Ärzte Zeitung online, 09.01.2012

Kampf ums Überleben in Haiti

Bei einem verheerenden Erdbeben vor zwei Jahren in Haiti starben mehr als 220.000 Menschen. Doch das Leid nimmt kein Ende: Die Bevölkerung kämpft gegen Cholera, Hunger und Gewalt.

Kampf ums Überleben in Haiti

Straße der Verwüstung: Bei dem Beben vor zwei Jahren starben etwa 220.000 Menschen, mehr als 300.000 wurden verletzt. Heute lebt noch immer eine halbe Million Haitianer in Zeltstädten.

© dpa

PORT-AU-PRINCE (dpa). Auch zwei Jahre nach dem schweren Erdbeben im Karibik-Staat Haiti müssen viele Menschen ums nackte Überleben kämpfen.

Allein 7.000 Haitianer sind seitdem an der Cholera gestorben - und jeden Tag kommen etwa 200 neue Erkrankungsfälle dazu.

Nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) ist es eine der größten Cholera-Epidemien in einem Land in der jüngsten Geschichte. Die PAHO gehört zur Weltgesundheitsorganisation.

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Lage hat sich seit dem Erdbeben am 12. Januar 2010, bei dem über 220.000 Menschen starben, verschärft.

Heute leben - teils unter katastrophalen Bedingungen - noch eine halbe Million Haitianer in Zeltstädten. Die Cholera brach zehn Monate nach dem Beben aus. Die Infektionskrankheit wird vor allem durch Fäkalien im Wasser übertragen.

Eine halbe Million Cholera-Fälle

Haitis Regierung hatte nach einer Erklärung der Vereinten Nationen Mitte Dezember 2011 die Zahl der Cholera-Fälle mit 520.000 und die der Todesopfer mit fast 7000 angegeben.

Die PAHO hält zur Bekämpfung der Seuche weitere Anstrengungen und Investitionen für nötig, um jedem Einwohner sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen zu bieten.

In der benachbarten Dominikanischen Republik wurden den Angaben zufolge bislang über 21.000 Fälle und 363 Cholera-Tote registriert. Beide Länder bilden die Karibik-Insel Hispaniola.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bezeichnet die Armuts- und Ernährungssituation für die Mehrheit der Bevölkerung immer noch als kritisch.

"Die Zustände in den Camps sind teilweise schlimm. Menschen leben da seit zwei Jahren unter widrigsten Umständen", sagte die DRK-Büroleiterin in der zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince, Astrid Nissen, der Nachrichtenagentur dpa.

"Es gibt inzwischen nur noch einen Minimalservice wie Trinkwasser, Toilettenreinigung und teilweise medizinische Versorgung. Das gilt aber nur für etablierte Camps."

Täglicher Überlebenskampf

15 Prozent aller Zeltstädte hatten laut Nissen nie eine Organisationsstruktur. In vielen Camps sei Gewalt gegen Frauen und Kinder ein Problem. Zudem versteckten sich dort Kriminelle. Der Alltag in Haiti sei weiter geprägt vom "täglichen Überlebenskampf".

Der Wiederaufbau Haitis nach dem Erdbeben mit einer Stärke von 7,3 hatte sich auch durch politische Instabilität verzögert.

Wie das Bündnis "Entwicklung Hilft" am Sonntag mitteilte, herrscht eine "deutliche Aufbruchstimmung im Land, seitdem die neue Regierung im Oktober endlich ihre Arbeit aufgenommen hat". Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von fünf Hilfswerken, darunter Brot für die Welt.

Prominenter Besuch reiste am Freitag in den Karibik-Staat: Der US-Schauspieler Matt Damon (41) unterstützt dort ein Projekt zur Trinkwasseraufbereitung, wie das Internet-Portal "Haiti Press Network" berichtete.

Damon ist Mitbegründer der Organisation "water.org", die sich weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt.

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