Ärzte Zeitung online, 22.02.2012

Dr. med. Gauck

Erst hochgejubelt, jetzt kritisiert: Joachim Gauck ist noch nicht Bundespräsident und schon zweifeln die Ersten an ihm. Doch sein Sohn Christian, Oberarzt in Hamburg, ist sich sicher: "Mein Vater erhält große Zustimmung in der Bevölkerung."

Gauck - ein Kandidat für Arzt und Patient

Dr. Christian Gauck ist Orthopäde und Unfallchirurg am Krankenhaus Tabea in Hamburg.

© privat

NEU-ISENBURG (jvb). Seit drei Tagen stehen die Telefone im Krankenhaus Tabea in Hamburg nicht mehr still. Denn Gauck soll Bundespräsident werden. In der Klinik ist die Freude über die Nominierung spürbar.

"Die Patienten gratulieren mir und freuen sich für die Familie", erzählt der leitende Oberarzt Christian Gauck der "Ärzte Zeitung". Die Biografie seines Vaters Joachim Gauck hat so mancher Patient auf dem Tisch neben dem Krankenbett liegen.

Ob Joachim Gauck der Richtige für das Amt ist? Diese Frage stellt sich für Christian Gauck nicht.

„Ich habe seit seiner ersten Kandidatur erleben können, dass mein Vater mit seiner Art über Freiheit und Demokratie zu sprechen, in weiten Teilen der Bevölkerung große Zustimmung erhalten hat. Ich bin schon lange der Meinung, dass er aufgrund seiner Biographie glaubhaft Demokratieverständnis und Versöhnung vermitteln kann.“

Außerdem sei es für viele wichtig, einen Präsidenten zu haben, der nicht aus parteipolitischem Kalkül handele - wie Joachim Gauck.

Freiheit ist nicht sein einziges Thema

Dass der vermeintlich neue Bundespräsident auch Impulse für das Sozial- und Gesundheitssystem geben wird, kann sich sein Sohn durchaus vorstellen.

"Momentan wird ihm vorgeworfen, dass Freiheit sein einziges Thema ist, dabei hat er auch schon viel über Solidarität und Gerechtigkeit gesprochen", sagt Orthopäde und Unfallchirurg Christian Gauck.

Ein Beispiel dafür ist der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie im Oktober 2011. Dort sprach Joachim Gauck über "Freiheit als Verantwortung".

Damals bezeichnete er den Arztberuf als besonders schönen Beruf, weil Ärzte täglich verantwortlich handeln können. Er ermutigte Ärzte aber auch, im Sinne der Gesellschaft verantwortbar zu behandeln.

"Aber erstmal muss er im März auch gewählt werden", sagt Christian Gauck.

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Joachim Gauck (38)
[01.03.2012, 15:24:01]
Dr. Horst Grünwoldt 
Dr. h.c. Joachim Gauck
Habe gerade von J. Gauck das Büchlein "Freiheit" - Ein Plädoyer (gerichtliches Verteidiger-Schlußwort oder schlicht Bekenntis??), Kösel Verlag München 2012, gelesen und mit persönlichen Bemerkungen weitergegeben. Es war eine ziemliche Enttäuschung des wohlklingenden Rhetorikers im schriftlichen Schwarz auf Weiß...
Der Gauck´sche unvollständige Freiheitsbegriff (Freiheit gleich Verantwortung) erinnert mich doch sehr an denjenigen der früheren DDR-Ideologie: Freiheit sei die Einsicht in die Notwendigkeit!?
Für mich selbst als jugendlicher DDR- Flüchtling unter Lebensgefahr habe ich in der errungenen (persönlichen) Freiheit des Westens ganz schnell lernen müssen:
Sie bedeutet für mich, daß ich eigenverantwortlich etwas tun (unternehmen) oder sein lassen kann (nicht tun muß); natürlich immer auch mit dem (persönlichen) Risiko, zu scheitern. ich habe jedenfalls ohne jedwede Bevormundung oder Gängelung die freie Wahl dazu (gemäß meinen individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten).
Gestört hat mich an dem Text auch noch mancher wohlklingende, aber nebulöse Begriff des ev. Pastor Gauck. Im konklusiven Denken hat er mich manchmal an die verbale "Rolle-rückwärts" des Taktikers G. Gysi erinnert.
Vielleicht entstammen gewisse verbale Ausdrücke aber auch nur der typischen Bewußheits-Spaltung von privatem Denken und öffentlicher Proklamation aller nicht "100%igen" Systemanhänger in der ehemaligen DDR-Unfreiheit?
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, (jetzt wieder) Rostock
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