Ärzte Zeitung, 26.10.2011

Zeitumstellung: Es gibt eine Stunde geschenkt

Eine Stunde, 60 Minuten oder 3600 Sekunden - in dieser Zeit kann man - in völlig unterschiedlichen Bereichen des Lebens - ganz schön viel machen. Der kommende Sonntag bietet dazu die Gelegenheit. Er dauert länger, weil die Sommerzeit endet und um drei Uhr nachts die Zeiger der Uhr um eine Stunde zurückgedreht werden.

Eine geschenkte Stunde und viele tolle Ideen

Auf keinen Fall vergessen: In der Nacht zum Sonntag wird die Uhr zurückgestellt.

© Herby (Herbert) / fotolia.com

KASSEL (dpa/fuh). Wegen der Zeitumstellung hat der kommende Sonntag eine extra Stunde. Was also tun mit der geschenkten Zeit? Eine Fete veranstalten, länger fernsehen oder anfangen, ein besonders dickes Buch zu lesen? Wem das zu langweilig klingt, der stelle sich einen Eurofighter-Piloten vor.

Ein Soldat im Bundeswehr-Flieger schafft innerhalb einer Stunde bis zu 2.450 Kilometer. Das reicht für eine Strecke von Hamburg bis nach Antalya in der Türkei - und den Eurofighter gibt's sogar als Doppelsitzer.

Die Nachtzüge der Bahn stehen still

Wer kein Eurofighter-Pilot ist, kann sich auch in einen Zug setzen. Die Nachtzüge der Deutschen Bahn, die zu der Zeit unterwegs sind, stehen still in der "doppelten" Stunde, um planmäßig am Zielbahnhof anzukommen. "Die Reisenden können schlafen", sagte ein Bahnsprecher. In die Nacht rausgucken geht aber auch.

Wer so schnell läuft wie Patrick Makau aus Kenia bei seinem kürzlich in Berlin aufgestellten Marathon-Weltrekord, der käme in einer Stunde 20,48 Kilometer weit. Für den Weltrekord erhielt Makau übrigens 50.000 US-Dollar (rund 36.500 Euro). Wenn man nur die Laufzeit rechnet - und nicht das ganze Training - käme man auf einen Stundenlohn von rund 17.700 Euro.

Auch Sex ist innerhalb einer Stunde möglich

Bei einem solchen Spitzen-Stundenlohn sieht übrigens nicht mal Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit seinem Durchschnitt top aus. Der Schweizer verdiente im vergangenen Jahr geschätzt etwa neun Millionen Euro. Bei einer angenommenen 50-Stunden-Woche sind das rund 3.460 Euro pro Stunde.

Zum Vergleich: Ein Hartz-IV-Empfänger erhält bei einer rechnerischen 40-Stunden-Woche rund 2,20 Euro pro Stunde.

Möglich ist innerhalb einer Stunde natürlich auch Sex. Als deutscher Normalbürger allerdings wären am Ende des Aktes noch 42 Minuten für das Nachspiel übrig. Mit 17,6 Minuten liegt Deutschland bei der Dauer des Liebesspiels nämlich knapp unterhalb des weltweiten Durchschnitts von 18 Minuten, wie aus einer Studie des Kondomherstellers Durex hervorgeht, in der weltweit mehr als 22.000 sexuell aktive Menschen befragt wurden.

Eine Stunde bietet Ungewöhnliches

Sollte man aber 60 Minuten durchhalten, werden in dieser Stunde rund 330 Kilokalorien verbraucht. Anstrengender ist es zum Beispiel, eine Stunde zu joggen (rund 550 Kilokalorien), wie Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule in Köln sagt.

Was eine Stunde Ungewöhnliches bieten kann, wird für die meisten am kommenden Sonntag wohl nur ein Traum bleiben - vielleicht aber nicht der einzige. Wie viele Träume innerhalb einer Stunde möglich sind, sei unklar, berichtet Traumforscher Professor Michael Schredl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Eine Stunde Schlaf ist also eine Stunde Traum

Es sei schwierig zu sagen, "ob es ein Traum ist oder mehrere Sequenzen", betont er. Zudem erinnere man sich in der Regel nur noch an die letzte geträumte Viertelstunde vor dem Aufwachen. "Man geht davon aus, dass durchgängig beim Schlaf geträumt wird. Eine Stunde Schlaf ist also eine Stunde Traum. Da passt einiges rein."

Ob mit vielen oder wenig Träumen - die womöglich beste Idee, die zusätzliche Stunde in der Nacht sinnvoll zu nutzen, ist allerdings: Ganz normal zu schlafen! Denn am 25. März 2012 wird uns die geschenkte Stunde wieder geklaut. Dann beginnt wieder die Sommerzeit.

Zeitumstellung in Deutschland seit 1980

Wer weiß das übrigens noch: In Deutschland ist die jetzt gültige Zeitumstellung von der Normalzeit - oder wie in der Umgangssprache bezeichnet "Winterzeit" - auf die Sommerzeit im Jahr 1980 eingeführt worden. Damals ließen sich die Politiker von der Überlegung leiten, dass mit dieser Regelung Energie gespart werden könne - durch eine bessere Nutzung des Tageslichts.

Die Zeit der Ölkrise in Deutschland im Jahr 1973 hatte die Verantwortlichen für die Probleme einer effizienten Energienutzung erstmals sensibilisiert. Zusätzlicher Druck war allerdings auch deshalb entstanden, weil einige Nachbarländer Deutschlands die Zeitumstellungs-Regelung bereits früher eingeführt hatten.

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