Ärzte Zeitung App, 02.01.2014

Seltene Krankheiten

Deutscher Dr. House jetzt Zentrumsleiter

Bekannt wurde er mit seinen populären Vorlesungen nach dem Vorbild der US-TV-Serie "Dr. House": Inzwischen ist Professor Jürgen Schäfer Leiter des "Zentrums für unerkannte Krankheiten" am Universitätsklinikum Marburg geworden.

Von Gesa Coordes

Deutscher Dr. House leitet "Zentrum für unerkannte Krankheiten"

Professor Jürgen Schäfer ist als deutscher "Dr. House" bekannt.

© Coordes

MARBURG. Hinter den Patienten liegt oft eine Odyssee: Jahrelang sind sie von Spezialist zu Spezialist gezogen und wissen immer noch nicht, was sie krank macht. Ab sofort können sich Patienten und ihre Ärzte an das "Zentrum für unerkannte Krankheiten" am Marburger Universitätsklinikum wenden.

Medizinprofessor Jürgen Schäfer hat die bundesweit einmalige Einrichtung initiiert. Der Kardiologe hat sich auf das Lösen von medizinischen Rätseln spezialisiert: "Medizin ist manchmal wie ein Krimi", sagt er.

Bundesweit bekannt geworden ist er mit seinen beliebten Vorlesungen nach dem Vorbild der US-Fernsehserie "Dr. House". Bei der Titelfigur handelt es sich um einen schwierigen, aber begnadeten Arzt, der immer wieder verzwickte Krankheiten diagnostiziert.

Schlüsselszenen aus der Serie zeigt Schäfer in seinen Uni-Seminaren. Wird der Patient ohnmächtig oder spuckt er Blut, drückt Schäfer auf die Stopp-Taste und überlegt gemeinsam mit den Studierenden, was der Kranke haben könnte.

Als "Arzt des Jahres" ausgezeichnet

Weil er als "deutscher Dr. House" ein breites Echo in den Medien fand, wandten sich immer wieder verzweifelte Patienten an den Mediziner, denen anderswo nicht geholfen werden konnte.

Nachdem er 2013 als "Arzt des Jahres" ausgezeichnet wurde, häuften sich die Anfragen von Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet derart, dass eine umfassende Bearbeitung nicht mehr möglich war.

Für sie gibt es nun das neue Zentrum, in dem in Zukunft bis zu 80 Fälle pro Monat untersucht werden sollen. Dazu arbeitet Schäfer mit einem interdisziplinären Team zusammen, zu denen Spezialisten aus Pneumologie, Gastroenteorologie, Neurologie, Nephrologie, innerer Medizin, Psychosomatik und Radiologie zählen.

"Das Wichtigste für unsere Arbeit ist, dass wir uns Zeit nehmen, um den Menschen zuzuhören", sagt er: "Menschen mit seltenen oder unerkannten Krankheiten passen in keine einzelne Schublade. Ihr Krankheitsbild ist oft vielschichtig."

Untersuchungen von Vergiftungen und Autoimmunstörungen

Für die Betreuung durch das neue Zentrum gibt es zwei Wege: Zum einen können Patienten von anderen Kliniken oder Ärzten überwiesen werden. Zum anderen wird versucht, schwierige Fälle durch das Studieren der medizinischen Unterlagen zu lösen. Dabei wird zunächst geprüft, ob bei der ersten Diagnose irgendetwas übersehen wurde.

Dann wird systematisch nach Symptomen gesucht und intensiv vor allem auf Hormone, Vergiftungen und Autoimmunstörungen untersucht, wobei eine Datenbank hilft.

So konnte Schäfer den Fall einer angeblichen Herzpatientin aufklären, die tatsächlich an einer Papageien-Allergie litt. Er entdeckte mehrere Kobaltvergiftungen, die nach einer Hüftoperation auftraten. Der Uni-Mediziner schätzt, dass etwa vier Millionen Menschen an einer seltenen, schwer zu diagnostizierenden Krankheit leiden.

Ärzte und Patienten können sich unter der Telefon-Nr. 06421-5864357 an das Zentrum für unerkannte Krankheiten in Marburg wenden.

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