Ärzte Zeitung online, 17.04.2015

Ferieninsel Bali

Impfkampagne gegen Tollwut gestartet

Auf der Ferieninsel Bali stolpern Touristen fast an jeder Ecke über streunende Hunde. Die Behörden machen Jagd auf die Vierbeiner, denn sie können Tollwut übertragen. Nun startet zudem eine Impfkampagne.

KUTA. Hunde sind auf der indonesischen Touristeninsel Bali überall. Sie streunen durch die Straßen, sind an Stränden und auf Marktplätzen zu finden.

Seit 2008 breitet sich Tollwut aus. Einwohner und Touristen haben die Tiere lange Zeit geduldet.

Als im Januar ein zehnjähriges Mädchen aus Australien am Touristenstrand von Kuta ins Bein gebissen wurde, begannen die Behörden ihre Jagd auf die Hunde.

Über Nacht seien die Vierbeiner vom Strand verschwunden, erzählt Janice Girardi, Gründerin der Tierschutzorganisation BAWA auf Bali.

Am Freitag startete auf der Insel nun eine dreimonatige Kampagne, bei der möglichst alle Hunde auf Bali geimpft werden sollen.

110 Teams streunen aus

"Wir senden 110 Teams in alle Regierungsbezirke und Städte auf Bali. Die Kampagne konzentriert sich auf Dörfer, in denen es Fälle von Tollwut gegeben hat und auf solche, in denen Hunde frei herumlaufen und sich vermehren", erklärt Ketut Natakusuma, zuständig für Tiergesundheit im Landwirtschaftsministerium.

Zuvor hatte der Gouverneur von Bali, Made Mangku Pastika, die Öffentlichkeit um Hilfe gebeten.

"Wenn Sie einen streunenden Hund sehen, töten Sie ihn", wurde Pastika auf der Internet-Nachrichtenseite Kompas.com zitiert.

Die Tollwut breite sich aus, und die Regierung habe nicht genug Geld, um sich um die Opfer von Hundebissen zu kümmern, hieß es.

Tierschützer alarmiert

Der Aufruf des Gouverneurs alarmierte die Tierschützer. Eine Massentötung sei nur bei infizierten Hunden sinnvoll, sagt Girardi.

"Aber viele Menschen wissen nicht, wie man Tollwutsymptome erkennt und verfallen unnötig in Panik."

Zudem sei eine Tötung der Hunde nur bedingt effizient. Weitere Tiere kämen dann in die Gegend und diese könnten ebenfalls mit Tollwut infiziert sein.

Impfen ist die bessere Lösung, sagen Tierschützer. Nur eine Herdenimmunität könne die Tollwutepidemie beenden, sagt Girardi.

So könnten infizierte Tiere die Krankheit nicht weitergeben. Andri Jatikusumah, Tierarzt am Indonesischen Zentrum für Veterinärmedizin, stimmt zu: "Auch nach einer Massentötung wird die Hundepopulation innerhalb von zwei oder drei Monaten wieder ihre ursprüngliche Höhe erreichen."

400.000 Hunde auf Bali

Nach offiziellen Angaben gibt es auf Bali etwa 400.000 Hunde. Bei der muslimischen Bevölkerung Indonesiens sind Hunde weniger beliebt, weil sie im Islam als unrein gelten.

Die überwiegend hinduistischen Einwohner Balis schätzen die Tiere dagegen als Wachhunde oder gar als Schutz vor bösen Geistern.

Dennoch haben Berichte über Hunde, die vergiftet oder erschlagen wurden, in den vergangenen Monaten zugenommen. Inselbewohner schießen mit Giftpfeilen auf die Tiere oder legen vergiftete Fleischbällchen aus.

Bislang hat die Regierung ihre Maßnahmen als "begrenzte Ausmerzung" verteidigt.

"Sie betreffen nur streunende Hunde, die nicht geimpft werden können und möglicherweise der Tollwut ausgesetzt waren", sagt Natakusuma.

"Sie werden mit Zustimmung der Bevölkerung in Dörfern durchgeführt, in denen es bekannte Fälle von Tollwut gibt."

Die Regierung akzeptiert jedoch, dass es ohne Vorsorge nicht geht und startete deswegen die Impfkampagne. Es ist bereits die sechste seit 2008 und wird vermutlich nicht die letzte sein.

Die Zahl der Tollwut-Todesopfer ist seit 2008 deutlich gesunken. Im vergangenen Jahr starben drei Menschen an den Folgen von Tollwut, 2009 und 2010 waren es offiziellen Angaben zufolge insgesamt 149.

Mit zwei Todesfällen im ersten Quartal 2015 sei die Rate wieder leicht gestiegen. (dpa)

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