Ärzte Zeitung, 30.04.2014

Lärm

Ein unterschätztes Problem im Großraumbüro

Klappernde Tastaturen, plappernde Kollegen: Für viele Mediziner und Wissenschaftler ist Bürolärm alles andere als eine Lappalie.

BERLIN. Seit Großraumbüros in Unternehmen immer beliebter werden, wächst das Problem des zunehmenden Lärms. "Ich halte die Höhe des Schadens und den Grad der Belästigung für unterschätzt", sagt der Mediziner und Psychologe Markus Meis, der für das Hörzentrum der Universität Oldenburg forscht.

Die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern könne durch Bürolärm um fünf bis zehn Prozent sinken. Größter Störenfried seien Gespräche von Kollegen. Am 30. April macht der "Tag gegen Lärm" das Problem bewusst.

Meiss hat gemessen, wie die Leistungen des Arbeitsgedächtnisses am Schreibtisch nachlassen, wenn sich zwei Kollegen in unmittelbarer Nähe unterhalten: "Das sind bis zu zehn Prozent." Niemand könne sich wirksam gegen diese Störung schützen. "Unser Gehirn richtet sich ganz automatisch auf Sprachverarbeitung aus."

An Telefongeklingel könnten sich Menschen gewöhnen und das Geräusch sogar ausblenden. Bei Sprache funktioniere das nicht. Sie habe immer Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit - und damit auch die Leistungskraft.

Je enger die Schreibtische aneinander stehen, desto stärker der Lärm

Ausreichend Platz im Büro ist für das Lärmempfinden sehr entscheidend. "Eine Verdoppelung des Abstands bedeutet eine Halbierung des Schalls", stellt Arbeitsmediziner Dr. Wolfgang Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte fest.

Je enger Schreibtische in Großraumbüros gestellt würden, desto größer werde zwangsläufig auch die Lärmbelästigung. Der rechtliche Anspruch eines Büroangestellten auf Platz hat sich mit dem Trend weg vom Einzelbüro verringert - von früher zwölf auf heute rund acht Quadratmeter.

Dass der Büro-Schallpegel nicht über 55 Dezibel steigen soll, sei aus der Verordnung für Arbeitsstätten gestrichen worden, so Physiker Georg Brockt, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Feste Grenzwerte machten die Sache nicht einfacher - weil Lärm individuell verschieden empfunden werde. (dpa)

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