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Acht Uni-Zentren

Neue Anlaufstellen für psychisch kranke Profisportler

Seit dem Tod von Robert Enke sind Sportler mit Depressionen mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Behandelt werden aber viele noch zu spät. Das soll sich mit acht neuen Zentren jetzt ändern.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Torwart Markus Miller von Hannover 96 kehrte nach einer stationären Behandlung aufgrund einer psychischen Erkrankung in den Profifußball zurück.

Torwart Markus Miller von Hannover 96 kehrte nach einer stationären Behandlung aufgrund einer psychischen Erkrankung in den Profifußball zurück.

© dpa

AACHEN. Es wird noch etwas dauern, bis Teresa Enkes Hoffnung sich erfüllt.

"Es darf keinen Unterschied machen, ob jemand ein halbes Jahr wegen einer Depression fehlt oder wegen eines Kreuzbandrisses", sagt die Witwe des Fußballtorwarts Robert Enke, der an einer schweren Depression litt und sich am 10. November 2009 das Leben genommen hat.

Teresa Enke weiß, welche Anstrengungen Spitzensportler unternehmen, damit ihre psychische Erkrankung nicht bekannt wird und welche Probleme sie haben, adäquate Hilfe zu bekommen.

Gerade das tragische Schicksal Robert Enkes hat dazu beigetragen, dass sich an dieser Situation etwas ändert. "Der tragische Tod meines Mannes hat viele wachgerüttelt und die Vereine bewegt, etwas zu tun."

Ein Beleg ist das Beispiel von Markus Miller, wie Robert Enke Torwart bei Hannover 96. Miller kündigte im September 2011 an, dass er sich wegen mentaler Erschöpfung stationär behandeln lassen werde. Seit Ende November 2011 steht er wieder auf dem Platz.

Sportler werden oft nicht behandelt

Miller arbeitet ehrenamtlich für die Robert-Enke-Stiftung, die sich unter anderem die Aufklärung, Erforschung und Therapie der Depression zum Ziel gesetzt hat.

Nach wie vor lassen sich aber viele Leistungssportler, die an einer psychischen Erkrankung leiden, nicht oder zu spät behandeln.

Sie fürchten um ihre Karriere, wenn die Erkrankung publik wird, sagt Professor Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Aachen.

Seine Klinik hat gemeinsam mit dem 2010 gegründeten Referat "Sportpsychiatrie und -psychotherapie" der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Robert-Enke Stiftung ein Netzwerk an qualifizierten Psychiatern und Psychotherapeuten für diese spezielle Patientengruppe entwickelt.

Auch Beratungs- und Weiterbildungsangebote für Sportler, Trainer und Verantwortliche in den Vereinen haben sie auf den Weg gebracht.

Ab sofort stehen Hilfe suchenden Sportlern acht universitäre Zentren als Anlaufstelle zur Verfügung. "Dorthin können sich Spitzensportler jederzeit wenden, wenn sie beraten oder behandelt werden wollen", sagt Schneider.

Spezialsprechstunden für Sportler

Die acht DGPPN-Zentren "Seelische Gesundheit im Sport" befinden sich an den psychiatrischen Universitätskliniken in Aachen, Berlin, Freiburg, Hannover, Heidelberg, Jena, Mannheim und München.

Sie bieten den Sportlern Spezialsprechstunden an. Gleichzeitig wollen Ärzte und Psychologen weiter zum Thema forschen.

Die Zentren werden sich mit anderen Kliniken und den niedergelassenen Ärzten vernetzen, kündigt Schneider an. "Es ist wichtig, dass die Sportler wohnortnah behandelt werden können."

Solche Netzwerke seien dringend notwendig, sagt Jan Baßler. Der ehemalige Fußballprofi von Hannover 96 arbeitet als Jurist beim Niedersächsischen Fußballverband und ist Geschäftsführer der Robert-Enke-Stiftung.

"Wir brauchen niederschwellige Angebote, damit die Sportler ihren Sport weiterbetreiben können." Gleichzeitig müsse die Aufklärung fortgesetzt werden.

Sportler sollten nicht mehr zu Ausflüchten greifen müssen, wenn eine stationäre Therapie nötig ist. "Das Beispiel von Markus Miller hat gezeigt, dass sich schon etwas verändert hat", sagt Baßler.

Für das Bündel an Initiativen haben die Aachener Klinik, die DGPPN und die Stiftung jetzt die Auszeichnung "Ausgewählter Ort 2012" des Wettbewerbs "365 Orte im Land der Ideen" erhalten.

"Dieser Preis ist wichtig. Denn er führt dazu, dass psychische Erkrankungen salonfähiger werden", sagt DGPPN-Präsident Professor Peter Falkai.

Jeder könne psychisch krank werden, eben auch Spitzensportler. Der Öffentlichkeit aber auch vielen Ärzten müsse immer wieder vor Augen geführt werden, dass psychische Krankheiten heilbar sind, betont Falkai. "Da haben wir noch viel zu tun."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Keine Tabus mehr

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