Ärzte Zeitung, 02.10.2013

Israel

Ärzte-Rap gegen Klinik-Keime

Breakdance im Operationssaal: Ärzte einer Klinik in Jerusalem trommeln musikalisch gegen Klinikkeime und landen bei Youtube einen Volltreffer.

TEL AVIV. Im Kampf gegen gefährliche Krankenhaus-Keime ist eine Klinik in Jerusalem kreativ geworden: Mit einem Rap fordert das tanzende Personal zur Einhaltung einfacher Hygieneregeln auf. Eine grün gekleidete Mitarbeiterin des Shaare Zedek Medical Center spielt in dem Video den durch den Haupteingang eindringenden Erreger.

"Man kann es mit Desinfektionsmittel angreifen", singt einer der Ärzte, der den Erreger bekämpft. "20 Sekunden Hände waschen und ein trauriger Patient weniger", heißt es in dem hebräischen Text.

"Wir vertreiben die Keime aus den Abteilungen", singt das Krankenhauspersonal, während es die Arme über dem Kopf schwingt.

Zum Abschluss vollführt ein Mann mit Arztkittel einen professionellen Breakdance im Operationssaal, während ein Patient auf dem Behandlungstisch liegt.

Binnen gut einer Woche wurde der Clip auf YouTube tausende Male angeklickt. Der Text ist zwar auf Hebräisch, die Botschaft wird aber auch ohne Sprachkenntnisse vermittelt. In dem renommierten 550-Betten-Hospital in Jerusalem werden jedes Jahr 250.000 Patienten behandelt und jeden Monat 1000 Babys neu geboren.

Vor fünf Jahren hatten Forscher des Krankenhauses weiße Kittel von Ärzten und Krankenschwestern der Klinik untersucht und bei 60 Prozent dieser Uniformen potenziell gefährliche Keime identifiziert.

Bei 27 Kulturen fanden sich auch multiresistente Bakterien, in acht davon die gefürchteten MRSA-Keime. Die Kernbotschaft der Forscher des Shaare Zedek Medical Center damals: Ob eine Ansteckung über den Weg der Schutzkleidung erfolgt, hängt in hohem Maß von den hygienischen Bedingungen eines Spitals ab. (dpa/eb)

Der Songtext im Wortlaut

Anfang des Videos: Eine als Bakterie verkleidete und auch auf ihrem Namensschild als solche ausgewiesene Frau läuft durch einen Sicherheitsscanner.

1.) Professor Yechiel Schlesinger, Abteilung für Infektionskrankheiten, Kinderabteilung

Das ist die Bakterie, winzig, winzig klein, so aal-aalglatt
Sie versteckt sich in der Luft, sieht daher aus wie Staub
Sie ist nicht normal, ist radikal und hat ein kriminelles Hirn.
Bekämpfen lässt sie sich mit anti-bakteriellem Stoff.

2.) Dr. Jonathan Stanley, Abteilung für Gynäkologie

Ich wusste nicht, dass diese Sache wirklich so wichtig ist.
Einmal waschen – 20 Sekunden – und ein trauriger Patient weniger.
Wenn ich es auf die leichte Schulter nahm, so ergebe ich mich jetzt.
Und wasche meine Hände und versenke die Bakterien damit im Wasser.

3.) Puah Kopit: Schwester in der Epidemiologie

Ich bin der Bakterienkiller Nr. 1 in der Abteilung.
Bei meinem Anblick verwandeln sich Bakterien in Pilze.
Ich bin die Böse hier – tödlich wie ein Melanom
Ich töte Bakterien – von Tel Aviv bis Oklahoma
Invasiv wie `ne Lumbalpunktion, so schnell wie ein EKG;
Legt sich eine Bakterie mit mir an, schieße ich gleich los.
Keiner geht von hier ohne desinfizierte Hände;
wenn Du schon dachtest, Du bist davon gekommen, dann wirst Du’s jetzt erleben.

Refrain:

Packen wir’s an und beginnen die Mission;
Lasst uns die Bakterien aus der Abteilung verjagen.
Haltet die Hände unters Wasser,
und gebt noch Seife dazu und außerdem noch ... [... Symbol des Desinfektionsmittels]

4.) Liora Bar - Abteilung Infektionskrankheiten

Wie ein Wachhund lauf ich hier in der Nacht herum,
Denn es gibt Bakterien, die unerkannt Infektionen verbreiten,
und jeder ist ein Ziel, doch ich passe auf.
und wenn Du Dich mit Liora anlegst - dann solltest Du Dich besser fürchten.

5.) Sigal Aschkenasi, Intensivstation: verkleidet als Bakterie auf der Bühne

Jetzt Still: Die Bakterie ist auf der Bühne;
so böse, dass der Patient eine Beatmungsgerät braucht,
Explodiert wie Lionel Messi und schwirrt wie eine Drohne.
Ich spring hier alle an und fürchte auch nicht die Security.
Man überträgt mich von Hand zu Hand,
von Hand zu Hand, ich bin hier nicht allein,
ich hab tausende von Freunde, ein richtiger Aufmarsch,
Wenn wir hier Survival spielen, dann hab ich viele Rückzugsgebiete.
Nicht einmal Antibiotika bringen mich nicht zum Sterben.

6.) Professor Yechiel Schlesinger auf der Bühne

Bis hier bist Du gekommen, aber jetzt ist es vorbei.
Schluss mit dem Nichtstun, bevor es zu spät ist.
Also hört, Freude, es liegt in unseren Händen.
Also lasst sie uns jetzt reinigen, und dann haben wir die Geschichte hinter uns.

Refrain: (siehe oben)

Abschlusseinblendung:

Denken sie daran!
Handhygiene ist eine notwendige Bedingung zur Verhinderung von Infektionen. Unser aller Gesundheit liegt in unseren Händen!

Aus dem Hebräischen für die "Ärzte Zeitung" von Lutz Fiedler

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