Ärzte Zeitung online, 25.04.2014

Notfall vor Düsseldorfer Krankenhaus

Klinik ruft Feuerwehr statt eigene Ärzte

Aufregung um ein Düsseldorfer Krankenhaus: Nachdem ein Mann unweit der Klinik zusammengebrochen ist, ruft ein alarmierter Mitarbeiter nicht die eigenen Ärzte, sondern die Feuerwehr. Der Mann stirbt.

Klinik ruft Feuerwehr statt eigene Ärzte

Augusta-Krankenhaus in Düsseldorf: Ein dort zusammengebrochener Rentner musste vom Rettungsdienst betreut werden.

© Matthias Balk / dpa

DÜSSELDORF. Kurz vor einem Düsseldorfer Krankenhaus ist ein 65 Jahre alter Mann in der Nacht zu Dienstag zusammengebrochen. Ein von einem Zeugen alarmierter Mitarbeiter der Klinik rief nicht die eigenen Ärzte zur Hilfe, sondern verständigte die Feuerwehr. Die brachte den Patienten dann in dasselbe Krankenhaus, wo er Stunden später starb. Die Klinik bedauerte den Fall, über den am Donnerstag der "Express" berichtete.

"Es wäre besser gewesen, einen diensthabenden Arzt zu informieren", hieß es in einer Erklärung der Leitung des katholischen Augusta-Krankenhauses. Gleichzeitig bescheinigte sie dem Mitarbeiter aber, er habe "korrekt und umsichtig gehandelt". "Nur die Einsatzwagen verfügen über das mobile Equipment für derartige Notfälle."

Ein Sprecher des Krankenhausträgers erläuterte, ein Arzt aus der Klinik hätte - sofern es sein Dienst erlaubt - nach dem Mann sehen können. Dies hätte der Arzt selbst entscheiden können. Der Mitarbeiter hätte das nicht von sich aus ausschließen dürfen. Das sei sein Versäumnis. Es sei intern jetzt nochmals deutlich gemacht worden, wer zu welchem Zeitpunkt in solche Abläufe eingebunden sein muss.

Rettungswagen innerhalb von sieben Minuten vor Ort

Allerdings sei der Rettungswagen der Feuerwehr innerhalb von sieben Minuten am Ort gewesen und habe den Patienten dann in das Krankenhaus gebracht.

"Bis in die frühen Morgenstunden unternahmen die Ärzte alle medizinisch notwendigen Maßnahmen, um das Leben des Patienten zu erhalten", betonte die Klinik in ihrer Stellungnahme. "Sein gesundheitlicher Zustand machte es jedoch - unabhängig vom gesamten Hergang - unmöglich, sein Leben zu retten."

Wie der "Express" berichtete, litt der Verstorbene an einem Lungenödem. Offenbar habe er bei dem Sturz vor der Klinik eine Gehirnblutung erlitten.

Nach Angaben der "Bild Zeitung" hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen und eine Obduktion der Leiche angeordnet. (dpa/ths)

Lesen Sie dazu auch:
Wann Klinikärzte auf dem Bürgersteig Hilfe leisten müssen

[27.04.2014, 21:40:55]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bloß keine Missverständnisse: Algorithmus
und nicht irgendwas zwischen Algen, "Tithonos" und Titoismus. MfG zum Beitrag »
[27.04.2014, 21:27:52]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Klarer Algotithmus
Es gibt einen glasklaren Algorithmus und mein völliges Unverständnis für den multimedial unnötig demagogisch aufgebauschten Düsseldorfer Fall:

1. Notfall-Patienten a u f dem Klinikgelände und i n n e r h a l b der Klinikgebäude werden von Klinik-Ersthelfern geborgen, transportfähig gemacht und klinisch in den Funktionsräumen bzw. an Ort und Stelle versorgt.

2. A l l e s andere, was z. B. an öffentlichen Straßen und Plätzen auch direkt an der Klinik angrenzend passiert, kann und darf nur durch die dafür vorgesehenen p r ä k l i n i s c h e n Rettungskräfte und Notärzte versorgt werden bzw. geschieht bei leichteren Fällen durch ambulant tätige Vertragsärzte bzw. Notfallambulanzen.

Weitere Begründung auf: http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/arzthaftung/article/859625/wann-klinikaerzte-buergersteig-hilfe-leisten-muessen.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[26.04.2014, 16:52:28]
Chris Bunzek 
Richtig so
Die meisten Klinikärzte sind für Notfälle außerhalb ihrer Intensivstation, Notaufnahme oder OP-Einleitung nicht ausgebildet und auch nicht qualifiziert - auch wenn diese das meist anders sehen. Jeder Rettungsassistent ist hier die fachlich bessere Wahl. Zudem fehlt dem Krankenhaus(arzt) die Ausrüstung, um Menschen vom Bürgersteig in ihre eigenen Mauern zu transportieren.

Selbst wenn der Krankenhausarzt zeitnah (2 - 3 min.) erreicht worden wäre, was wenn er gerade einen hausinternen Notfall versorgt hätte? Der Rettungsdienst verfügt in diesem Fall über mehr Ressourcen. Rettungstechnisch verlief dieser Fall, wenn auch leider mit fatalen Ausgang, richtig. zum Beitrag »
[25.04.2014, 15:04:09]
Uwe Hofmann 
nur der Faktor Zeit?
Wieviel Zeit wäre verstrichen, bis der "Mitarbeiter" einen "diensthabenden Arzt" (möglicherweise über die Pforte und/oder Funkmelder) erreicht, die ganze Situation erklärt und die Örtlichkeit beschrieben hätte

Was hätte dieser Arzt dann an Equipment und Transportmöglichkeit mitgebracht?
Wieviele Personen wären dann vor Ort - der Arzt und der Mitarbeiter = 2?

Es ist doch wesentlich sinnvoller (so wie es die Rettungskette vorsieht und auch in jedem einschlägigen Erste-Hilfe-Kurs, ja sogar im Kurs Lebensrettende Sofortmaßnahmen gelehrt wird), den Rettungsdienst zu alarmieren (2 Personen), wo dann auch ein Notarzt (nochmals 2 Personen) mitanfährt.
Gerade in Notfallsituation mit Reanimationspotential ist JEDE zusätzliche Hand sehr effektiv - besonders wenn es sich um geschultes Fachpersonal handelt.

M.E. hat der Mitarbeiter vollkommen korrekt gehandelt und hätte mit einem klinikinternen Arztalarmieren nur wertvolle Zeit verloren.

Uwe Hofmann
dipl. Pflegefachmann HF
dipl. Rettungssanitöter HF zum Beitrag »

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