Ärzte Zeitung, 08.02.2016

Zur Fassenacht

Im Krankewese gibt's Gestalde, des sollt mehr net für möglisch halde...

Ihr Dialekt klingt ein wenig, als stamme sie aus der Rhein-Main-Region. Wir sind aber sicher, dass sie ihre kritischen Einsichten auch locker auf köllsch, friesisch oder sächsisch formulieren könnte: Das ist die Abrechnung der Lady Gesundheitspolitik.

Von Sitzungspräsident Christoph Fuhr

Im Krankewese gibt's Gestalde, des sollt mehr net für möglisch halde...

Für die "Ärzte Zeitung" in der Bütt: Christoph Fuhr.

© Illian

Liebe Närrinnen und Narrhallesen,

Sächt die Patientin zum Doktor: "Schreibe Se mir bitte 99 Tablette uff". Sächt der Doktor: "Nehme Se doch gleich hunnert, gute Fraa." Sächt die Fraa: "Hunnert, Herr Doktor? Jetzt übertreibe Se mal net, wer soll dann die alle einnehme?"

Dädää,dädää, dädää, Tusch!

Wenn Sie nach diesem Witz sich denke,

mei Büttered hätt‘ kein Niveau,

dann dun sie mich damit net kränke,

isch bin gefrustet sowieso.

 

Das Business, aus dem ich komme,

ist sehr stark männerdominiert,

isch werde selten ernst genomme,

weil Selbstgefällischkeit regiert.

 

Gesundheitspolitische Gestalde,

hör deutschlandweit ich schwadroniern,

des sollt mer net für möglich halde,

was die fürn Kappes produziern!

 

Die Technokrate an vielen Orten,

formuliern Wörter, die klinge wie Blei.

"Leistungserbringer" ist son Wort,

des kriegste kaum in ne Büttered nei.

 

Geblendet von Macht wahrn sie stets ihre Pfründe,

liefern Binseweisheide, schamlos und frei,

entblöde sisch net, penetrant zu verkünde:

der Patient muss immer im Mittelpunkt sei.

 

Der Funktionär, das hat seine Gründe,

hält Harmonie fürn fremdes Wort,

jeder kämpft um seine Pfründe,

der eine hier, der andre dort.

 

Bei Podiums-Diskuss-i-onen,

mit Analysen in großen Sälen,

dun kluge Herren aufm Podium,

in Werklischkeit nur die Zuhörer quälen.

 

Erst labern se mit viel Gejammer,

aus ihrem Gezacker wird mer net schlau,

Dann macht sich jeder stolz vom Acker,

im dicke, fedde Ess-Ju-Vau.

 

Die Dokters un die Psychos klage:

der Schotter reicht net vorn, net hint,

am Monatsende knurrt der Mage,

Geld fehlt für Nahrung, Weib und Kind.

 

Der EBM, der däts net bringe,

die GOÄ sei Lug und Trug,

die Lieder, die die Leut stets singe

sinn oft Gebabbel, selten klug!

 

Ihr liewe Leut, kann mer des glawe?

Iss Doktors Lewe werklisch hart?

Oder muss mer Zweifel hawe,

und die sinn einfach nimmersatt?

 

Dädää, dädää, dädää, Tusch!

 

Es nerve allwissende Patiente,

die dies und das stets kritisiern,

laufe von einem Doc zum annern,

tun die Versorgung malträtiern.

 

Die Prävention sei voll danebe,

argumentiere sie, naiv,

Laufe, Yoga, Gewichte hebe?

Des wär bescheuert und primitiv.

 

Der Schnellimbiss iss ihre Heimat,

der Doppelwhopper macht viel Spaß,

und obedruff Pommes und Majo,

es grüßt Frau Adipositas.

 

Dann gibt's die Wellness-Spezialisde,

die bringe sich um ihren Lohn,

sie latsche in der Therme rum,

und dun sich dort n Fußpilz holn.

 

Uij jui jui, au, au, au, Tusch!

 

Die Pflege macht uns große Sorge,

Lohn miserabel, Wertschätzung mies,

wer verantwortlich plant und denkt auch an morge,

der weiß: die Pfleger brauche mehr Kies!

 

Die Krankekasse, auch des muss mer sage,

werrn immer deurer, was Versicherte frustriert,

Isch will mir erlaawe, vorsichtig zu frage,

ob das End der Parität die Versorgung demoliert?

 

Es gibt der Baustellen gar viele,

die meinen Alltag dominiern,

isch hätt auch noch ganz andre Ziele,

nur im Privatlebe dud nix passiern.

 

Isch gäb misch gerne mal erotisch,

als Femme fatale der Politik,

doch uff pfurztrockne Expertokrate,

da hab isch keinen Appetit!

 

Zwei knackische Bursche in hierarchischer Höhe,

ließe isch gerne als Ausnahme zu,

Montgomery und Hermann Gröhe,

die gönne mir ohnehin selten mei Ruh.

 

Buffda, buffda, buffdada, Tusch!

 

Und wenn Sie jetzt denke, was red die fürn Stuss,

dass das, was sie sacht, gar net witzisch ist,

dann bleibe isch locker und komme zum Schluss: mer muss auch mal lache in einer Welt voller Mist!

 

Denn ein wenig Humor hält im Alltag Sie fit,

und wirft Ihren Ruf garantiert net vom Hocker,

die Botschaft von Lady Gesundheitspolitik

is: Lache se mit - und bleibe se locker!

 

Helau!

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