Ärzte Zeitung, 23.01.2014

Marburg

Spazieren auf Emil von Behrings Spuren

Vom Bahnhof, über das Hygiene-Institut hin zur ersten Serumabfüllstation: Die Stadt Marburg erinnert mit einem Erlebnisspaziergang an den Medizin-Nobelpreisträger und Impfstoff-Erfinder Emil von Behring.

Von Gesa Coordes

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Behrings Arbeitszimmer ist bis heute im Hauptgebäude der ehemaligen Behringwerke in Marburg zu besichtigen.

© Coordes

MARBURG. Wer auf der Marburger Behring-Route wandert, sollte gut zu Fuß sein. Mehr als drei Stunden dauert es, alle zwölf Stationen des Weges abzulaufen, die an den ersten Medizin-Nobelpreisträger erinnern.

Jetzt wurde die mit Hinweistafeln ausgestattete Route eröffnet, zu der eine Begleitbroschüre erschienen ist. Die Tour, die sich als naturwissenschaftlich ausgerichteter Stadterlebnisspaziergang versteht, startet am Marburger Hauptbahnhof, wo Emil von Behring (1854-1917) 1895 mit dem Zug aus Berlin ankam, und endet am einstigen Schlossberg-Laboratorium des Forschers.

"Im Gegensatz zu anderen Marburger Persönlichkeiten ist Emil von Behring im Erleben und im Bild Marburgs weniger präsent", erläutert Projektleiterin Karin Stichnothe-Botschafter vom städtischen Kulturamt: "Diesem Mangel wird mit der Behring-Route begegnet."

Schließlich fand der Wissenschaftler, der den Impfstoff gegen die Diphtherie entwickelte, in Marburg seine zentrale Wirkungsstätte. Seine Bedeutung für die Stadt ist groß: Bis heute gehen mehr als 5000 Arbeitsplätze auf seine Forschung zurück.

Als Emil von Behring 1895 nach Marburg kam, warnten die Kollegen allerdings vor dem eigensinnigen Forscher, der nur gegen den Widerstand der Marburger Fakultät berufen werden konnte. Er galt nämlich als miserabler Pädagoge und schwieriger Kollege.

Die Lehre übernahmen allerdings häufig seine Assistenten. Und Behring selbst, der sich an seinem neuen Wirkungsort unweit der Hoechster Farbwerke erst richtig entfaltete, erhielt bereits 1902 den ersten Medizin-Nobelpreis und wurde in den erblichen Adelsstand erhoben.

Die Route führt an der Behring-Ausstellung mit dem Titel "Blut ist ein ganz besonderer Saft" vorbei, die neben der zentralen Behring-Forschungsstelle in Deutschland in der Bahnhofstraße 7 zu finden ist.

Einige Schritte weiter gegenüber von der Marburger Elisabethkirche hat Behring einst am Hygiene-Institut gelehrt und geforscht. In einer Nische erinnert eine Büste an den Forscher, der sich als Marburger Stadtrat auch um die Trinkwasserversorgung der Stadt kümmerte.

Von dort aus verläuft die Tour an seinem einstigen Geschäftshaus an der Ketzerbach 11 vorbei zu Behrings beeindruckender Privatvilla und seinem einstigen Forschungslabor.

Weitere Stationen sind das Mausoleum Elsenhöhe, in dem Emil von Behring 1917 beigesetzt wurde, seine erste Serumabfüllstation, Firmengebäude und das private Schlossberglaboratorium.

Wichtig ist natürlich auch das Gelände der ehemaligen Marburger Behringwerke, die der Wissenschaftler mit Hilfe des Nobelpreisgeldes aufbaute. Hier richtete Emil von Behring Stallungen für seine Versuchstiere ein, die bis in die 1940er Jahre hinein "Produzenten" der Antikörperpräparate waren.

In den 1990er Jahren wurden die Behringwerke in mehrere Pharmaunternehmen aufgegliedert, bei denen heute mehr als 5000 Menschen arbeiten. Im Hauptgebäude findet sich auch sein früheres Arbeitszimmer. Die Route endet am Schloss mit seiner beeindruckenden Aussicht über Marburg.

Die Behring-Ausstellung in der Bahnhofstr. 7 ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet (Eintritt frei). Das Marburger Tourismusbüro (Tel. 06421-99120) bietet regelmäßig Führungen zum Thema. Dort und im Rathaus ist auch die Begleitbroschüre erhältlich. Informationen zur Emil-von-Behring-Route auch im Internet unter www.marburg.de/behring-route.

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