Ärzte Zeitung, 25.05.2012

Kinder werden zu "Herzhelfern"

Nothilfe für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen - wie funktioniert das? Berliner Grundschulkinder waren an einem ungewöhnlichen Projekt beteiligt.

Kinder werden zu "Herzhelfern" ausgebildet

Was passiert bei einer Herzoperation? Frank Merkle, Leiter der Akademie für Kardiotechnik am Deutschen Herzzentrum Berlin, informiert die Schüler.

© Balk / dpa

BERLIN (dpa/eb). Das Deutsche Herzzentrum in Berlin hat in dieser Woche erstmals 150 Kinder zu "Herzhelfern" ausgebildet. Die Grundschüler lernen, Hilfsbedürftige zu befragen, die Feuerwehr zu rufen sowie erste Hilfs- und Wiederbelebungsmaßnahmen anzuwenden.

Der eintägige Kurs konzentriere sich auf Herzkrankheiten und unterscheide sich damit von anderen Erste-Hilfe-Kursen, sagte die Pädagogin Bianca Schemel, die den Kurs entwickelt hat.

Die Elf- und Zwölfjährigen sollen vor allem in die Lage versetzt werden, der immer älter werdenden Erwachsenengeneration mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Notfällen zu helfen.

Wie das funktioniert, das übten Carina und ihre Mitschüler in den Schulungsräumen des Herzzentrums an Puppen und am Telefon. Nach einer kurzen theoretischen Einweisung in Herz und Kreislauf ging es an die Praxis.

Der Anästhesist und Notarzt Stephan Kurz erklärte den Kindern, wann und wie sie einen Defibrillator anlegen und den Anweisungen des Geräts entsprechend das Herz massieren.

Die automatisierten Geräte, die Stromstöße abgeben, seien unter anderem in Flughäfen und Einkaufs-Centern zu finden und könnten selbst von Kindern bedient werden, erklärt der Arzt.

"In der Schule haben wir schon auf Bildern gesehen, was zu tun ist. Hier kann ich genau lernen, wo ich anfassen muss", sagte die 12-jährige Carina. Im Nachbarraum übten ihre Mitschüler derweil mit der Projekt-Entwicklerin Bianca Schemel, wie sie telefonisch Hilfe holen können.

"Ersthelfer von morgen"

Im Übungs-Operationsaal erklärte ein Medizin-Pädagoge anhand der Puppe, wie man sich eine Operation am offenen (Silikon-)Herzen vorstellen muss.

"Erste Hilfe bedeutet in Deutschland oftmals Wegschauen. Wenn Kinder schon früh damit vertraut gemacht werden, ist es für sie eine Selbstverständlichkeit", erläuterte der Anästhesist und Notarzt Stephan Kurz. Auch Kinder könnten Leben retten.

Eine Auswertung des Pilotprojekts solle zeigen, ob es auch bundesweit angeboten werden soll, sagte die Sprecherin des Herzzentrums, Barbara Nickolaus. Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter Unfallhilfe bieten schon seit Jahren Kurse in Erster Hilfe für Kinder und Jugendliche an.

Unter dem Motto "Ersthelfer von morgen" schult etwa die Johanniter-Unfall-Hilfe Kindergarten- und Schulkinder in Erster Hilfe.

"Kinder können Notfälle erkennen und daraus auch entsprechende Handlungskonsequenzen ableiten", sagte der Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes, Peter Sefrin. Das sei im schulischen Unterricht in der Vergangenheit nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Bisher fehle es noch immer an einem obligatorischen Erste-Hilfe-Unterricht in Schulen. Das DRK und andere Organisationen forderten diesen schon seit Jahren. Im Saarland gebe es diese Schulungen inzwischen. Berlin plant diesen verpflichtenden Unterricht laut Bildungsverwaltung nicht.

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