Ärzte Zeitung, 26.01.2012

Wegen Fluglärm und Landebahn: Notarzt geht in die Luft

Neue Landebahn, Fluglärm über der Praxis und dem Privathaus: Dagegen protestiert ein Notarzt vom Frankfurter Flughafen - und wirft seinen Job hin.

Landebahn-Protest: Leitender Notarzt reicht Kündigung ein

Dr. Jochen Krauß: "Der Lärmpegel macht krank."

© privat

FRANKFURT/MAIN (ine). Aus Protest gegen den Fluglärm, den die neue Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens mit sich bringt, hat ein Mediziner seinen Dienst als leitender Notarzt der Flughafenklinik zum Jahresanfang gekündigt.

"Ich wollte damit ein Zeichen setzen", sagt der Facharzt Dr. Jochen Krauß im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Der 53 Jahre alte Krauß arbeitet als Unfallchirurg in einer Praxis im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen und wohnt mit seiner Familie in Frankfurt-Niederrad.

Mit der neuen Landebahn, so der Arzt, sei der Lärm in beiden Stadtteilen im Süden der Finanzmetropole Frankfurt enorm gestiegen. "Dass es so schlimm wird, konnte sich vorher niemand vorstellen."

Die Flugzeuge donnerten im Süden Frankfurts in einer Höhe von 300 bis 400 Metern über Kindergärten und Schulen. "Das ist ein hoher Lärmpegel, der krank macht."

Aus Protest habe er deshalb seine Arbeit an der Flughafenklinik gekündigt und einen offenen Brief an den Fraport-Vorsitzenden Sefan Schulte geschickt.

Zuspruch nach der Kündigung

15 Jahre lang war er am Flughafen im Einsatz - allerdings war der Flughafen die ganzen Jahre über nicht seine Haupteinnahmequelle. "Ich hatte lediglich ein bis zweimal im Monat Bereitschaftsdienst", erzählt Krauß.

Diese Arbeit habe er jedoch nicht mehr mit seinem ärztlichen Ethos in Einklang bringen können.

Zuspruch bekommt er von vielen Frankfurter Bürgern. "Ich habe jede Menge E-Mails und Briefe nach meiner Kündigung bekommen - so viele Reaktionen hatte ich gar nicht erwartet." Vom Flughafen kam keine Reaktion, seine Kündigung bekam er formlos bestätigt.

Seinem Unmut macht Krauß bei jeder Montagsdemo am Flughafen Luft. Er ist aktives Mitglied der Bürgerinitiative "Eintracht gegen Fluglärm". "Das Praxisgeschäft übernimmt dann mein Kollege für mich", sagt Krauß.

Er glaubt, dass die Proteste gegen Fluglärm erst am Anfang stehen. "Da ist eine unheimliche Dynamik drin", sagt er. Hunderttausende seien vom zunehmenden Lärm betroffen.

Seine Hoffnung ist groß, dass die neue Landebahn stillgelegt wird. "Dass die Landebahn an einer völlig falschen Stelle gebaut wurde, das sehen auch viele Politiker längst ein."

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