Ärzte Zeitung, 17.07.2012

"Rote Nasen" mischen Kinderklinik auf

Der Alltag in der Klinik ist für die jüngsten Patienten oft nicht einfach. Klinik-Clowns bringen etwas Abwechslung in die Krankenzimmer. Manchmal hilft sogar Französisch.

Von Daniela Noack

Clowns mischen die Kinderklinik auf

Was steht bei der jungen Patientin im Zimmer? Die beiden Clowns Filou und Béta inspizieren es genau.

© Daniela Noack

POTSDAM. Auf der Kinderstation sind viele neue kleine Patienten angekommen. Ärzte und Schwestern rotieren. Keine Zeit für Mätzchen.

Ausgerechnet jetzt erscheinen zwei Clowns im Potsdamer Ernst von Bergmann Klinikum. Béta stolpert zusammen mit ihrem Kollegen Filou in das Krankenzimmer von Leonie und Pia.

Eigentlich ist den beiden blonden Mädchen gar nicht zum Lachen. Leonie hat eine Lungenentzündung und Pia Fieber.

Filou rutscht mit seinen überdimensionalen Schuhen immer wieder aus und verliert dabei fast seine viel zu weite Hose. Zum Entsetzen der Mütter verheddern sich Filou und Beta in den Telefonkabeln und Infusionsschläuchen.

Ihre Sorge ist unnötig, denn die schrägen Vögel wissen genau, was sie tun. Sie sind Profis, wie alle Clowns, die der Verein "Rote Nasen" in Krankenhäuser schickt, um Kinder aufzuheitern.

Kein Kinderspiel

Kein Besuch findet ohne ein vorheriges Treffen mit dem Klinikpersonal statt. Dabei erfahren die Clowns neben dem Namen und Alter der Kinder auch etwas über ihre Krankheit und welche Art der Aufmunterung ihnen gut tut. Immer wieder spielen sie für chronisch oder schwer erkrankte Kinder.

Filou, der eigentlich Reinhard Horstkotte heißt, ist künstlerischer Leiter der "Roten Nasen". "Kranke oder Demenzkranke zum Lachen zu bringen, ist alles andere als ein Kinderspiel", sagt auch Sylvie Krause-Grégoire.

Ihr Auftritt ist eng mit Ärzten und Pflegepersonal abgestimmt, damit es trotz Zeit- und Personalmangel klappt.

Die französische Schauspielerin, die seit über zehn Jahren in Berlin lebt, hat auf großen Bühnen gestanden, als Synchronsprecherin gearbeitet und in Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt.

Die Charakterdarstellerin verfügt unzweifelhaft über ein komisches Talent. Doch Clown zu sein, ist für die 47-Jährige eine ernste Sache. Den eigenen Clown in sich zu finden, eine Lebensaufgabe.

Eigenwillige Wortschöpfungen

Während Krause-Grégoire nach klassischer Schauspiel- und Gesangsausbildung in Frankreich mit Rollen in Stücken von Shakespeare und Molière auf der Bühne stand, kämpfte sie in Berlin erst einmal mit der deutschen Sprache.

Als Clown reichte es, wenn sie sich nur mit Händen und Füßen verständlich macht. Die Leute lachten über ihren französischen Akzent und die eigenwilligen Wortschöpfungen.

"Ohne zu wissen, dass ich später einmal in Kliniken auftreten würde, hatte mein Clownsname Béta damals schon eine medizinische Komponente", amüsiert sie sich. Béta, so nennen die Franzosen aber auch Personen, die hoffnungslos naiv sind.

Leonie und Pia sind schon auf dem Weg der Besserung. Die Clowns haben ihr Krankenzimmer auf den Kopf gestellt. Béta singt den bekannten Chanson "Aux Champs-Elysées".

Filou fällt mit einer Art Fantasiefranzösisch in den Singsang ein, während er sich hoffnungslos weiter in den Kabeln verstrickt.

Lachen: Wirksame Medizin

Auch im Alltag liebt die in Dijon geborene Schauspielerin das Lachen. Wenn ihre eigenen Kinder krank sind, liest sie ihnen lustige Geschichten vor.

Doch die Clownsnase setzt sie zu Hause nicht auf. Ihr größter Fan trägt übrigens auch einen weißen Kittel: Ihr Ehemann ist Chirurg in einem Berliner Krankenhaus.

Ihre Tätigkeit als Klinikclown hat die beiden noch näher zusammengebracht. Plötzlich ist das Krankenhaus kein anonymer Ort mehr und das medizinische Vokabular keine Fremdsprache mehr.

"Im Grunde haben wir jetzt eine gemeinsame Aufgabe: Wir arbeiten beide zum Wohle der Kinder. Schließlich ist das Lachen auch eine sehr wirksame Medizin."

Klinik-Clown Organisationen: www.dachverband-clowns.de, www.bububue.de, www.rotenasen.de, www.clown-doktoren.de

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