Ärzte Zeitung online, 24.03.2015

Für tot erklärt

92-Jährige erwacht beim Bestatter

Eine 92 Jahre alte Frau wird in einem Pflegeheim in Gelsenkirchen für tot erklärt und von einem Bestatter abgeholt. Was dann passiert, klingt eher wie aus einem Film: Die vermeintlich Tote wacht wieder auf. Jetzt wird gegen den Arzt, der den Totenschein ausstellte, ermittelt.

Von Jana Kötter

GELSENKIRCHEN. Nachdem eine tot geglaubte Rentnerin im Bestattungsunternehmen wieder aufgewacht ist, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Essen gegen den Arzt, der den Totenschein ausgestellt hatte.

"Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen", sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Dabei werde auch der Tatbestand des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse geprüft.

Nach §278 StGB kann dieser mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden.

Am Samstagabend hatte der Arzt den Tod der schwerkranken Rentnerin in einem Altenheim in Gelsenkirchen bescheinigt. Eine Pflegerin hatte die 92-Jährige zuvor offenbar ohne Atmung in ihrem Bett gefunden.

Mitarbeiter unter Schock

Nach dem Abholen der vermeintlichen Leiche hörten die Angestellten im Bestattungsunternehmen rund vier Stunden nach dem Ausstellen des Totenscheins jedoch plötzlich ein Stöhnen und entdeckten, dass die Frau ihre Augen geöffnet hatte.

"Der Schock bei meinen Mitarbeitern sitzt tief", sagte Bestatter Stefan Menge.

Die Totgeglaubte wurde daraufhin in ein Krankenhaus gebracht, wo sie zwei Tage nach dem Vorfall am Montagnachmittag verstorben ist. Der Vorfall habe keine weiteren Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand gehabt, teilte ein Polizeisprecher mit.

Dennoch ermittelt jetzt auch die Kriminalpolizei, ob es ein Versäumnis beim Feststellen des Todes gegeben habe. Zur genauen Todesursache der 92-Jährigen kann laut Polizei Gelsenkirchen derzeit noch keine Angabe gemacht werden.

Leiche soll obduziert werden

Ihre Leiche sollte laut Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag obduziert werden.

"Je nach Obduktionsergebnis muss auch geprüft werden, ob die falsche Diagnosestellung in Verbindung mit der falschen Behandlung der Totgeglaubten den Tod schneller herbeigeführt hat", so Oberstaatsanwältin Milk.

Wann das Obduktionsergebnis vorliegt, könne sie noch nicht sagen. Die Ermittlungen dauern an.

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