Ärzte Zeitung, 19.02.2015

Psychische Folgen

Wenn Papa im Knast sitzt

In Deutschland gibt es etwa 100.000 Kinder, deren Vater oder Mutter im Gefängnis sitzen. Sie stehen oft vor unlösbaren Problemen.

Von Raimund Schmid

Wenn Papa im Knast sitzt

Eine große psychische Belastung für Kinder kann es sein, wenn Vater oder Mutter im Gefängnis landen.

© rangizzz / fotolia.com

BONN/KÖLN. Wie kann Kindern geholfen werden, deren Eltern im Knast sitzen?

Ein Team mit Studenten und Professoren der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn hat jetzt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Köln Maßnahmen vorgestellt, die die positive Bindung von Kindern und ihren inhaftierten Eltern unterstützen sollen.

In dem interdisziplinären Projekt, das aus einer Anfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe (BAG-S) heraus entwickelt wurde, arbeiten Studenten der Bachelorstudiengänge Kindheitspädagogik und Kunst-Pädagogik-Therapie zusammen.

"Die Idee, dass Kinder von Inhaftierten besonderen Unterstützungsbedarf haben, ist nicht ausreichend verbreitet", sagt Janne Fengler, Professorin für Kindheitspädagogik und Pädagogische Psychologie an der Alanus Hochschule.

Projekt "Bindungsräume"

Gemeinsam mit den Professorinnen Beatrice Cron und Diemut Schilling leitet sie das Projekt "Bindungsräume".

Darin werden verschiedene Maßnahmen realisiert, die die Besuchssituation in der Haftanstalt erleichtern und die Qualität der Beziehung zwischen Kindern und ihren inhaftierten Eltern positiv beeinflussen sollen.

Einige Ideen wurden bereits umgesetzt: So können zum Beispiel großformatige Malereien zur Verbesserung der Atmosphäre in Besuchsräumen beitragen.

Neben Naturmotiven sind in Köln farblich ergänzende Abbildungen zu sehen, die die Inhaftierten in ihren Zellen fotografiert haben.

Die Studentin Luisa Tegtmeyer installierte ein Leitsystem, bei dem Bärenspuren und großformatige Bilder die Kinder in die Besucherräume führen. Ergänzend dazu hat sie einen Stoffbären entworfen und ein Kinderbuch verfasst.

Es erzählt die Geschichte eines Bärenkindes, das seinen Vater im Gefängnis besucht. Der Stoffbär wird mittlerweile in der Näherei der JVA produziert und kann von Inhaftierten für ihre Kinder gekauft werden.

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