Ärzte Zeitung, 03.05.2013

Muckibude adé

Vom Fitnessstudio zum Gesundmacher

Der Besuch im Fitnessstudio ist gesellschaftsfähig geworden. Ein gesteigertes und vor allem nachhaltiges Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung beflügelt die deutsche Fitnessbranche, so eine aktuelle Studie.

Von Matthias Wallenfels

muckibude-A.jpg

NEU-ISENBURG. Fitnessstudios in Deutschland machen gerade einen Imagewandel durch - und zwar hin zum Positiven. Galten die mit Hanteln, Steppern und anderem leistungssteigerndem Gerät bestückten Trainingseinrichtungen vor knapp zehn Jahren noch als klassische Muckibude für Jugendliche und junge Erwachsene aus prekären Verhältnissen, so ist der Besuch im Fitnessstudio heute hoffähig und damit gesellschaftlich anerkannt - als gesundheitsförderndes Engagement in eigener Sache.

Den Wertewandel konstatiert die Unternehmensberatung Deloitte. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement untersucht Deloitte seit 2004 jährlich den deutschen Fitnessmarkt.

Wie im Vorwort zu der aktuellen Studie vermerkt ist, stieg die Zahl der Mitglieder in deutschen Fitnessstudios von 4,4 Millionen im Jahre 2004 auf gegenwärtig 7,9 Millionen. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Einrichtungen von 5700 auf 7566 gestiegen.

Ziel der jährlichen Erhebung sei es unter anderem, in Kooperation mit dem Deutschen Sportstättenverband (DSSV), dem Arbeitgeberverband der Fitness- und Gesundheits-Anlagen, zur Erhöhung der Transparenz und zur weiteren Professionalisierung der Branche beizutragen, wie die Studienautoren hervorheben.

Im Buhlen um Mitglieder sind die Kettenbetreiber eindeutig im Aufwind. Den Markt teilen sie sich zwar momentan noch nahezu paritätisch mit den Einzelbetreibern. Wie die Studienautoren aber prognostizieren, werden die Marktanteile der Kettenbetriebe weiter rasant zunehmen.

Qualität steht zunehmend im Fokus

"Diese Entwicklung lässt sich zum einen aus den ökonomischen Vorteilen eines Kettenbetriebs erklären, beispielsweise in Fragen der Organisation oder bei der Markenbildung. Zum anderen spielt aber auch der Zugang zu einer Selbstständigkeit im Fitnessbereich über Franchisekonzepte, wie sie mittlerweile von zahlreichen Unternehmen angeboten werden, eine Rolle für den steigenden Anteil", wird der Trend in der Untersuchung kommentiert.

Der Präventionsgedanke gilt laut Deloitte als einer der Treiber der deutschen Fitnessbranche. Der Gesundheitstrend der vergangenen Jahre - und damit das gesundheitsorientierte Training - sei weiterhin ungebrochen und werde auch künftig die Branche maßgeblich beeinflussen.

Ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung führe zu einer steigenden Nachfrage nach gesundheitsorientiertem Training.

"Die Marktteilnehmer reagieren auf diesen Bedarf und bieten vermehrt qualitativ hochwertige Angebote zur Vorbeugung, zum Erhalt und zur Wiederherstellung der körperlichen Fitness an", schreiben die Studienautoren.

Kern dieser Konzepte sei insbesondere präventives Muskeltraining, ein gezieltes Rückentraining oder die Stressreduktion als Ausgleich zum Arbeitsalltag.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Trend mit Potenzial

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »