Ärzte Zeitung, 15.12.2015

Todes-Statistik

Daran sterben die meisten Deutschen

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt, wie Statistiker jetzt errechnet haben. Bei den Todesursachen gab es nur in einer Kategorie einen Anstieg.

Von Jana Kötter

WIESBADEN. Die Menschen leben immer länger: Das durchschnittliche Sterbealter ist in den vergangenen zehn Jahren um fast zwei Jahre gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

2014 endete das Leben der Menschen in Deutschland im Durchschnitt demnach mit 78,1 Jahren; die Zahl der Todesfälle ist gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent gesunken.

Von den 868.356 Todesfällen des vergangenen Jahres starben - wie auch in den Vorjahren - die meisten Menschen an einer Herz-/Kreislauferkrankung.

38,9 Prozent waren darauf zurückzuführen, zum Beispiel auf einen Herzinfarkt (50.104 Menschen). 92 Prozent der an einer Krankheit des Herz-Kreislaufsystems Verstorbenen waren 65 Jahre und älter.

Brustkrebs für Frauen oft tödlich

Krebs bleibt die zweithäufigste Todesursache: Rund ein Viertel aller Verstorbenen (223.758 Menschen) erlag 2014 einem Krebsleiden, darunter 121.766 Männer und 101.992 Frauen.

Bei Männern waren die bösartigen Neubildungen der Verdauungsorgane beziehungsweise der Atmungsorgane die am häufigsten diagnostizierten Krebsarten.

Frauen waren ebenfalls am häufigsten von einer bösartigen Neubildung der Verdauungsorgane betroffen. Häufigste Einzeldiagnose bei den Krebserkrankungen von Frauen war jedoch der Brustkrebs.

Noch 1980 starb laut Angaben des Robert Koch-Instituts nur jeder Fünfte in Deutschland an einer Krebserkrankung.

Mehr Todesfälle mit nicht natürlicher Ursache

Vier Prozent aller Todesfälle (34.667) waren auf eine nicht natürliche Todesursache zurückzuführen. Das war eine der wenigen Todesursachengruppen, die 2014 wuchsen, wenn auch nur um 1,6 Prozent.

Knapp 12.000 Mal war ein Sturz die Todesursache. Durch einen Suizid beendeten 10.209 Menschen ihr Leben, wobei der Anteil der Männer mit 74,7 Prozent fast dreimal so hoch war wie jener der Frauen (25,3 Prozent).

[16.12.2015, 09:20:56]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Todesursachen-Statistik mit systematischen Fehlern!
So lange es in Deutschland kein System mit amtlich bestallten, medizinischen Leichenbeschauern gibt ("Coroner"-System in den USA), bzw. Ärztinnen und Ärzte hierzulande unter dem Druck einer vollen Sprechstunde oder einer umfassenden Kliniktätigkeit nebenbei noch "unverzüglich" tagsüber und nachts zur Leichenschau enteilen und die Lebenden im Stich lassen müssen, können Todesursachen beim besten Willen nicht wirklich konkretisiert werden.

Die Inspektion bzw. Untersuchung eines von Fachpersonal herbeigeschafften, vollständig entkleideten, gut ausgeleuchteten und ggf. nach Fotodokumentation des Auffindungsortes von Verschmutzungsspuren gereinigten Leichnams gemeinsam mit Assistenzpersonal ist uns Niedergelassenen einfach nicht möglich. Denn nur dabei könnten tatsächlich versteckte Injektions-, Stich- oder Schusswunden unter den Haaransätzen, diskrete Strangulationsspuren, Erstickung durch äußere Einwirkungen, Schädelbasis-Frakturen, verdächtige Hauteffloreszenzen, aber auch Beibringung von tödlich wirkenden Mitteln in Körperöffnungen, Vergiftungen etc., aber auch alle natürlichen Todesursachen besser detektiert werden.

Unter dem Druck einer Notfallsprechstunde, eines übervollen Wartezimmers, der Dokumentation einer gerade ambulant/stationär durchgeführten Intervention, einer besonders Leichenschau-fremden Spezialisierung, einer notwendigen Krankenbeobachtung, der Regelung und Befriedigung persönlich-privater Verrichtungen und Betätigungen, aber auch im Beisein von trauernden, wehklagenden, verstörten, in seltenen Fällen innerlich frohlockenden Angehörigen, ist die korrekte Leichenschau insbesondere im häuslichen Milieu unter den kritischen Blicken einer sich stetig vergrößernden Trauergemeinde ein fast undurchführbares „Public Viewing“.

Ein staatlich vereidigter, medizinisch qualifizierter und beamtenbesoldeter „Coroner“, wie z. B. in allen Bundesstaaten der USA für über 300 Millionen Menschen gesetzlich geregelt, würde als neutraler, rechtsmedizinisch geschulter Untersucher, Sachverständiger und Amtsperson mit Unterstützung von Hilfskräften das ihm fremde Terrain eines häuslichen oder öffentlichen Auffindungsortes inspizieren und die Trauergemeinde mit der ihm eigenen Professionalität und Autorität in die Schranken weisen. Suspekte, möglicherweise strafrechtlich relevante Umstände würden detektiert und hinzukommenden Ermittlungsbehörden gegenüber kommuniziert werden.

Heraus käme für Deutschland eine exaktere, differenziertere, belastbarere und glaubhaftere Todesursachenstatistik, als es sie bisher gibt! Diese könnte man für krankheitsepidemiologische Forschungen auch verwerten. Aber ob "Mutti" und ihre GROKO-"Gesundheits"-Experten das wohl irgendwann durchsetzen wollten oder gar könnten?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[15.12.2015, 18:11:57]
Thomas Sitte 
Statistik
Liebe Redaktion,

wenn die Summe von Summanden immer als Ergebnis 100% hat, und dies ist bei DEN Todesursachen so, dann können immer einige Ursachen sinken, wenn andere zunehmen. Sonst haben nicht mehr alle Patienten eine Todesursache.

Sehe ich das richtig? zum Beitrag »

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