Apotheker plus, 27.05.2011

Kennen Sie Ihren Schutzpatron?

Am 15. Juni ist Sankt Vitus - der Veitstag. Vielen nicht bekannt: Der Heilige ist Schutzpatron der Apotheker.

Von Ursula Armstrong

Kennen Sie Ihren Schutzpatron?

Kirchenfenster der St-Vitus-Kirche in Dörpen. Viele Kirchen sind nach dem Heiligen benannt.

© A. Leffers

In vielen Orten in ganz Deutschland gibt es St. Vitus-Apotheken. Kein Wunder, Sankt Vitus oder Veit ist der Patron der Apotheker. Der Heilige soll um 304/305 während der römischen Christenverfolgung als Märtyrer gestorben sein. Da war er erst sieben Jahre alt (nach anderen Überlieferungen war er 12 oder 14).

Den Heiligenlexika zufolge wurde er in Mazzara auf Sizilien geboren. Vitus war der Sohn eines heidnisch-römischen Senators. Von seiner Amme Crescentia und seinem Erzieher Modestus wurde er getauft und christlich erzogen.

Schon als Kind wirkte er den Erzählungen nach Wunder. Sein Vater verlangte zwar, dass er dem christlichen Glauben abschwört. Doch der Junge weigerte sich und floh mit Modestus und Crescentia aufs italienische Festland nach Lukanien im Süden Italiens (in der heutigen Region Basilicata). Ein Adler versorgte die drei mit Essen. Doch sie wurden entdeckt und nach Rom vor Kaiser Diokletian gebracht.

Vitus heilte den Sohn des Kaisers von der Epilepsie. Dennoch ließ Diokletian ihn und seine Begleiter festnehmen, denn sie weigerten sich, den römischen Göttern zu opfern. Sie wurden daraufhin in einen Kessel mit siedendem Öl geworfen.

Doch sie stiegen unversehrt heraus. Dann wurde ein Löwe auf sie gehetzt, doch er legte sich vor ihnen nieder und leckte ihnen die Füße. Diokletian ließ die drei schließlich auf die Folter spannen und enthaupten. Adler sollen ihre Leichen nach Lukanien gebracht haben, wo eine Christin sie bestattete - so die Legende.

Auf der Hitliste der Heiligen ganz vorn

Einer anderen Überlieferung zufolge wurden Vitus, Modestus und Crescentia von Engeln von der Folterbank gerettet und nach Lukanien gebracht, wo sie ruhten und schließlich sanft entschliefen. Und in einer dritten Version heißt es, die drei wurden auf Sizilien hingerichtet.

Die Verehrung des kindlichen Märtyrers begann schon sehr früh. Bereits im fünften und sechsten Jahrhundert wurden ihm Kirchen und Klöster geweiht - allen voran der Veitsdom in Prag. Im Mittelalter wurde Sankt Vitus dann zu einem der beliebtesten Heiligen überhaupt. Im 14. Jahrhundert wurde er auch in den Kreis der 14 Nothelfer aufgenommen. Als Nothelfer wird er vor allem gegen Epilepsie oder Chorea ("Veitstanz") angerufen.

Sankt Vitus war so beliebt, dass er auch Patron von vielen Ländern, etwa Niedersachsen, Sachsen, Böhmen oder Sizilien, und etlichen Städten wie Prag, Mönchengladbach oder Höxter wurde. Etwa 150 Orte wollen heute im Besitz von Vitus-Reliquien sein.

Mit mindestens 34 Patronaten ragt der Heilige sogar über den Kreis der einst hochverehrten 14 Nothelfer hinaus. Denn Sankt Veit ist nicht nur der Patron der Apotheker, sondern auch etwa der der Gastwirte, der Winzer, der Bierbrauer und der Schauspieler.

Er ist der Beschützer unter anderen der Jugendlichen, der Epileptiker, der Stummen und der Tauben. Er sorgt für Keuschheit, gute Saat und gute Ernte. Der Nothelfer wird nicht nur gegen Epilepsie angerufen. Sondern, wie alle Nothelfer, hilft er gegen vielerlei Ungemach, zum Beispiel gegen Besessenheit, Aufregung, Schlangenbiss, Augen- und Ohrenleiden, Unwetter, Blitz und Feuer sowie gegen bettnässende Kinder.

Dargestellt wird der Heilige Vitus meist als Kind, oft vornehm gekleidet, mit Hut. In der Hand hält er den Palmwedel der Märtyrer und häufig als Zeichen seines Martyriums einen Ölkessel.

Sankt Vitus war ein derart volkstümlicher Heiliger, dass sich viele Bauernregeln auf seinen Tag beziehen. Zum Beispiel: "Hat Sankt Veit starken Regen, bringt er unermesslichen Segen." Oder: "Nach Sankt Veit wendet sich die Zeit" - schließlich liegt der Veitstag am 15. Juni im Bereich der Sommersonnwende.

Der Volksglaube ging so weit, dass man ihn sogar für pünktliches Wachwerden zuständig gemacht hat: "Heiliger Sankt Veit, wecke mich zur rechten Zeit; nicht zu früh und nicht zu spät, bis die Glocke … schlägt."

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