Ärzte Zeitung, 12.10.2012

Hilfe in der Pflege

Roboter, hol mir Bier!

Ein Roboter als Pflegeassistent? Manchen mag mulmig bei diesem Gedanken werden. Doch schon bald sollen Maschinen alten und behinderten Menschen ein leichteres und würdiges Leben ermöglichen.

Von Dorothea Hülsmeier

Roboter, hol mir Bier aus dem Kühlschrank!

Mit Hilfe des "JACO" Roboterarms trinkt Tom auf der Rehacare in Düsseldorf einen Becher Kaffee.

© Weihrauch / dpa

DÜSSELDORF. SCITOS G3 ist orange-gelb, wendig und hat lustige gelb-blaue Comicaugen, die auch mal treu blinzeln. Er kann an Termine und Medikamente erinnern, bewahrt Schlüssel und Portemonnaie auf und kann zum Telefonieren benutzt werden.

Der 1,20 Meter große Roboter soll alte und leicht demente Menschen im Alltag unterstützen und ihnen so ein längeres und eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen.

In einer gar nicht so fernen Zukunft können Familienangehörige den Maschinen-Dienstboten dann sogar fernsteuern, erscheinen auf seinem Bildschirm und können so bei ihren betagten Eltern auf diese Weise virtuell nach dem Rechten sehen.

Medizintechniker sehen einen Zukunftsmarkt

Manch einem mag es beim Gedanken vielleicht unheimlich werden, dass Maschinen den Menschen bei der Betreuung von alten und behinderten Menschen zumindest teilweise ersetzen könnten.

Medizintechniker sehen im Einsatz von Assistenzrobotern angesichts der alternden Gesellschaft aber einen großen Zukunftsmarkt.

Auf der Pflegefachmesse Rehacare in Düsseldorf werden bis Samstag Prototypen solcher maschinellen Butler gezeigt, die Namen wie "ALIAS" oder "FRIEND" tragen, und bisweilen ein fast menschliches Aussehen mit großen Kulleraugen haben.

"Der Kopf ist wichtig, haben wir festgestellt", sagt Andreas Bley, Geschäftsführer des Ilmenauer Roboter-Herstellers MetraLabs GmbH. Die Akzeptanz eines Roboters werde damit erhöht.

In einer vereinfachten Version könnte SCITOS G3 bald auf den Markt kommen - und dann unter 10.000 Euro kosten.

Noch liegen die Preise für Protoptypen von Assistenzrobotern nach Angaben von Experten zwischen 30.000 und 250.000 Euro.

Chancen für den Einsatz einer vereinfachten Version des Maschinen-Helfers sieht Bley derzeit vor allem beim betreuten Wohnen, wo mehrere Personen den kostspieligen Roboter nutzen könnten.

"Alias" ist Vater aller Assistenzroboter

"Vater" der Assistenzroboter, die das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA (Stuttgart) auf der Messe präsentiert, ist ein Gerät namens "ALIAS" mit einem durchsichtigen Kugelkopf, der auf einem kegelförmigen Körper sitzt.

Seine Brust ist wie bei SCITOS ein berührungsempfindlicher Bildschirm, und er ist bereits in der Lage, Sprachbefehle zu befolgen.

Stürzt ein alter Mensch zu Hause, dann könnte er "ALIAS" befehlen: "Ruf meine Tochter an". Der Roboter würde dann schnell eine Verbindung herstellen.

Auch soll die Maschine in Zukunft Hilferufe oder Wimmern eigenständig erkennen und Notrufe absetzen. In zwei bis drei Jahren rechnen die Medizintechniker damit, dass der Roboter zur Marktreife gelangt ist.

Sind alte Menschen womöglich überfordert?

Noch ausgefeilter ist der mobile Roboterassistent "Care-O-bot" mit Ablage, Bildschirm und Greifarm. Damit könnte er zum Beispiel Getränke oder Essen aus dem Kühlschrank holen, die sein hilfebedürftiger Nutzer zuvor ausgewählt hat.

Aber können alte Menschen, die ohne PC und Internet aufgewachsen sind, noch lernen, die fahrenden Computer mit ihren komplexen Funktionen zu bedienen?

Christoph Schaeffer vom Fraunhofer-Institut (IPA) setzt auf die etwas jüngeren Alten ab etwa 60 bis 65 Jahre. Die meisten seien inzwischen durchaus mit Computern vertraut.

Auch eine Verkümmerung der Sozialkontakte befürchtet Schaffer nicht. "Die Diskussion hatten wir schon, als das Telefon eingeführt wurde", sagt er. (dpa)

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