Ärzte Zeitung online, 30.01.2014

USA

Hoffnung für "Obamacare"

Im vergangenen Jahr gab es herbe Pannen bei der US-Gesundheitsreform. Doch nach dem Fehlstart laufen die Versicherungsbörsen jetzt doch ganz gut an.

Von Claudia Pieper

Hoffnung für "Obamacare"

Nach ersten Pannen findet Obamacare offenbar doch immer mehr Anhänger.

© Yoon S. Byun / dpa

WASHINGTON. 2014 ist ein kritisches Jahr für "Obamacare". Seit dem ersten Januar gilt die allgemeine und höchst umstrittene Versicherungspflicht. Bis Ende März haben Spätentschlossene Zeit, sich für eine Police zu entscheiden, ohne mit einer Strafsteuer rechnen zu müssen.

Leider hat der traurige Fehlstart der digitalen Versicherungsbörsen dazu geführt, dass im Oktober und November weit weniger Landsleute online eine Police erstehen konnten als erhofft. Das ursprüngliche Ziel der Regierung, von Oktober bis März rund sieben Millionen Menschen über den neuen Markt zu versichern, wurde damit unerreichbar.

Obamas Regierungsteam hat aber jetzt Zahlen veröffentlicht, die durchaus Hoffnung geben, dass die Reform doch noch in die Gänge kommt: Trotz des anfänglichen Desasters haben bis Ende Dezember immerhin 2,2 Millionen Amerikaner eine Versicherung über die Internetbörsen erstanden. "Wir freuen uns über die starke Nachfrage", sagte eine erleichterte Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius.

Mit Interesse war erwartet worden, wie die Verteilung der Altersgruppen unter den Frisch-Versicherten aussieht. Auch hier hatte die Regierung zum ersten Mal Daten parat: Nicht überraschenderweise war die Mehrheit der Versicherungskundschaft älter.

54 Prozent fielen in die Altersgruppe zwischen 45 und 64 Jahren (ab 65 tritt die Seniorenversicherung Medicare ein), die 55- bis 64-Jährigen bildeten mit 33 Prozent die größte Untergruppe.

Ältere und Kranke schreiben sich schnell ein

Knapp ein Viertel, nämlich 24 Prozent der Neukunden, gehörten dem jüngsten Segment zwischen 18 und 34 Jahren an. Die Teilnahme der Jungen ist unerlässlich, um das Risiko auf dem neuen Versicherungsmarkt zu verteilen und die Beiträge niedrig zu halten.

Die Geister scheiden sich jedoch darüber, wie viele jüngere Versicherte notwendig sind, um das System funktionsfähig zu machen. Von konservativen Medien ist ein Mindestanteil von 40 Prozent in die Runde geworfen worden. Die Kaiser Family Foundation hat dagegen geschätzt, dass schon ein Anteil von 25 Prozent an Jungen ein relativ stabiles Beitragsniveau garantieren würde.

Je nachdem von welcher Zahl man ausgeht, kann man die von der Regierung veröffentlichte Statistik also als Schreckens- oder Hoffnungsbotschaft interpretieren.

Der Oppositionsführer im Unterhaus, John A. Boehner, entschied sich natürlich für die Schreckensbotschaft und ließ durch einen Sprecher verlauten: "Da gibt es nichts schönzureden: Die Teilnahme der Jungen ist bislang eine Pleite."

Es gibt aber durchaus Gründe, die Tatsache, dass sich bis Ende Dezember immerhin ein Viertel von Versicherten unter 35 Jahren eingeschrieben hatten, als Hoffnungszeichen zu sehen. Experten sind sich einig, dass Ältere und Kranke hoch motiviert sind, sich schnell für eine Versicherung zu entscheiden.

Jüngere und Gesunde lassen sich dagegen in der Regel mehr Zeit. Das wurde bereits im Dezember sichtbar: Da stieg die Zahl der jungen Versicherungsklienten um das Achtfache, verglichen mit den Oktober- und Novemberdaten. Es darf erwartet werden, dass sich ein ähnlicher Anstieg ergibt, wenn im März die letzte Deadline droht.

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