Donnerstag, 30. Oktober 2014
Ärzte Zeitung online, 03.09.2013

Doping-Studie

Sitzung ohne Ergebnis

Der Sportausschuss hat in einer Sondersitzung über die Studie zur deutschen Dopingvergangenheit diskutiert. Greifbare Ergebnisse und Konsequenzen? Fehlanzeige. Erst soll eine Experten-Kommission über das weitere Vorgehen beraten. Die Opposition ist enttäuscht.

Von Matthias Bossaller

Ausschuss ringt sich zu keiner Bewertung durch

Sondersitzung im Sportausschuss - ohne Bewertung der Doping-Studie.

© Rainer Jensen / dpa

BERLIN. Konsequenzen aus der brisanten Studie zur Dopingvergangenheit in Deutschland lassen weiter auf sich warten.

Die Widerstände der Bundesregierung zu einem von vielen Sportverbänden und der rot-grünen Opposition geforderten Anti-Doping-Gesetz beginnen zwar zu schwinden - der Weg dorthin ist aber noch weit.

Immerhin hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ein Expertengespräch über ein Anti-Doping-Gesetz für den 26. September angekündigt und seine Bereitschaft für ein solches Gesetz erneuert.

"Ich bin für alle Argumente offen. Wenn Ermittler sagen, wir brauchen im Anti-Doping-Kampf neue Vorschriften, müssen wir das aufnehmen", sagte Friedrich am Montag bei der Sondersitzung des Sportausschusses im Deutschen Bundestag.

Dort stand auf der Tagesordnung der Abschlussbericht der Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute", die jüngst für viel Wirbel gesorgt hatte.

Friedrich, der in den kommenden Monaten auch das Gespräch mit den Justizministern der Länder zu einem möglichen Anti-Doping-Gesetz sucht, sieht indes ein Problem in der Vereinbarkeit der Parallelität von Sport- und Strafgerichtsbarkeit.

"Wir müssen aufpassen, dass das strafrechtliche Verfahren nicht die schnelle Reaktionsfähigkeit der Sportgerichtsbarkeit aushebelt", sagte Friedrich. Es gebe viele Argumente für und gegen ein Anti-Doping-Gesetz. "Diese Argumente müssen wir abwägen", meinte Friedrich.

SPD: Vieles bleibt im Ungefähren

Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD), eine Verfechterin des Anti-Doping-Gesetzes, warnte davor, "zu euphorisch zu sein: Nur weil sich Herr Friedrich plötzlich offen für ein solches Gesetz zeigt, heißt das noch lange nicht, dass der Inhalt ein guter sein wird."

Friedrich hatte bis vor Kurzem ein Anti-Doping-Gesetz abgelehnt. Freitag zeigte sich auch enttäuscht vom Ergebnis der Sondersitzung. "Von Herrn Friedrich hätte ich mir deutliche Aussagen zu Konsequenzen aus der Studie gewünscht. Vieles ist sehr im Ungefähren geblieben."

Andere Oppositionspolitiker warfen der Regierung vor, wertvolle Zeit zu verschwenden. "Wie viele Experten wollen Sie noch befragen, bevor sie endlich handeln?", fragte Viola von Cramon, die sportpolitische Sprecherin der Grünen, den Bundesinnenminister.

Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, "um konkrete Maßnahmen einzuleiten". In einem parlamentarischen Antrag, den Schwarz-Gelb ablehnte, fordern die Grünen etwa weitere Forschungsarbeiten von 1990 bis heute.

Die Partei Die Linke erwägt zu beantragen, den Sportausschuss in der kommenden Wahlperiode kurzzeitig als Parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzusetzen. Nur wer die Fehler der Vergangenheit kenne, kann sie künftig vermeiden, erklärte Linken-Politiker Jens Petermann.

Olympischer Sportbund will mehr Zeit für die Bewertung

In einem Untersuchungsausschuss wäre es möglich, Zeugen zu laden, die sich bisher beharrlich weigern, Stellung zu beziehen - beispielsweise den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes Thomas Bach, ergänzte seine Parteifreundin Kerstin Kunert.

