Ärzte Zeitung, 29.07.2015

Drei Monate nach Erdbeben

Nepal benötigt weiter Hilfe

Drei Monate nach dem schweren Erdbeben in Nepal berichten Hilfsorganisationen, dass die Aufräumarbeiten immernoch nur langsam vorangehen.

Von Pete Smith

Nepal benötigt weiter Hilfe

Noch immer dauern die Aufräumarbeiten nach dem schweren Erdbeben in Nepal im April an.

© Narendra Shrestha / epa / dpa

NEU-ISENBURG. Drei Monate nach dem Erdbeben in Nepal ist die Not der Bevölkerung noch immer gewaltig. Hunderttausende leben in Zelten oder in den Ruinen ihrer zerstörten Häuser, um sich vor den starken Regenfällen während des derzeitigen Monsuns zu schützen.

Die Angst vor weiteren Beben oder Erdrutschen ist groß. Am schlimmsten ergeht es den Kindern, die neben Hunger und Kälte Krankheiten und Gewalt erleiden.

Bei dem Erdbeben am 25. April 2015, dem schwersten in Nepal seit 80 Jahren, sind offiziellen Angaben zufolge 8249 Menschen gestorben und fast 22 000 verletzt worden. 2,8 Millionen Nepalesen verloren ihr Zuhause.

Die Aufbauarbeiten gehen nur langsam voran. Aufgrund der vom Monsunregen verursachten Landrutsche und Straßenschäden gelangen die Helfer oft nur nach tagelangen Wanderungen in die entlegenen Dörfer.

"Viele der Menschen sind traumatisiert", berichtet Carole De Lima, Projektmitarbeiterin der Johanniter Unfall Hilfe in Nepal. "Sie haben alles verloren und benötigen dringend Hilfe beim Wiederaufbau, der in vielen Regionen noch immer nicht begonnen hat."

Die Johanniter haben in den Bergdörfern im Distrikt Sindhupalchowk ein Projekt zur psychosozialen Betreuung von 2500 traumatisierten Menschen begonnen.

In Gruppen lernen sie, mit ihren Ängsten umzugehen und vor allem darüber zu reden. Für Frauen und Kinder sind Schutzräume geplant, in denen sie zusammen spielen und lernen können. Notschulen sollen den Kindern helfen, in ihren Alltag zurückzufinden.

Cholera und Lungenentzündung

Gerade die Lage der Jüngsten ist katastrophal. Laut Unicef sind durch das Beben mehr als 600 Mädchen und Jungen zu Waisen oder Halbwaisen geworden. 10.000 Kinder sind akut mangelernährt, mehr als 1000 von ihnen lebensbedrohlich.

Hinzu kommen weitere Gefährdungen, wie eine von World Vision, Plan International, Save the Children und Unicef initiierte Befragung unter 2000 nepalesischen Kindern kürzlich ergab.

Am schlimmsten stellt sich danach Situation in den Behelfsunterkünften dar, wo die Kinder aufgrund des Windes und Regens in akuter Gefahr sind, an Cholera und Lungenentzündung zu erkranken. Aber auch in den Zeltstädten wie etwa im größten Flüchtlingslager von Kathmandu sind Kinder nicht sicher. Aufgrund der großen Armut müssen viele arbeiten, andere werden sexuell misshandelt oder Opfer von Menschenhandel.

Lang und schwierig

Überall im Land fehlt es weiterhin an Unterkünften, Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Vielerorts, auch in entlegenen Gebieten, sind mobile Kliniken im Einsatz.

Schon vor dem Beben galt Nepal als eines der ärmsten Länder der Erde, durch die Naturkatastrophe sind viele Menschen nun noch tiefer in die Armut gerutscht. "Wir führen ein Rennen gegen die Zeit", sagt Lex Kassenberg, Länderdirektor der Hilfsorganisation Care in Nepal.

"Der Weg zum Wiederaufbau ist lang und schwierig." Dank vieler Spenden hat sich die humanitäre Lage in den vergangenen drei Monaten zwar etwas verbessert, aber Nepal wird nach Einschätzung von Experten noch lange auf internationale Hilfe angewiesen sein.

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