Donnerstag, 23. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 23.01.2013

Leitartikel zum Doping

Keiner traut sich an die wahren Probleme

Was für ein Theater! Lance Armstrong gesteht, was längst alle wissen. Die Berichterstattung nach dem Motto "Guter Sportler - böser Sportler" erfährt ein neues Kapitel, dessen Inhalt kaum an der Oberfläche eines gesellschaftlichen Phänomens kratzt. Derweil sind an der Dopingspirale längst neue Windungen erkennbar.

Von Thomas Meißner

blutkonserve-A.jpg

Mit Blutkonserven wird bei Blutdoping die Hämoglobinkonzentration des Blutes erhöht.

© Shutterstock

Über künftig mögliche oder bereits praktizierte neue Formen des Blutdopings hat jüngst Professor Wolfgang Jelkmann berichtet. Der Lübecker Physiologe ist unter anderem als Gutachter etwa für die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unterwegs.

Nach seinen Angaben ist der Transfer des Erythropoetin (Epo)-Gens im Tierversuch bereits gelungen, etwa per subkutaner Injektion oder indem transgene, Epo-produzierende Zellen in den Körper gebracht werden.

Das An- und Ausschalten der Epo-Produktion könnte mit dem Tetrazyklin-Derivat Doxycyclin kontrolliert werden. Die besonders leicht zugänglichen Hautzellen (Keratinozyten) sind so genetisch manipuliert worden, dass sie Epo produzieren.

Aus Effektivitäts- und Sicherheitsproblemen, vor allem immunologischer Art, dürften solche Methoden nach Jelkmanns Meinung die Sportszene zwar noch nicht erreicht haben. Dennoch müsse man sie im Auge behalten.

Viel bedeutsamer sind kleinmolekulare Stoffe, welche auf Transkriptionsfaktoren einwirken, die das endogene Epo-Gen kontrollieren. Diese Chemikalien seien leicht herzustellen und zu beziehen, warnt Jelkmann.

Kobaltsalze zum Beispiel induzieren sehr effektiv die Epo-Gen-Expression. Früher wurde Kobaltchlorid anämischen Patienten in Tablettenform verabreicht. Heute ist das wegen der toxischen Wirkungen des Kobalts auf viele Organsysteme obsolet.

Dennoch besteht seit Jahren der Verdacht, dass Athleten in Kobaltsalz eine willkommene Alternative zu rekombinantem Epo sehen ...

Jetzt weiterlesen in der ÄrzteZeitung-App ...e.Med 30 Tage kostenlos testen ...

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Experten beklagen: Täglich Ebola-Alarm in Deutschland

Die Angst vor Ebola sorgt in Deutschland für Hysterie und viele Fehlalarme, beklagen Experten. Sie raten Ärzten, sich gründlich über Verdachtsfälle zu informieren. mehr »

Hygieneskandal: Mannheimer Uniklinik-Chef wirft hin

Haare, Knochensplitter und tote Fliege in der Nähe des OP-Bestecks: Weitere Einzelheiten zum Hygieneskandal an der Mannheimer Uniklinik sind bekannt geworden. Jetzt hat der Geschäftsführer die Konsequenzen gezogen. mehr »

Dringliche Überweisung: Sieben Tage eher zum Facharzt

Mit der Einführung von Terminservicestellen will Gesundheitsminister Gröhe Patienten einen schnelleren Facharzt-Termin ermöglichen. Die Wartezeit lässt sich aber auch mittels einer "dringlichen Überweisung" deutlich senken. Das zeigt das Modellprojekt im Saarland. mehr »