Ärzte Zeitung online, 19.11.2015

Internationaler Männertag

Wann ist ein Mann ein Mann?

Sie sterben früher und reagieren sensibler auf Probleme in der Kindheit: Der Internationale Männertag macht am 19. November auf die Probleme und Belange von Männern aufmerksam. Ein Überblick über ihre speziellen Eigenheiten.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Der Mann hat seine Rolle in der modernen Welt in manchen Bereichen offenbar noch nicht gefunden.

© coldwaterman/Fotolia

BERLIN. Männer weinen heimlich, Männer lügen am Telefon, Männer sind furchtbar stark. "Wann ist ein Mann ein Mann?" Das fragte schon Herbert Grönemeyer.

Der Internationale Männertag rückt das vermeintlich starke Geschlecht am 19. November in den Fokus - und macht etwa auf Benachteiligungen von Männern aufmerksam.

Die Ziele sind breiter gestreut als beim Weltmännertag am 3. November, bei dem es um Männergesundheit geht. Haben Männer tatsächlich das Nachsehen?

Männer leben oft ungesünder als Frauen

Kindheit: Alleinerziehende Mutter, Aufwachsen im Problem-Viertel, schlechte Schulbildung: Jungen reagieren anscheinend empfindlicher auf soziale Nachteile als ihre Schwestern, wie US-Forscher der Northwestern University kürzlich gezeigt haben.

Sie studierten Daten von mehr als einer Million Kinder, die zwischen 1992 und 2002 in Florida geboren wurden und kamen zum Schluss: Der Einfluss des Umfelds nach der Geburt mündet bei Jungen im Vergleich zu Mädchen etwa in schlechteren Schulnoten, mehr Lernschwächen, auffälligerem Verhalten und höherer Wahrscheinlichkeit für Straftaten im Jugendalter.

Gesundheit: Männer schätzen ihren Gesundheitszustand subjektiv besser ein als Frauen - dabei leben sie oft ungesünder.

Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Stress können etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Männer seien weniger aufmerksam für Symptome, glaubt die Expertin für Männergesundheit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Monika Köster.

Regelmäßige Arztbesuche seien Männer nicht gewöhnt. Ihnen werden auch weniger Medikamente verordnet, mit Ausnahme der Gruppen bis 9 Jahre und zwischen 60 und 75, wie aus dem AOK-Arzneimittelreport hervorgeht.

Das hängt auch mit der Haltung der Männer zusammen: Sie erwarten viel seltener eine Verschreibung als Frauen.

Männer gestehen sich psychische Probleme oft nicht ein

Psyche: Frauen sind dem jüngsten DAK-Psychoreport zufolge fast doppelt so häufig von psychischen Erkrankungen betroffen wie Männer. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass Männer weniger seelische Probleme haben.

"Es ist bei Männern heute immer noch nicht selbstverständlich, sich einzugestehen, dass man ein Problem im psychischen Bereich hat", sagt der Vizepräsident des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Michael Ziegelmayer.

Depressive Symptome würden häufig nicht diagnostiziert und unzureichend behandelt, warnt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

Hygiene: Zumindest beim Händewaschen kann von Gleichstellung nicht die Rede sein. Frauen gaben in einer BZgA-Umfrage "signifikant häufiger" als Männer an, sich die Hände zu waschen.

Das zeigen laut BZgA auch Studien der London School of Hygiene & Tropical Medicine mit 250.000 Besuchern von Raststätten-Toiletten. Ergebnis: Nicht einmal jeder dritte Mann benutzt dort Wasser und Seife. Dafür aber 64 Prozent der Frauen.

Elternzeit: Rund 80 Prozent der Väter, die sich für Elternzeit entscheiden, beziehen laut Statistischem Bundesamt Elterngeld für zwei Monate.

Das ist das Minimum, wenn Paare volle 14 Monate Unterstützung bekommen wollen.

Eberhard Schäfer vom Väterzentrum Berlin nimmt die kurze Zeitspanne in Schutz: Häufig treffe das Paar die Entscheidung gemeinsam. Grund ist auch die Angst der Männer vor Engpässen beim Einkommen und Nachteilen im Job, wie eine Commerzbank-Studie unter männlichen Mitarbeitern in Elternzeit ergab. Demnach wären 70 Prozent gern länger der Arbeit ferngeblieben.

Familienrecht: Leibliche Väter können ihre Vaterschaft nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht einklagen, wenn das Kind in einer anderen Familie lebt.

Wenn es eine "sozial-familiäre Beziehung" zu seinem rechtlichen Vater hat, ist eine entsprechende Klage demnach ausgeschlossen. Unter Umständen habe der biologische Vater aber ein Recht auf Umgang mit dem Kind.

Männer leben im Schnitt fünf Jahre kürzer

Lebenserwartung: Bei im Schnitt 77,7 Jahren liegt die Lebenserwartung bei Geburt für Männer in Deutschland derzeit - rund fünf Jahre weniger als bei Frauen.

Eine der Ursachen: Männer haben deutlich mehr Unfälle als Frauen, die meisten in der Freizeit. Leistung, Härte, Macht, das sei Teil traditioneller Männerrollen, die nach wie vor Fürsorge für den eigenen Körper verhinderten, sagt Monika Köster von der BZgA. Dies begünstige auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

Geschlecht: Hand auf's Herz. Wenn sie die Wahl hätten, würden die meisten Männer doch nicht mit den Frauen tauschen wollen.

Manchmal "gern vom anderen Geschlecht" wären einer YouGov-Umfrage zufolge lediglich 17 Prozent der Männer. Bei den Frauen war es immerhin jede Vierte. (dpa)

[19.11.2015, 15:28:51]
Dr. Horst Grünwoldt 
Gender-Rollen
So wie es einen Frauen- und Muttertag schon lange gibt, haben wir jetzt nicht nur einen christlichen "Vatertag", wo sich jeder Mann als solcher aufspielen darf, sondern im November sogar zwei "globalisierte" Männertage!
Bei der Frage nach der (gewünschten) Geschlechts-Vertauschung, bin ich mir sicher, daß jeder "Normalo" mit seinem Sexual-Schicksal mehr oder weniger zufrieden sein dürfte.
Schließlich dürfte die geschlechtliche Determination und das Heranwachsen in dieser "spannenden" unterschiedlichen "Gender"-Rolle der Antrieb für menschliche Aktivitäten und produktive Initiativen sein.
Insofern ist der "Geschlechterkampf" im Leben und der Liebe etwas höchst Kreatives; und zwar nicht nur im sexuellen Sinne!
Daß die beiden Geschlechter aufgrund ihrer besonderen Anatomie und Physiologie auch verschiedene Empfindsamkeiten oder Psychosen, und organische Krankheiten kennenlernen, hat heute gewiß weniger mit der Sozialisation und der Arbeitswelt zu tun.
So haben uns Männern zum "Ausgleich" der Gynäkologie, die Urologen auch die "Andrologie" geschenkt.
Über das Phänomen der unterschiedlichen(statistischen)Lebenserwartungen von Frau und Mann dürften die Erklärungsversuche aber noch nicht beendet sein. Oder ist das weibliche Leben vielleicht doch lebenswerter?
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »