Zwei Drittel der Mütter geben zudem zu, dass es ihnen selber schlichtweg zu anstrengend ist, mit den Kindern zu toben.

Die Plattform für Ernährung und Bewegung ist ein Zusammenschluss von Vertretern aus öffentlicher Hand, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport, Eltern und Ärzten. Sie setzt sich für eine ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung bei Kindern ein.

Umfrageergebnisse auch unter www.pebonline.de

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[25.05.2011, 15:37:38]
Dr. Horst Grünwoldt 
Bewegungsmangel
Bewegungsdrang ist jedem Kind angeboren. Deshalb sollten gerade auch Väter diesen nicht als "TV- und couchpotatoe" oder PC-freak bei ihrem Nachwuchs ausbremsen. Stattdessen sollten sie als der vorbildliche Papa (der sportlich selbst für die Kids "bella figura" abgeben sollte), immer auch dem nacheifernden Sohnemann oder der verwöhnten Tochter die Möglichkeit geben, sich neben dem gemeinsamen, integrativen Familiensport einem Verein anzuschließen. Das ist bekanntermaßen der beste Weg "weg von der Straße" und ihren Gefahren, etwas "aus Blödsinn" zu machen. Für die Integration der sog. Migrantenkinder ist es sicher nicht gut, wenn diese sich lediglich im Kampfsport üben und dann auch noch in abgeschlossenen Clubs ethnisch unter sich bleiben. Kinderlosen und anderen "Mehrverdienern" wird empfohlen, bei Kindern aus weniger begüterten Familien Sport-Patenschaften zu übernehmen, um den sportbegeisterten Jugendlichen die materielle Basis (Sportkleidung, Wettkampfreisen, gesunde Ernährung u.a.) zu sichern. Was kann es eine schönere Rendite geben, als den sportlichen Erfolg mitzuerleben! Von der persönlich beobachteten und geförderten, gesundheitlichen und charakterlichen Entwicklung des Schützlings ganz zu schweigen... Dr. Horst Grünwoldt aus Rostock  zum Beitrag »

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