Für eine konsequente Bewertung der Studie, die Dopingpraktiken nicht nur in der DDR, sondern auch im Westen beleuchtet, möchte sich die Bundesregierung und der Studien-Initiator Deutscher Olympischer Sportbund Zeit lassen.

"Hier zählt Sorgfalt vor Schnelligkeit", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Für die Aufarbeitung wurde eine unabhängige Experten-Kommission unter der Leitung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Steiner gebildet.

Diese siebenköpfige Kommission soll dem DOSB Empfehlungen für den Umgang mit der Doping-Vergangenheit und den daraus zu ziehenden Konsequenzen geben. "Wir wollen Konsequenzen ziehen, und wir werden Konsequenzen ziehen", bekräftigte Vesper, der einen ersten Zwischenbericht für den Dezember ankündigte.

Martin Gerster, dem sportpolitischen Sprecher der SPD, reichen Bewertungen und Konsequenzen der Studie erst nach der Bundestagswahl nicht aus. "Ich finde es unmöglich, wie mit diesem brisanten Thema umgegangen wird", schimpfte Gerster. (dpa)

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[04.09.2013, 22:11:12]
Dr. Horst Grünwoldt 
Sitzungs-Ergebnisse
Was qualifiziert eigentlich einen Politiker oder Juristen, der selbst nie Leistungs-Sportler gewesen ist, fede(r)führend in einer Experten-Kommission über Fragen, Antworten und Beschlüsse des Phantoms "Doping" zu sitzen oder sogar zu entscheiden?
Das Experten-Gremium in Sachen "Medikamenten- Ge- und Mißbrauch im Sport" sollte sich nach m.E. zu mindestens Dreiviertel aus den Doping-Opfern (verführte Leistungs-Sportler), und zu einem weiteren Drittel aus namhaften Sportmedizinern, Betreuern und Pharmakologen zusammensetzen. Dann bleibt noch ein hinreichender Sitzplatz-Rest für Sportpolitiker, Juristen und Journalisten, um sich einmal mit dem Phantom "Doping" außerhalb der Gerüchteküche substanziell vertraut zu machen. Das Ganze sollte am besten als öffentliches "hearing" stattfinden!
Das aufgeblasene Papier ("Studie") zu "Doping in Deutschland seit 1950" sagt inhaltlich nur aus, daß es im geteilten Deutschland der Nachkriegszeit (wie im Rest der Welt) stets und überall Versuche gegeben hat, Rekorde und Medaillien -wo fiktiv denkbar- mittels "schneller Pulle oder Spritze" zu chauvinistischen Zwecken zu erlangen. Dabei haben sich in Ost-, wie in Westdeutschland Sportärzte und Betreuer schuldig gemacht, an gesunden Athleten mit Stoffen aller Art zu experimentieren.
Dabei sind immer die Sportler Verführte von Medizinern, Quacksalbern und Geschäftemachern als Täter/ Doper gewesen. Gegen sie -als Opfer des Spuks/ Gedopte- ein Anti-Doping-Gesetz strafbewehrt formulieren zu wollen, dürfte den Bock zum Gärtner machen.
Nein, es geht ausschließlich um Fragen des Medizin- und Apotheken- Rechts, gesundheitlich riskanten Medikamenten-Mißbrauch zur vermeintlichen -aber nicht wirklichen- Leistungssteigerung und die Verfolgung der Täter, die am Phantom "Doping" verdienen.
Das sind bekanntlich nicht die irregeführten, jugendlichen Athleten.
Das Arzneimittel-Gesetz (AMG) ist beim konsequenten Vollzug hinreichend strafbewehrt, um die gutgläubigen Sportler vor geldgierigen Dopern zu schützen. Gesundheitliche und sportmedizinische Aufklärung über den Unsinn von "Doping" bedarf es unabhängig davon; auch wenn dabei mancher Doktor-Nimbus auf der Strecke bleibt.
Im übrigen sollte die geltende Sportgerichtsbarkeit als Instrument von Funktionären und dem Kraken WADA dahingehend überprüft werden, wie Berufssportler durch einzelne Bestimmungen in ihren bürgerlichen Rechten unzulässig beschnitten und unverhältnismäßig um ihre Berufschancen gebracht werden.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene), Rostock
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