Ärzte Zeitung online, 05.06.2013

Reportage aus Greiz

So kämpfen zwei Ärzte gegen das Hochwasser

Der Keller überflutet, kein Strom für die Arztpraxis: Hausarzt Carsten Thomas aus Greiz stapft durch das Hochwasser und versucht zu retten, was zu retten ist. Auch nebenan kämpft ein Apotheker gegen die Folgen der Flut.

Von Robert Büssow

So kämpfen zwei Ärzte gegen das Hochwasser

Die Sandsäcke vor dem Gebäude haben nicht viel geholfen: Hausarzt Carsten Thomas und sein Vater Frank Thomas haben beim Aufräumen viel Arbeit.

© Robert Büssow

GREIZ/GERA. Die Flut ist in Thüringen allmählich auf dem Rückzug - jetzt beginnt das große Aufräumen. In der kleinen Residenzstadt Greiz steht der Schlamm noch immer knöcheltief auf den Straßen.

In der Apotheke von Torsten Müller herrscht das pure Chaos. Die Weiße Elster überschwemmte in der Nacht zum Sonntag die halbe Innenstadt, samt Keller und die automatische Medikamentenanlage der Apotheke. "Alles hinüber", stöhnt Müller.

Den Schaden beziffert er auf mindestens eine Viertelmillion Euro. Ein Desaster. Ob die Versicherung bei Elementargewalten einspringt, ist alles andere als klar.

Gebäude mit Apotheke und Arztpraxen

Müller versuchte noch zu retten, was zu retten war und die Medikamente und Akten in die oberen Etagen zu tragen. In dem Gebäude haben mehrere Ärzte ihre Praxis.

Hausarzt Carsten Thomas hat sofort seine Räume geöffnet. Nun stapeln sich Berge von Schubladen, Akten und Medikamenten in seinem Wartezimmer.

In grüner Gummihose springt er zwischen den Schläuchen, die das Wasser aus dem Keller pumpen, herum und organisiert das Chaos.

"Ich hatte noch Glück, meine Praxis ist in der ersten Etage. Im Keller hatte ich nur mein Archiv. Die Hälfte konnte ich noch retten, der Rest ist aber futsch", erzählt er. Arbeiten könne er aber nicht. Ohne Strom, ohne Platz.

"Alle Praxen geschlossen"

Carsten Thomas nimmt es trotzdem erstaunlich gelassen. Höhere Gewalt. Zusammen mit seinem Vater Frank Thomas, von dem er die Praxis übernommen hat, hilft er bei den Aufräumarbeiten. "Die letzte Flut war 1954, aber damals war es noch schlimmer", erinnert sich Frank Thomas.

Wann der Praxisbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist noch unklar. Vermutlich werde es Wochen dauern, bis wieder ein einigermaßen geregelter Ablauf möglich ist.

"Alle Praxen geschlossen" steht auf einem improvisierten Papierzettel im Hauseingang. Trotzdem kommen immer wieder Patienten, erzählt Thomas.

"Ich muss sie leider wieder fortschicken, so kann ich ja nicht arbeiten", sagt Müller. Die Stimmung ist trotzdem relativ gelöst.

Rezepte auf Papier

In der Straße vor der Apotheke herrscht ein Gewusel als hätte Greiz einen stadtweiten Frühjahrsputz angeordnet. Die Mitarbeiter der Apotheke sind mit einem Arsenal Putzlappen bewaffnet, die Pumpen rattern auf der Straße und die Stadt hat Container für den Müll bereitgestellt.

"Wir haben noch vier Pumpen organisiert. Die Feuerwehr kam ja nur mit Schläuchen", erzählt Ulrike Heschel. Die Pneumologin hat ihre Praxis zwei Häuser weiter und schaut in der Apotheke vorbei.

"Ohne meine Geräte kann ich im Grunde nicht praktizieren. Ich kann die Patienten höchstens eine Kerze auspusten lassen", scherzt sie. "Auch die Rezepte müssen eben wie früher wieder komplett mit der Hand geschrieben werden."

Vor nächster Woche rechnet sie nicht damit, dass die Praxis wieder geöffnet werden kann.

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