Ärzte Zeitung, 29.03.2012

Die mysteriöse Verletzung des Triathlon-Olympiasiegers

Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen ist Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno vorerst von seiner linken Wade gestoppt worden. Die Ärzte finden die Ursache für seine Beschwerden nicht. Noch aber gibt sich Frodeno im Hinblick auf London optimistisch.

Von Claas Hennig

Die mysteriöse Verletzung des Triathlon-Olympiasiegers

Willl sich trotz Verletzungsmisere nicht entmutigen lassen: der deutsche Triathlet Jan Frodeno.

© Christians/dpa

DONAUSTAUF / BERLIN. Eigentlich wollte Jan Frodeno jetzt ganz woanders sein - unter Australiens Sonne mit seinen Triathlon-Kollegen. Doch stattdessen sitzt der Olympiasieger in Donaustauf.

Seit Monaten schmerzt seine linke Wade. Nun hofft Frodeno in der Klinik von Physiotherapeut Klaus Eder auf Linderung. Den Start bei Olympia im August in London will der 31-Jährige noch längst nicht abhaken.

"Ich bin nicht unfit. Ich bin von daher optimistisch oder mache mir momentan keine Sorgen um Olympia. Ich habe auf jeden Fall bis zum 7. August noch einiges an Zeit", sagte der Saarbrücker am Mittwoch der dpa.

Er habe "naiverweise die Hoffnung, dass es einen Aus-Schalter gibt und dass es recht schnell wieder gut wird".

Rätselraten über Ursache

Bislang haben weder er noch die Ärzte den Schalter gefunden. Seit fünf Wochen könne er nicht mehr laufen, sagte der Goldmedaillen-Gewinner von Peking.

"Es wird nicht so richtig besser. Keiner weiß so recht, was es ist. Das ist sehr, sehr stressig. Dementsprechend ist meine Gemütslage eine Auf- und Abfahrt."

Die lädierte Wade ist ein weiteres Blatt in Frodenos Krankenakte der letzten zwei Jahre. Ein Immuninfekt und etliche Verletzungen - für ihn kam es zuletzt knüppeldick. Einer der wenigen Lichtblicke im vergangenen Jahr: die Qualifikation für Olympia beim Weltmeisterschafts-Rennen in London.

Doch nun heißt es wieder: Therapien statt Training - eine Qual für einen, der die tägliche Schinderei liebt. Das zweite Trainingslager mit dem Nationalteam in Südafrika hatte der 1,93 Meter lange Frodeno abbrechen müssen.

Während seine Kollegen nach Australien flogen, reiste er nach München zu Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Seit vergangenen Montag ist Frodeno nun in Donaustauf am Rande des Bayerischen Waldes. Das erste WM-Rennen des Jahres am 14. April in Sydney hat er für sich gestrichen. Den Saisoneinstieg plant er nun beim WM-Lauf am 12. Mai in San Diego in den USA.

Ist etwas im Training schiefgelaufen?

Frodeno möchte stets verstehen, was mit seinem Körper passiert. Auch jetzt versucht er mit seinem Trainer Roland Knoll seine Schlüsse zu ziehen.

"Ich habe die Verletzung auch als Zeichen gesehen, dass ich irgendwo was falsch mache", sagte er. "Wenn man so krass verletzt ist, dann sollte man schon mal überlegen, ob im Training irgendwas schiefgelaufen ist."

Er habe zu sehr auf das Prinzip "viel hilft viel und mehr hilft mehr" gesetzt, hat Frodeno erkannt.

"Wenn 40 Trainings-Stunden die Woche perfekt aufgehen, heißt das noch lange nicht, dass 41 Stunden besser sind. Und diesen Punkt habe ich irgendwann verpasst."

Irgendwann sei "die eine Stunde aber fünffach kontraproduktiv und der Schuss geht nach hinten los".

Die Konsequenz: Künftig will er kürzer und intensiver trainieren. "In den anderen zwei Disziplinen schlägt es bei mir gut an." Denn Radfahren und Schwimmen kann er problemlos - immerhin. (dpa)

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