Ärzte Zeitung online, 05.02.2012

So tut Sport bei eisiger Kälte nicht weh

Der häufigste Fehler von Freizeitsportlern im Winter ist: keinen Sport zu treiben. Auch bei klirrender Kälte darf man sich sportlich im Freien bewegen, wenn man einige Grundsätze beachtet.

Von Thomas Meißner

So tut Sport bei eisiger Kälte nicht weh

Auch bei klirrender Kälte kein Fehler: Sport im Freien, etwa Eishockey auf einer natürlichen Eisfläche.

© dpa

NEU-ISENBURG. Kleidung nach dem Zwiebelschalenprinzip, ein Tuch oder ein Schal vor dem Gesicht, Schutzbrille und vielleicht Wärmepads für Füße und Hände: das ist wichtig, damit Sport bei frostigen Temperaturen nicht weh tut.

Eine moderate Hypothermie, wie sie bei unzureichender Kleidung und Außentemperaturen um minus 15°C schon Mal vorkommen kann, führt zu peripherer Vasokonstriktion, Tachykardie und erhöhtem Blutdruck.

Dies zu wissen ist vor allen Dingen für am Herzkreislaufsystem vor erkrankte Freizeitsportler wichtig. Die Sportfähigkeit von Asthmatikern sollte sich danach richten, wie groß die allergische Komponente ist und wie gut die medikamentöse Einstellung, rät Professor Winfried Banzer vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Frankfurt am Main. Aber auch für Gesunde gelte, sich nicht zu überlasten.

Wichtig ist schichtweise Kleidung nach dem Zwiebelschalenprinzip, am besten Funktionskleidung, die die Haut trocken hält und vor Wind schützt. Der Kühleffekt des Windes darf nicht unterschätzt werden.

Minus 10 Grad plus Windgeschwindigkeit 18 km/h gleich effektive minus 21 Grad

Nach Angaben von Professor Inggard Lereim vom Medizinischen Komitee des internationalen Skiverbandes FIS bewirken bereits Windgeschwindigkeiten von 5 m/s (18 km/h) bei Außentemperaturen von minus 10°C eine effektive Temperatur von minus 21°C.

Banzer rät zu Mützen aus Softshell-Material. Und wer nicht wie ein Bankräuber herumlaufen möchte, der bindet sich ein Tuch oder einen Schal vor das Gesicht. Dies schützt Mund, Nase und Gesichtshaut sowie die kälteempfindlichen Lungen alveolen.

Vergessen wird zudem oft ein Augenschutz: Horn- und Bindehaut können bei Kontakt mit Schnee und Eis verletzt werden. Schutzbrillen beugen vor, manche Wintersportler tragen auch Kontaktlinsen, deren Anpassung sei aber nicht immer einfach, so Lereim (www.fis-ski.com/data/document/cold-lereim-long-article.pdf).

Das Schuhwerk sollte ebenfalls wasserfest und winddicht sein sowie über ein gutes Sohlenprofil verfügen. Wärmepads für Füße und Hände können zusätzlich helfen.

Muskeln und Sehnen verletzungsanfälliger

Die Weichteile sind bei kalten Temperaturen besonders verletzungsgefährdet. Ambitionierte Sportler müssen sich also noch konzentrierter als sonst aufwärmen. Für Freizeitjogger reicht der langsame Start mit allmählicher Steigerung. Statt Intervalltraining mit "Kältepausen" sollte lieber auf einen zügigen Dauerlauf gesetzt werden.

Nach dem Sport nicht lange draußen aufhalten, das Dehnen eher ins Haus verlegen und dann gleich warm Duschen, so ein weiterer Tipp von Banzer.

Einem besonderen Hypothermie-Risiko sind Kinder wegen der in Relation zum Körpergewicht viel größeren Körperoberfläche als bei Erwachsenen ausgesetzt. Liegt zum Beispiel die untere Temperaturgrenze, bei der Weltcuprennen im Skisport noch ausgeführt werden sollten, bei minus 20°C, empfiehlt die FIS für Kinder minimal minus 12°C.

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