Ärzte Zeitung, 19.01.2012

Das große Rätsel um Sexy Coras Tod

Pornodarstellerin Sexy Cora lässt sich immer wieder ihre Brüste vergrößern und stirbt bei der fünften Busen-OP - mit 23 Jahren. Ein Jahr ist das her, die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

Von Julia Ranniko

Vom kurzen Leben einer Pornodarstellerin

Trauriges Schicksal: Erotikdarstellerin Cora.

© RTL II, Endemol/Stefan Menne / dpa

HAMBURG. Auf einer Erotikmesse kommt so ein Satz ganz selbstverständlich daher. "Mein Körper ist mein Kapital", hat Carolin Wosnitza alias "Sexy Cora" mal gesagt.

Ihr Körper, tätowiert, mehrfach operiert.

Mit 18 gibt's die erste Brustvergrößerung, nach der fünften ist der Pornostar tot. Mit 23 Jahren.

Rund um Carolins ersten Todestag am 20. Januar wollen sich Fans vor ihrem Grab auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf versammeln.

Staatsanwaltschaft ermittelt noch

Was genau bei der Operation in einer Hamburger Schönheitsklinik schiefgelaufen ist, untersucht die Staatsanwaltschaft. Gegen die Narkoseärztin (55) und den Chirurgen (50) wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

Im März will die Behörde entscheiden, ob Anklage erhoben wird - und gegen wen. "Wir gehen davon aus, das Verfahren dann abzuschließen", sagt Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Bei einer Verurteilung drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Klar ist: Während des Eingriffs kam es zu einem Herzstillstand, nach mehreren Tagen im Koma starb die junge Frau an einer Hirnlähmung. Kurz nach der Brust-OP ließ die Staatsanwaltschaft die Klinik durchsuchen, Patientenunterlagen und medizinische Geräte beschlagnahmen.

In Carolins Blut wurden keinerlei verbotene Substanzen entdeckt - weder Anabolika noch Drogen oder Medikamente. Zu weiteren Ergebnissen der Gutachter will sich Möllers jedoch nicht äußern: "Das ist Gegenstand der Untersuchungen."

Letzter Eingriff: Brustvergrößerung von 70 F auf 70 G

Laut "Bild"-Zeitung soll "Sexy Cora" nach Ansicht eines Anästhesie-Experten an schwerwiegenden Behandlungsfehlern gestorben sein. Die Klinik hat diesen Vorwurf stets bestritten.

So weit wie "Sexy Cora" aber geht wohl kaum eine Frau: Beim letzten Eingriff wollte sie sich ihre Riesenbrüste nach Medienberichten von 70 F auf 70 G vergrößern lassen.

Carolin, am 2. Mai 1987 in Berlin geboren, fängt nach der Realschule eine Lehre als Krankenschwester an. Aus gesundheitlichen Gründen bricht sie die Ausbildung ab. Danach soll sie sich bei der Bundeswehr beworben haben, als Fallschirmjägerin.

Doch sie zieht mit ihrem Freund und späteren Mann Tim nach Hamburg. Dort arbeitet sie zunächst für kurze Zeit als Prostituierte in der berühmten Herbertstraße nahe der Reeperbahn, dann steigt das Paar in die Pornobranche ein - sie als "Sexy Cora", er als Manager. Einem Teil des TV-Publikums wird sie auch in der RTL-II-Realityreihe "Big Brother" ein Begriff.

Zwei Mal setzt sie ihren Fuß sogar in die seriöse Filmbranche: Im Kinofilm "Gegengerade" um den Kiez-Club FC St. Pauli ist sie in einer Nebenrolle mit von der Partie, und im ZDF-Krimi "Der Tote an der Elbe" spielt sie sich selbst.

Sie habe eine "gewisse Unsterblichkeit" erreichen wollen

Denn vor allem das Geschäft als Pornodarstellerin floriert - bis heute, ein Jahr nach ihrem Tod. Der 26 Jahre alte Witwer vermarktet seine tote Frau weiter im Internet. Das hatte er bereits kurz nach ihrem Tod auf Facebook angekündigt: "Wir werden dafür sorgen, dass der Begriff und Label "Sexy Cora" und eine wundervolle Frau, die Liebe meines Lebens, weiter lebt. (...) Ich weiß und sage mit voller Überzeugung, dass meine Frau nicht gewollt hätte, dass ihr Lebenswerk, ihre DVDs, ihre Internetseiten dem Erdboden gleich gemacht werden."

Sie habe eine "gewisse Unsterblichkeit" erreichen wollen. Schließlich, sagte er dem Magazin "Stern", habe an "Sexy Cora" alles gestimmt: "Das ganze Paket eben." Selbst ein Video von Carolins Beerdigung im pinkfarbenen Sarg ist im Internet zu sehen, und auf das Grab seiner Frau lässt Tim einen großen Engel aus weißem Marmor setzen.

Doch als er einige Monate nach dem Tod der 23-Jährigen "Sexy Coras" Sachen - etwa Schuhe mit Echtheitszertifikat - versteigert, zieht er sich den Ärger mancher Fans zu.

Coras Körper ist jetzt sein Kapital. Auch wenn der Witwer längst Hardcore-Filme mit anderen Frauen produziert. (dpa)

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[19.01.2012, 12:37:54]
Monika Königstein 
Thema verfehlt?
Ist die Ärzte-Zeitung wirklich der richtige Ort, das Tun des offensichtlich geldgierigen Ex-Mannes anzuprangern? Ich glaube kaum.

Darüber hinaus mag die Frage gestattet sein, warum im Falle eines Ablebens der (Schönheits-OP-)Patientin die Ärzte zur Rechenschaft gezogen werden, während beim bloßen "Problem mit minderwertigen Brustimplantaten" die Frauen selber die Schuldigen sein sollen, weil sie "es ja so gewollt haben". Das eine ist vielleicht fahrlässige Tötung, das andere "nur" Körperverletzung? (Die Frage gilt als Denkanstoß und ist keinesfalls als wertend zu betrachten.)

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