Ärzte Zeitung, 11.02.2016

Zugunglück in Bayern

Bergung dauert an

Nach dem schweren Zugunglück im oberbayerischen Bad Aibling sind zahlreiche Rettungskräfte im Einsatz. Unterdessen werden viele der 80 Verletzten weiter im Krankenhaus behandelt.

Von Anne Zegelman

BAD AIBLING. Nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling in Oberbayern, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen, sind die Bilder der beiden ineinander verkeilten Züge noch immer allgegenwärtig. Die Bergung der Unglückszüge der Bayerischen Oberlandbahn, die zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal aufeinander prallten, wird nach Einschätzung der Rettungskräfte mindestens zwei Tage dauern.

Die Bergung ist eine logistische Herausforderung, da die Unglücksstelle nur über Schienen, Wasser oder Luft erreichbar ist. Ein erster Spezialkran der Deutschen Bahn traf am Mittwochvormittag am Unfallort ein. Der Kran aus Fulda habe eine Tragkraft von 160 Tonnen, teilte das betreibende Unternehmen mit. Zudem gehörten fünf Module inklusive Werkstatt und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Einsatzkräfte zu dem Gerät. Ein weiterer Kran aus Leipzig mit einer Tragkraft von 75 Tonnen stehe auf Abruf bereit.

Zunächst sollten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) mit schwerem Schneidegerät versuchen, die Triebköpfe auseinanderzuschneiden und danach die Züge voneinander zu trennen, erklärte Wolfram Höfler, Einsatzleiter der Feuerwehr. Rund hundert Helfer beteiligten sich an der Bergungsaktion.

Brüche und innere Verletzungen

Zehn Menschen starben, 80 wurden verletzt, als die beiden Züge am frühen Dienstagmorgen ineinander fuhren. Ein behandelnder Arzt sagte über die Art der Verletzungen der Opfer: "Es war das ganze Spektrum vorhanden, Knochenbrüche, innere Verletzungen, alles." Auch schwere Schädel-Hirn-Traumata seien bei solch massiven Unfällen üblich. In den Kliniken im Umkreis waren kurz nach dem Unglück sämtliche geplante Operationen abgesagt worden, um die Schwerverletzten zu versorgen.

Mit Rücksicht auf den Schutz der Betroffenen wollte sich das Krankenhaus Agatharied in Hausham am Mittwoch nicht konkret zu den Verletzungen der bei ihnen behandelten Patienten äußern. Generell gelte mit Blick auf die Dauer des Krankenhausaufenthaltes bei vergleichbaren Verletzungen: "Zwei Wochen aufwärts, da ist aber keine Grenze gesetzt - je nach Verlauf."

Ministerin dankt Blutspendern

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) dankte Blutspendern für ihre Hilfsbereitschaft. "Hunderte Menschen haben am Faschingsdienstag spontan Blut gespendet und dafür langes Warten in Kauf genommen", sagte sie. Zuvor hatte der Blutspendendienst München dazu aufgerufen, Blut zu spenden, da "akut ein deutlich erhöhter Bedarf an lebensrettenden Blutkonserven" bestehe. Huml dankte auch den Ersthelfern, Ärzten und Pflegern in den Krankenhäusern. Rund 700 Helfer hatten sich an dem Rettungseinsatz beteiligt.

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lobte den Einsatz: In einem fast eineinhalbstündigen Gespräch mit beteiligten Rettungskräften informierte er sich über die Geschehnisse und erkundigte sich unter anderem, ob alle erforderlichen Geräten verfügbar seien. "Das Land trauert und ist erschüttert", sagte Seehofer nach Angaben einer Sprecherin bei dem Termin hinter verschlossenen Türen im Rathaus der oberbayerischen Gemeinde, an dem auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth, sein bayerischer Kollege Joachim Herrmann, Ilse Aigner sowie zahlreiche Vertreter anderer Parteien teilnahmen.

Unterdessen will sich die Staatsanwaltschaft Traunstein nicht weiter zum Stand der Ermittlungen äußern. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang, hieß es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern. Die "Süddeutschen Zeitung" berichtete, die Polizei durchsuche Räume am Bahnhof Bad Aibling, in denen sich auch Fahrdienstleiter aufhalten, Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gab bekannt, dass eine 50-köpfige Sonderkommission der Kriminalpolizei an dem Fall arbeite.

Neun der zehn Opfer sind identifiziert worden. Es handelt sich um Männer zwischen 24 und 60 Jahren aus der Region, wie Polizeisprecher Jürgen Thalmeier sagte. (mit dpa)

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