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Depressionen davon laufen

Laufen, was das Zeug hält: das kann auch Patienten mit Depressionen helfen - wenn sie vorher in die Therapieentscheidung mit einbezogen werden.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Laufen, laufen, laufen - nicht nur eine Option für Menschen mit Depressionen.

Laufen, laufen, laufen - nicht nur eine Option für Menschen mit Depressionen.

© shutterstock.com

BERLIN. Bei der Behandlung von Patienten mit depressiven Störungen ist Sport eine von drei therapeutischen Säulen.

Die Therapietreue der Patienten steigt, wenn sie in die Therapieentscheidung einbezogen werden.

Das sind zwei zentrale Ergebnisse des 10. Lundbeck Dialogs ZNS.

Joggen, Radfahren, Walken, Schwimmen sind gut für die Gesundheit - auch für die seelische.

Diese Auffassung vertritt der Neurologe und Psychiater Dr. Ralf Künzel aus dem hessischen Bruchköbel. Regelmäßiger Ausdauersport habe einen "1A-Evidenzgrad für Depression", so Künzel.

Studie ergab: Linderung der Symptome bei regelmäßígem Sport

Er verwies auf mehrere randomisierte Kontrollstudien, die eine Linderung der Symptome bei regelmäßigem sportlichem Training zeigen. Aus seiner Sicht ist Sport einer von drei Therapiebausteinen für depressive Patienten.

Neben Psychotherapie und Medikamententherapie gehört das sportliche Training zumindest in Künzels Praxis immer mit auf den Therapieplan.

Die molekularen Mechanismen, die durch Sport in Gang gesetzt werden, seien vergleichbar mit denen von Anitdepressiva, so Künzel.

Bei seinen ambulanten Patienten knüpft er an das noch vorhandene Aktivitätsniveau an. "Wenn der Patient es schafft, die Laufschuhe anzuziehen und zumindest einmal um den Block zu laufen, dann geht es ambulant", sagt Künzel. Patienten, bei denen das nicht mehr geht, gehören aus seiner Sicht in die Klinik.

Patienten zur Mitwirkung an Therapie bewegen

Eine gute neurologische Klinik zeichnet sich seiner Meinung nach dadurch aus, "dass sie ihre Patienten morgens in die Laufschuhe stellt".

Patienten zur Mitwirkung an der Therapie zu bewegen, gelingt besser, wenn man sie in die Therapieentscheidung einbezieht. Darauf wies der Psychotherapeut Dr. Andreas Loh aus Freiburg hin.

Als Hindernisse in der Versorgung von depressiven und manisch-depressiven Patienten identifiziert Loh unter anderem ein unzureichendes Verständnis von Erkrankung und Behandlung, unzureichende Einsicht in den Behandlungsbedarf und dysfunktionale Einstellungen bei den Beteiligten.

Häufig sehen gerade depressive Patienten oder Patienten mit bipolaren Störungen nicht ein, warum sie ihre Medikamente auch dann nehmen sollten, wenn es ihnen gerade vermeintlich gut geht.

Individuelle Werte und Einstellungen des Patienten berücksichtigen

Diese Non-Compliance ist vielen Ärzten zwar als Problem bekannt. Ärzte würden das Ausmaß aber unterschätzen, meint Loh. Um die Compliance zu steigern, müssen Ärzte ihre Patienten zur Therapie motivieren. Reine Information ist dafür nur die Grundlage.

Auch individuelle Werte und Einstellungen des Patienten müssen bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden, fordert Loh.

Er plädiert daher für das sogenannte Shared Decision Making. Er zeigte sich überzeugt, dass damit ein besserer Therapie-Outcome erreicht wird.

Das gilt laut Loh auch für Patienten mit depressiven Erkrankungen, die Studien zufolge ebenso in Therapieentscheidungen einbezogen werden wollen wie somatisch erkrankte Patienten.

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