Ärzte Zeitung online, 05.04.2012

Patientinnen sexuell missbraucht? Pfleger droht Knast

Ein verbeamteter Pfleger soll in einem Bezirksklinikum in Niederbayern zwei psychisch kranke Patientinnen sexuell missbraucht haben. Den Job ist er erst mal los, es drohen ihm fünf Jahre Haft.

Von Thorsten Schaff

Psychisch kranke Patientinnen sexuell missbraucht: Pfleger droht Knast

Schauplatz Bezirksklinikum Mainkofen: Dort soll ein Pfleger zwei Patientinnen sexuell missbraucht haben. Insgesamt hat das Klinikum 1404 Beschäftigte, darunter 100 Ärzte.

© Bezirksklinikum Mainkofen

DEGGENDORF. Missbrauchsvorwürfe schockieren Niederbayern: Ein Pfleger des Bezirksklinikums Mainkofen in Deggendorf wird verdächtigt, zwei psychisch kranke Patientinnen sexuell missbraucht zu haben. Zu den Vorfällen soll es Anfang 2011 gekommen sein.

Gegen den Beschuldigten wird ermittelt, nachdem der Bezirk Niederbayern als Träger des Klinikums einen Vorfall zur Anzeige gebracht hat.

"Die Ermittlungen sind weitgehend abgeschlossen", sagte die leitende Oberstaatsanwältin Kunigunde Schwaiberger im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Der Tatverdächtige ist verbeamtet

Anfänglich seien die Ermittler nur von einem Vorfall mit einer Patientin ausgegangen. Während der Untersuchung hätten sich aber Hinweise auf einen weiteren Übergriff auf ein zweites Opfer ergeben, so Schwaiberger. Der Tipp kam "aus dem Umfeld der Patientin".

Bei dem Tatverdächtigten handelt es sich nach Auskunft der Staatsanwaltschaft um einen 55-Jährigen.

Der Krankenpfleger ist verbeamtet, wie Walter Ragaller, Sprecher des Bezirks Niederbayern, gegenüber der "Ärzte Zeitung" bestätigte. Derzeit ist der Beschuldigte vom Dienst freigestellt, gegen ihn läuft ein Disziplinarverfahren.

In welcher Fachklinik er gearbeitet hat, darüber wollten weder Bezirk noch Staatsanwaltschaft oder Klinikleitung Auskunft geben. Das Bezirksklinikum Mainkofen verfügt über die Fachkliniken Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Forensische Psychiatrie, Neurologie und Neurologische Frührehabilitation.

Patientin informiert Klinikleitung

Im Januar hatte sich nach Auskunft des Bezirks-Sprechers eine 63 Jahre alte Patientin der Klinikleitung anvertraut und berichtet, von dem 55-jährigen Pfleger sexuell missbraucht worden zu sein.

Der Beschuldigte räumte den Vorfall ein, erzählte aber eine andere Entstehungsgeschichte. "Der Pfleger sagte, es sei von der Dame ausgegangen", berichtete Ragaller.

Das zweite vermeintliche Opfer ist laut Staatsanwaltschaft 30 Jahre alt. Sie behauptet ebenfalls, einmal vom 55-Jährigen missbraucht worden zu sein.

In welcher Fachklinik die Patientinnen untergebracht waren und ob sie auch jetzt noch im Bezirksklinikum behandelt werden, dazu wollten sich Klinik und Träger nicht äußern.

Zumindest bei der 63-Jährigen konnte Bezirks-Sprecher Ragaller davon berichten, dass sich ihre Erkrankung nach dem vermeintlichen sexuellen Übergriff nicht verschlimmert habe.

Es drohen fünf Jahre Haft

Sind die Ermittlungen abgeschlossen, wird Anklage erhoben. Der Tatvorwurf lautet "Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses".

Nach Auskunft von Oberstaatsanwältin Schwaiberger droht dem Pfleger bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

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